Entschleunigungstour im Rheingau

28. Juli 2020
16,3 Kilometer insgesamt – jeder Schritt zählt !

Nach einem gemütlichen Frühstück starten wir über die A66 zum Kloster Eberbach.
Aus meinem neuen Wanderbuch „Wanderungen für die Seele im Rheingau und Taunushabe ich einen Rundweg herausgesucht, der vom Kloster-Eberbach über Kiedrich und Erbach zurück zum Kloster führt. Er ist mit knapp 14 Kilometer angegeben. Daraus sind schlussendlich 16,3 geworden.

Auf dem Parkplatz von Kloster Eberbach angekommen löhne ich mal wieder Parkgebühren. Diesmal sind es 4 Euronen für den ganzen Tag. Wir schnüren die Wanderschuhe und los geht es exakt um 13 Uhr. Bereits nach hundert Schritten entdecken wir ein Hinweisschild, dass ein Teil unserer Wanderstrecke gesperrt sein soll. Einen Umleitungshinweis gibt es nicht. Ganz großes ‚What’s up??-Kino!!! Wir stehen einen Moment ratlos herum und sehen in einiger Entfernung ein Wanderpärchen kommen. Wir erhoffen uns ein paar Hinweise und werden nicht enttäuscht. Die Baden-Württemberger kommen gerade aus dem gotischen Weindorf Kiedrich und genau da wollen wir hin. Keine Sperrung, alles ganz normal zu belaufen, heißt es.

Wir befinden uns auf einem Teil des 320 Kilometer langen Rheinsteigs. Und natürlich geht’s erstmal stetig bergan durch ein sehr schönes wildwüchsiges Waldgebiet. Dann öffnet sich der Wald und ein herrliches Wiesengebiet liegt vor uns. Wir wandern den gut ausgeschilderten Weg durch Wiesen, Feldwege und unendliche Weinberge bis zu einer kleinen Hütte mit Bänken. Hier legen wir die erste Trinkpause ein und genießen den weiten Blick in den Rheingau und auf Kiedrich. Der weitere Weg führt uns ausschließlich an Hunderten schnurgerade gepflanzten Weinreben direkt in den 1000-jährigen Weinort. Hätte ich jetzt schon gewusst, dass jedes Paar, dass sich in Kiedrich trauen lässt, einen eigenen Rebstock im „Weinberg der Ehe“ erhält, hätte ich danach gesucht!

Weil der Wanderführer in erster Linie die Seele anspricht und textlich etwas herumschwülst, informieren wir uns auf dem Kiedricher Stadtplan, wo genau der Wanderweg weiterführt. Aber erst zieht es mich noch zur Wallfahrtskirche Basilika St. Valentin aus dem 14. Jahrhundert und dem Marktbrunnen. Kiedrich wurde von Kriegszerstörungen verschont und besitzt deshalb noch viele alte Bürger- und Adelshöfe sowie ein wunderschönes Renaissance-Rathaus. Das Kircheninnere selbst konnten wir nur durch eine verschlossene Glastür bewundern.

Jetzt geht es weiter Richtung Erbach. Der Name der kleinen Weinbaugemeinde leitet sich vom Kloster Eberbach und dem gleichnamigen Bach ab, der hier in den Rhein mündet. Wir wundern uns ein wenig, warum der Wanderweg direkt neben der Straße verläuft. Auf der Bank einer Bushaltestelle wollen wir uns in dem ‚Mit-der-Seele-Wander-Buch‘ vergewissern, ob wir richtig liegen. Tja, leider war das Buch in beiden Rucksäcken nicht aufzufinden. Es ist nach kurzer Überlegung beim Heiligen Valentin in der Basilika liegen geblieben. Wir müssen also nach Gefühl weiterwandern, was dazu führt dass wir einen riesigen Umweg – diesmal wieder durch die Weinberge – machen. Aber, es ist angenehm warm und wunderschön. Kurz vor Erbach machen wir noch eine längere Trinkpause und erreichen kurze Zeit später die Weinbaugemeinde.

Erbach blickt auf eine über 1000 Jahre alte Geschichte zurück. Bekannt wurde das Örtchen am Rhein in erster Linie durch seinen hervorragenden Wein von Weltruf, die Erbacher Weinlage „Marcobrunn“. Durch eine Unterführung kommen wir direkt zum 1.230 Kilometer langen EuroVelo-Rheinradweg, der durch fünf Staaten führt. Hier picknicken wir auf einer Bank direkt am Rhein, zählen die E-Bikes und beobachten die Schiffe, die in beiden Richtungen langsam über den Rhein gleiten.
Da wir nicht – wie im Wanderbuch beschrieben – in Eltville angekommen sind, ändern wir spontan aus zeitlichen Gründen die Route und wandern direkt über einen wunderschönen Weg zurück zum Kloster Eberbach. Wir beschließen schon jetzt, in Eltville, ‚der Perle im Rheingau,‘ in eine Straußenwirtschaft einzukehren.

Kurz nach 18 Uhr erreichen wir den Kloster-Parkplatz. Endlich raus aus den Wanderschuhen, trinken und kurz ausruhen. Das 1136 gegründete Kloster war bereits geschlossen, aber wir konnten uns einen kleinen Eindruck über den Klostergarten verschaffen. In der weitläufigen Anlage wurde der Kinohit „Der Name der Rose“ verfilmt. Doch seine eigentliche Weltgeltung verdankt Eberbach den Mönchen, die den Weinbau über 700 Jahre kultivierten.

Jetzt meldet sich der Hunger. Und ab geht’s mit dem Auto ins 2 Kilometer entfernte Eltville, dass eng mit dem Namen Gutenberg verbunden ist. Der Erfinder des Buchdrucks lebte und wirkte im 15. Jahrhundert zeitweise in der Wein- und Sekt-Stadt. In der Nähe der Kurfürstlichen Eltviller Burg kehren wir beim Weingut Koegler ein. Wir sitzen im gemütlichen Straußen-Garten, schnabulieren Handkäs‘ und Flammekuche und gönnen uns je eine große Weinschorle. Es ist herrlich gemütlich. Für einen Absacker gehen wir noch an die Rheinufer-Promenade und lassen den Wandertag am Weinprobierstand ausklingen.

Eine Tour, die sehr zu empfehlen ist, wobei die Entschleunigung ein bisschen gelitten hat, da der Weg bis Kiedrich schlecht ausgeschildert war.

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