Flugzeug ist out – PKW fahren ist in!

Individuelle Naturerlebnisse durch und mit Corona-Auf-und-ab-Lockdown

Tja, was soll ich sagen.
Die sozialen Kontakte in Coronazeiten beschränken sich auf unendliche Videocalls und virtuelle Meetings im Netz. Damit ist der soziale Kontakt relativ eingeschränkt. Es plaudert sich eben natürlicher, wenn man sich nahe ist, wenn man eine Umarmung genießen kann und ein süffiges Bier oder einen hervorragenden Wein in einem vollen Gartenlokal genießen kann.
Iss‘ aber nix!

Nun, meckern bringt nichts. Positive Gedanken und eine regelmäßige Tagesstruktur helfen. Mir jedenfalls. Körperlich aktiv sein, Neues in der Heimat entdecken, Hobbies intensivieren und Menschen in den sozialen Netzwerken daran teilhaben zu lassen, das ist jetzt meine Alternative. Ich nutze sie, und ich überzeuge mich, dass es in und um Frankfurt auch Schönes zu entdecken gibt. Es funktioniert.

Ich stromere nicht nur in „meinem“ Frankfurt“ herum, sondern bewege mich im Taunus, am Rhein, an der Lahn, an der Nidda, in Mainz, Wiesbaden, Marburg und Heidelberg, in Naturschutzgebieten und auf Burgen. Meist zu Fuß, mit dem PKW aber auch mit dem Rad. Tja, in Pandemiezeiten werden die Touren vor allem kürzer und näher. Ich verdränge aufkommende Gedanken an eine 5-wöchige Rundtour durch Portugal oder einen märchenhaften Tripp durch Marokko……. Es gelingt nur bedingt.

Damit mein ‚Gute-Laune-Blog‘ nicht am Hungertuch nagen muss, habe ich mich entschlossen, von meinen Ausflügen zu berichten und diese mit wunderbaren Bildern zu schmücken. Ich wünsche mir, dass es gelingt, bei Einigen das Interesse zu wecken, nicht nur zum Lesen sondern auch um selbst aktiv zu werden.
Wenn es bei den Lockdownen – ist das eigentlich der Plural?? –  schon keine langfristigen Ziele gibt, so könnte sich doch beispielsweise ein Couchpotato an meines halten, oder?
Viel Spaß dabei.
Los geht es mit den Naturschutzgebieten Kühkopf, Bingenheimer Ried und Rauentaler Spange.

Der Kühkopf – Naturschutzgebiet im Hessischen Ried
Heute fahre ich mit dem PKW nach „Stockscht am Rhoi“. Ich habe nach der Winterpause wieder richtig Bock zu wandern und fange klein an. Sechs Corona-Kilos müssen runter!

Stockstadt liegt in der Oberrheinischen Tiefebene zwischen Rhein und Bergstraße und ist das Tor zum größten Naturschutzgebiet Hessens, dem Kühkopf. Wie eine große Wasserschlaufe liegt das Gebiet inmitten einer fast unberührten Natur. Ich erinnere mich an einen Schulausflug zum Kühkopf, der mittlerweile knapp über sechzig Jahre zurückliegt.

Ich picknicke zunächst am Parkplatz Richthofen direkt neben der Ehrfelder Altrheinbrücke. Auf einer Bank genieße ich die ersten Eindrücke der Auenlandschaft am Altrhein. Dann schlendere ich über die Brücke auf die Binneninsel. Sofort begleiten mich unaufhörlich die Klopfgeräusche der Spechte.

Ich wähle aus den 60 Kilometer Wanderwegen und einem Gespräch mit netten Mitwanderern den 7 ½ Kilometer langen Nachtigallen-Rundweg, der im östlichen Bereich der Rheininsel verläuft. Er führt durch unberührte Auenlandschaft, urwaldartige sonnendurchflutete Wälder der Hartholzaue vorbei am Altrheinarm. Mit seinen zahlreichen Seitenarmen gleicht er einem grünen Dschungel mit imposanten Baumriesen, ausgedehnten Schilfwäldchen und zahlreichen Stillwasserbereichen. Besonders die Pappelkulturen mit ihren silbrigen Blättern fallen mir auf. Die ersten Vorfrühlingsblüher sind da. Verschiedene Reiher und nach wie vor das Klopfen der Spechte begleiten mich auf meinem Weg. Leider treibt der Borkenkäfer auch hier sein Unwesen. Die Hinweisschilder sind nicht zu übersehen.

Ein sehr empfehlenswerter Ausflug für Naturliebhaber. Für fitte Wanderer gibt es genug Alternativen. Empfehlenswert ist übrigens die Komoot App, die bei mangelnden Hinweisschildern immer die Spur hält.

Zwischen Taunus und Vogelsberg – das Bingenheimer Naturschutzgebiet
Heute wähle ich ein Naturschutzgebiet in der östlichen Wetterau. Es gibt in dieser Größe kein zweites in Südwestdeutschland. Von einer Ex-Kollegin und Reisebloggerin habe ich mich inspirieren lassen.

Das Feuchtwiesengebiet Bingenheimer Ried befindet sich zwischen Taunus und Vogelsberg in der Horloffaue, etwa 40 km nördlich von Frankfurt am Main. Auf dem Parkplatz bin ich die Einzige. Schön, denke ich, dann kann ich auch hier wieder die Ruhe genießen.

Ich finde eine flache, von Auelehm überzogene Niedermoorsenke vor. Kleinere Tümpel sind in das Gebiet integriert. Dadurch entstehen wichtige Rastgebiete für Watvögel und Enten. Schon am ersten Beobachtungshäuschen quakt und piept es ununterbrochen. Vogelbeobachter haben ihre Stative und Fotoapparate mit wahnsinnigen Objektiven in Stellung gebracht. Gut dreißig Vogelarten brüten hier. Zahlreiche Weißstörche empfangen mich mit ihrem lauten Geklappere.

Unterwegs gibt es ein großes Angebot von Insektenhotels und Nistkästen. Ewa hundert imposante Rinder sind wichtige Landschaftspfleger in den renaturierten Feuchtwiesen. Mit der Beweidung halten sie die Landschaft offen und schaffen ein wertvolles Mosaik aus hohen und niedrigen Pflanzenarten, die seltenen Krötenarten Schutz gewähren. Zwischendrin gibt es wunderschöne Auewälder. Die Weite der Landschaft hat etwas ungemein Beruhigendes. Ich schließe die Augen, atme tief durch und genieße den aufgeblähten Brustkorb.

Entsprechend groß ist die Bedeutung dieses Naturschutzgebietes, das für mehr als zehn Vogelarten das landesweit wichtigste Brutgebiet darstellt. Leider habe ich nicht einen einzigen Laut der angeblich 1.000 quakenden Laubfrösche vernommen. Sehr schade. Das führt mal wieder zu einem Déjavu. Auf einem Campingplatz in Frankreich übernachtete ich an einem recht kleinen Gewässer. Bei Anbruch der Dunkelheit begann ein einziger Frosch zu quaken. Alle anderen folgten mit kurze Abstand. Mit Sicherheit waren das 1.000e und ich habe niemals gedacht, dass ein Froschkonzert solche Ausmaße nehmen kann. Mein Schlaf war dahin – trotz Ohrstöpseln. Ja, Corona lässt Vergangenes aufleben.

Auch hier war ich wieder nur 7 ½ Kilometer unterwegs. Ich muss mich immer noch ‚auffitten‘!! Die Wanderung kann noch erweitert werden und führt dann zum Teufel- und zum Pfaffensee. Auch hier möchte ich unbedingt eine Empfehlung loswerden.
Zum Abschluss habe ich noch einen kleinen Abstecher nach Bad Nauheim gemacht.

Premiumwanderweg Rauenthaler Spange im Rheingau
Ich sitze bequem auf der Couch und suche ein Wanderziel. Die Beschreibung des Rundwanderweges „Rauenthaler Spange“, der teilweise mit dem legendären Rheinsteig verbunden ist, reizt mich und ich entscheide mich spontan für diese Tour.

Ab ins Auto und rein in den Rheingau-Vordertaunus. Startpunkt ist der Wanderparkplatz „Grillhütte Rauenthal“. Dieser ist schon gut gefüllt, aber ein Picknickplätzchen für mich ist noch frei. Hier beeilt man sich lieber und es geht nach dem Prinzip ankommen, raus aus dem Auto, rein in die Wanderschuhe und los. Es hat ganz den Anschein, als entflieht man den häuslichen Aerosolen.

Zu Beginn geht es durch die Hanglagen des oberen Buchwaldgrabens. Wie eine „Schleife“ verläuft der gerade als Premiumwanderweg zertifizierte Rundwanderweg im Naturpark Rhein-Taunus. Ich wandere über Streuobstwiesen und ökologisch bewirtschaftete Weinberge, durch Wälder und über Bäche ins -ja es ist leider so – mausetote Rauenthal. Der Rundweg „Rauenthaler Spange“ und der Rheinsteig laufen eine ganze Zeit lang parallel. Danach laufe ich im schnellen Wechsel durch Wald und Weinberge bis zur Bubenhäuser Höhe. Freie Bänke sind nicht nur Mangelware sondern auch stundenlang besetzt. Alles ist sehr gut ausgeschildert. Ich bin begeistert.

Das Highlight dieser Wanderung ist der Aussichtsunkt Bubenhäuser Höhe nahe der Winzergemeinde Rauenthal. Hier genieße ich lange einen grandiosen Fernblick auf den hessischen Rheingau-Taunus-Kreis, Eltville am Rhein bis hinüber zum Taunushauptkamm. Wunderschön.

Auf dem Rückweg fehlen plötzlich die Wanderzeichen. Warum sollte es hier auch anders sein als sonst. Ich frage zahlreiche Mitmenschen, die sind aber alle ahnungslos. Auch die Navigation in meinem Smartphone ist überfordert. Oder bin es gar ich selbst? Ärgern ist schlecht und führt nicht zum Ziel. Nach einigem Hin und Her, rauf und runter, entscheide ich mich für den gleichen Weg zurück. So ist das nun mal. Zweimal Schönes zu betrachten ist auch nicht verkehrt.

Nach 9 Kilometern erreiche ich endlich mein Auto und wir fahren gemeinsam zurück nach Frankfurt.

Ausblick: Der nächste Beitrag führt nach Hanau und nach Oppenheim.

 

 

2 Kommentare

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.