Auf den Spuren der Steillagenwinzer – Wanderung auf dem Moselsteig von Beilstein nach Cochem

Dienstag 22.9.2020

Die 18. Etappe auf dem Moselsteig beginnt in Beilstein. Sie führt durch Weinberge, über aussichtsreiche Höhen, durch ein idyllisches Bach-Tal und über den Apolloweg – Teil des Moselsteigs – nach Cochem.
Länge 14 Kilometer, Dauer 4 Stunden, Schwierigkeit mittel.
Und genau diese Etappe habe ich mir für heute vorgenommen.
Das Wetter ist sagenhaft, stahlblauer Himmel, 26 Grad warm.

Ich fahre mit dem „Calmont-Express-Bus 711“ bis Ellenz-Poltersdorf. Von hier bringt mich eine kleine Fähre nach Beilstein. Der Touristenort schläft noch, Gott sei Dank! Sobald die ersten Schiffe und Busse eintrudeln steppt hier nämlich der Bär. Dann schieben sich Hundertschaften von Touris durch den kleinen denkmalgeschützten Weinort mit seinem mittelalterlichen Stadtbild, und das täglich in der Saison.
Bevor das passiert suche ich schnell den Einstieg in den Moselsteig. Das erste Wanderzeichen führt mich zur Klostertreppe hinauf, auf der schon Heinz Rühmann, Curd Jürgens und Willi Millowitsch die 108 Stufen für ihre damaligen Filme heruntergeschritten sind.

Die Burgruine Metternich (12.-15. Jh. und Ende des 17. Jhs. von den Franzosen zerstört) lasse ich links liegen. Hinter dem Karmeliter-Kloster geht es gleich zur Sache. Es beginnt ein steiler Anstieg auf einem schmalen Pfad, der Trittsicherheit und ein Quäntchen an Schwindelfreiheit erfordert. Der Pfad ist teilweise seilgesichert und ich erreiche gesund und mehr oder weniger munter den Aussichtspunkt „Plaatskopf“. Von hier habe ich einen grandiosen Blick auf die Burgruine, die Klosterkirche St. Joseph (17. Jh.), die Mosel und den Weinort Ellenz-Poltersdorf.

Ausblick nach der ersten Hürde

Weiter geht es auf dem schmalen Pfad und ich erreiche das erste von drei Torgattern, das mich und den Weinberg vor den vierbeinigen Gourmets, den Wildschweinen, schützt. Der Pfad windet sich schwindelerregend weiter bis zum zweiten Gatter. Dann geht’s entlang an brachliegenden steilen Weinbergen und viel Gehölz bis zu einem überdachten Rastplatz. Hier verschnaufe ich und denke für einen Moment nach: schaffe ich das mit meiner Höhenangst, wenn es so weiter geht, oder kehre ich um. Mein Kopf sagt zurückgehen, mein Bauch weitergehen. Der Bauch siegt und mit viel Selbstvertrauen und meiner Beharrlichkeit wandere ich weiter.

Unterwegs habe ich einen tollen Blick auf die Mosel-Staustufe Fankel. Hinter dem letzten Gatter laufe ich gemütlich auf einem breiteren Grasweg entlang, der in einen Asphaltweg nach Bruttig übergeht. An der nächsten Weggabelung suche ich vergeblich mein Moselsteig-Symbol. Ich laufe deshalb in den Ort hinein und ein kleines Stück an der Mosel entlang. Kein Schwein ist auf der Straße – ach ja, die sind alle in den Weinbergen!!!
Intuitiv halte ich mich immer in Richtung Moselhänge und gelange auf einen hervorragenden Wirtschaftsweg durch hunderte von Weinstöcken.

Zunächst steige ich ins Kabeiner Bachtal hinab, aber die Freude darüber hält nur kurz. Es wird nämlich wieder ziemlich happig. Ein sehr steiler und langer Aufstieg zum Moselplateau erwartet mich. Der Pfad windet sich über einige Stege und entlang eines Baches. Nach 2/3 dieser kräfteraubenden Strecke empfängt mich mitten im Wald eine wunderbare Bank. Ich lasse mich nieder, höre nur das Geplätscher des Bächleins und das leise Rascheln der Blätter. Ich genieße die Ruhe, mein Picknick und den kalten Tee und bewältige das letzte steile Stück des Moselsteigs zum Plateau mit neuer Kraft.

Der Moselsteig führt jetzt direkt an der Hangkante entlang mit tollen Aussichten auf das Moseltal. Ich erreiche den Valwiger Berg und die Stelle „Schöne Aussicht“. Hier gibt es – neben wunderbaren Blicken auf Mosel und den Weinort Ernst – einen Baumfriedhof und eine Schanze für Paraglider. Im Ort treffe ich auf die Wallfahrts-Kirche St. Maria & Maria Magdalena. Leider ist sie geschlossen. Etwa dreihundert Meter weiter verpasse ich gedankenversunken den Wiedereinstieg in den Apolloweg, der hier den Moselsteig bis Cochem ablöst. Deshalb laufe ich bequem auf der K36 Richtung Valwig hinunter und treffe zeitgleich mit einem Mountainbiker an einer weiteren Aussichtsstelle auf das Moseltal ein. Es entwickelt sich ein interessantes Gespräch, wir tauschen Informationen aus und unsere Wege trennen sich wieder.

Wallfahrtskirche

Kurz vor Valwig kreuze ich den Apolloweg, der auf breiten Weinbergswegen durch die Moselberge führt. Mit Eintritt in den Brauselayfelsen wird der Weg wieder sehr viel schmaler und erreicht als Moselsteig die steinerne Apollo-Schutzhütte. Das Gebiet um den Brauselayfelsen steht seit 1941 unter Naturschutz. Das Felsmassiv ist über 300 Millionen Jahre alt, überwiegend aus Tonschiefer und wird auch „die Loreley an der Mosel“ genannt. Über dem Fluss auf einem Felsensporn steht seit 1935 eine Madonna, die Mutter Gottes mit Kind.

Während ich mich auf die spektakuläre Lage der Cochemer Reichsburg freue, stehe ich urplötzlich vor einem großen Warnschild: Der Apolloweg ist ab hier voll gesperrt. Am 27. Januar 2018 sind genau hier einige schwere Gesteinsbrocken abgegangen. Die nötige Hangsicherung ist immer noch nicht fertig.

Die Umleitungsstrecke führt durch einen sehr steilen Weinberg. Ich hangle mich von Weinrebe zu Weinrebe ans Moselufer und laufe auf dem Radweg bis Cochem-Cond. Und dann ist er da, der Blick auf die stolze Reichsburg. Durch das ungünstig stehende Licht ist es eine Herausforderung, die Burg auf die Speicherkarte zu bannen. Es geht weiter am Ufer entlang und ich überquere nicht ganz leichtfüßig aber dennoch beschwingt die Skagerrak-Brücke. Sie hat ihren Namen von der im 1. Weltkrieg erfolgten Seeschlacht vor dem Skagerrak. Warum lässt sich nicht klären. Die letzten Schritte gehe ich sehr bewusst und erreiche die Cochemer Altstadt.

Es ist ziemlich warm, meine Haut klebt, aber ich hab’s geschafft! Wie geil ist das denn! Ich bin stolz wie Oskar, als Wander-Greenhorn mein Ziel erreicht zu haben. Zur Belohnung genehmige ich mir ein Spaghetti-Eis zum Mitnehmen. Warum zum Mitnehmen? Der Trubel in der Stadt ist mir nach dieser wunderschönen Wanderung zu viel. Ich suche das Weite und entscheide mich für eine schattige Bank an der Schiffsanlegestelle. Hier genieße ich wieder die Ruhe der dahinfließenden Mosel, schlabbere mein Eis, studiere den Busfahrplan und fahre mit dem 711er um 17:18 Uhr vom Busbahnhof Enderplatz zurück nach Ediger-Eller. Nach einer halben Stunde Fahrt und letzten Schritten zum CP bin ich wieder bei Fiete.

Ich chille eine geschlagene Stunde und raffe mich dann auf, um in Eller zu Abend zu essen. Mit einer Flasche Federweißer und 20 Kilometern alles in allem beschließe ich den ereignisreichen Tag.

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