Über den steilsten Weinberg Europas in den Weinort Bremm

Sonntag, 20.9.2020

Spontaner Kurztripp zum Wandern an die Mosel

Ich stehe auf dem Balkon und betrachte den stahlblauen Himmel. In der Wohnung finde ich keine Ruhe, laufe hin und her und will am liebsten nochmal wandern. Ich stehe vor meinem Reisebücherregal und entdecke ganz plötzlich ein Wanderbuch für die Mosel. Das isses doch! Viele Campingplätze sind ausgebucht, aber in Ediger-Eller in der Calmont-Region haben sie noch einen Stellplatz für mich. Wie geil ist das denn!!!

Erst die Arbeit, dann der Spaß. Ich erledige noch Schriftverkehr für meine Tante und düse gegen 16 Uhr los. Der Eindruck, dass diese Autobahn nur aus Baustellen besteht, verfestigt sich. Ich komme langsamer voran als gedacht. Alles beginnt mit dem üblichen 2km-Stau an der Salzbachtalbrücke.

Ich checke um halbsieben ein, baue Fiete auf und gehe zum Essen in den Ort. Beim Wajos decke ich mich mit Weinbergs-Pfirsichlikör und einer Flasche Federweißer ein.
Während ich meine erworbenen Schätze koste und koste und……., lege ich mein Wanderziel für morgen fest.

Montag 21.9.2020

Wie erwartet strahlt die Sonne von einem stahlblauen Himmel. Es ist 26 Grad und ich will heute unbedingt auf den Calmont, dem steilsten Weinberg Europas. Ich laufe zunächst an der Mosel entlang, bis es hinter dem Bahnhof von Eller sowohl in dem Moselsteig-Höhenweg als auch zum berühmten Klettersteig geht.

Majestätisch steigt der „heiße Berg“ – wie der Calmont auch genannt wird – zwischen den Weinorten Ediger-Eller und Bremm in den Himmel. Unglaublich, dass in solchen Lagen Trauben geerntet werden. Ich kann mir kaum vorstellen, wie sich bei bis zu halsbrecherischen 65 Grad Neigung hier eine Rebe, geschweige denn ein Mensch halten kann!! Immerhin 378 Meter misst der „Mount Everest“ an seiner höchsten Stelle.

Auf geht’s! Über einen steilen Serpentinenpfad, den Moselhöhenweg, erreiche ich die Schutzhütte Galgenlay. Sie trägt ihren Namen von einem Galgen, der einst zur Abschreckung der Bürger an dieser Stelle aufgestellt war. Hier teilt sich der Weg. Die Wagemutigen biegen zum Klettersteig mit der „Todesfahne“ ab, einem Felsvorsprung mit Deutschlandflagge und herrlicher Aussicht. Ich steige weiter den Höhenweg hinauf.

Mittlerweile ist es richtig heiß geworden. Und das ist kein Wunder, denn wie ein riesiger Hohlspiegel fangen die nach Süden gerichteten Hänge die Sonnenstrahlen ein und speichern sie in den dunkeln Schieferböden. Deshalb kann es gut und gerne in den Sommermonaten 40 Grad und mehr geben! Gehört Mitte September noch zu den Sommermonaten??????
Ich steige Schritt für Schritt weiter auf und sammle hunderte Schweißperlen in meinem Wanderhandtuch. Als Wander-Greenhorn bin ich selbstverständlich sehr gut ausgerüstet 🙂 !

Der serpentinenartige Aufstieg ist für mich eine Herausforderung. Ich denke ab und zu an die ebene Gipfelfläche, konzentriere mich dann aber wieder auf jeden Schritt. Ausdauer ist gefragt. Und endlich haben die Füße geraden Boden unter sich. Ich bin auf der Gipfelfläche angekommen.
Hinweisschilder führen mich durch den lichten Wald zunächst zum Vier-Seen-Blick, den ich aber nicht genießen kann. Die kleine hölzerne Plattform ist derzeit gesperrt.

An der Moselhöhenschutzhütte der Feuerwehr ist ganz schön was los. Ich picknicke trotz Geplapper und „Guck-mal“-Ausrufen hier, weil der Blick ins Moseltal mit seinen schroffen Rebenhängen einfach umwerfend ist.
Das nächste Highlight ist ein römisches Höhenheiligtum in einer traumhaften Lage direkt auf dem Calmont Gipfel. Bei Ausgrabungsarbeiten wurden 2005 Reste eines Tempels entdeckt und „lebensecht“ wieder aufgebaut. Zahlreiche Steinmännchen zieren die Mauern.

Jetzt sind es noch einige hundert Meter zur Aussichtsplattform, die einen der schönsten Ausblicke des ganzen Moselsteigs freigeben soll. Der Blick auf die im Tal gelegene Klosterruine Stuben, den Petersberg, die Orte Bremm und Ediger-Eller mit der berühmten Eisenbahnbrücke ist genial und überwältigend.
Die Eisenbahnbrücke war übrigens Teil der sogenannten „Kanonenbahn Berlin-Metz“. Sie stammt aus dem deutschen Kaiserreich und versorgte die Truppen im 1. Weltkrieg mit Nachschub.

Jetzt befinde ich mich schon auf dem Abstieg nach Bremm. Es braucht mal wieder eine Kombination aus Intuition und Orientierungssinn, denn die Wanderhinweise sind mehr schlecht als recht. Und die Einheimischen kennen sich „null-Komma-null“ aus! Deshalb laufe ich mal auf dem Moselsteig und mal auf der Straße. Das letzte Stück führt wieder durch Weinberge, teilweise am Kreuzweg der Sankt Laurentius-Kirche entlang, direkt nach Bremm-Ortsmitte.

Die Haltestelle des ,,Calmont-Express-Busses 711“ liegt unmittelbar an der B49 und ich habe Glück. Keine 10 Minuten später sitze ich im Bus nach Ediger-Eller. Beim Bäcker kaufe ich noch Frühstücksbrötchen für morgen und esse ein Eis.

Auf meiner Womoterrasse koste ich die letzten Sonnenstrahlen aus und hänge meinen Gedanken nach. Wein trinken und essen im Ort fallen flach, ich bin geschafft, bleibe „zu Hause“ und gehe früher ins Bett. Ich will genug Zeit zum Träumen haben.

 

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