Split – Stöbern in uralten Mauern aus Römerzeit und Mittelalter

Mittwoch, 30. August 2017

Genug gefaulenzt. Jetzt ruft wieder die Kultur. Wir wollen die1700 Jahre alte historische Altstadt Splits durchkämmen. Es geht mit dem Bus (Nr. 25 oder Nr. 60) direkt ins Herz der Stadt.

Wir frühstücken gut, machen uns ‚stadtfein‘ und starten um halb Zwölf zur Bushaltestelle. Der 25er kommt früher als der 60er, also nehmen wir diesen. Dummerweise grast diese Linie den gesamten Außenbezirk von Strobec ab, der unmittelbar am Hang des Kozjak-Gebirges klebt. Natürlich gibt es jede Menge Gegenverkehr auf den schmalen Gassen, natürlich hält er an jeder Hausecke und natürlich stehen zahlreiche kunterbunt geparkte Autos im Weg.
Für die knapp 7 Kilometer benötigt der Bus deshalb eine ¾ Stunde. Wir steigen nahe dem ‚Pazars Gemüse- und Obstmarkt‘ aus. Es ist sonnig und satte 28 Grad warm. Herrliches Wetter für diese lebendige Stadt.

Split – zweitgrößte Stadt Kroatiens – liegt auf einer Halbinsel am Fuße des Marjan-Berges und ist umgeben von den Gebirgen Mosor, Kozjak und Perun. Der historische Stadtkern, auf den ich sehr gespannt bin, gehört zum Weltkulturerbe der UNESCO.

Nach kurzer Orientierung befinden wir uns mitten im Marktgeschehen. Wir laufen über den bunten Markt und landen am Fährhafen. Hier an der Hafenbucht beginnt die Riva, eine palmengesäumte Uferpromenade und Flaniermeile und eines der bekanntesten Wahrzeichen der Stadt. Von hier aus betrachten wir die ersten 1700 Jahre alten Mauerreste des römischen Diokletian-Palastes, DEM Hotspot der Hafenstadt, wo sich die meisten Touris tummeln und aus dem sich das heutige Split entwickelt hat.

Durch das Seetor (Porta Aenea) gelangen wir in die schummrigen Katakombengewölbe im Untergeschoss des aus dem 3. und 4. Jahrhundert stammenden Kaiserpalastes. Wir kämpfen uns zunächst an zahlreichen Touri-Nepp-Ständen vorbei und kommen über eine Treppe direkt zum beeindruckenden, von korinthischen Säulen eingerahmten Innenhof Peristyl, dem damaligen und heutigen ‚Tummelplatz des Volkes/der Touris‘. An manchen Tagen wird er zur Opernbühne von Verdis ‚Aida‘. Tolle Idee. Zwischen den Toren, Säulen, Überresten alter Mauern und  Gebäuden befinden sich Läden, Cafés und gemütliche Gassen. Natürlich geht hier voll der Touri-Punk ab und wir mittendrin. H. und ich gehen auf Fotojagd, was aufgrund der Enge, der vielen Menschen und der immer falsch stehenden Sonne eine große Herausforderung ist.

Gleich neben dem Peristyl liegt die Kathedrale des hl. Domnius, bis ins 6. Jahrhundert  Mausoleum Kaiser Diokletians und seiner Gattin. Im 7. Jahrhundert wurde der Grabbau des Christen-Verfolgers in eine Kirche umgewandelt. Vom Campanile der Kathedrale hätten wir einen schönen Blick über die Stadt. Hätte, hätte, Fahrradkette! Sehr enge, dunkle Wendeltreppen sowie großer Andrang machen die Besteigung für mich und meine Platzangst unmöglich. Sehr schade.
Den Eingang zur Kathedrale bewacht eine 3500 Jahre alte ägyptische Sphinx aus schwarzem Granit. Neben ihr ist in der kleinen Kirche Sveti Rok die Touri-Info untergebracht. Wir bewaffnen uns hier mit einem Stadtplan, der uns durch das Eiserne Tor (Porta Ferrea) auf den großzügigen Platz Narodni trg führt. Hier steht das alte Rathaus aus der venezianischen Zeit.

Ich will jetzt ‚Glück sammeln‘ und suche das Goldene Tor (Porta Aurea). Außerhalb der Palastmauern steht nämlich die 8 Meter hohe Bronzestatue des Bischofs Grgur von Nin. Ich streichle seinen riesigen goldenen, abgegriffenen Fuß und hoffe auf alles Glück dieser Welt! Und das haben schon Hunderttausende getan.

Jetzt ist Zeit für eine Pause. In der historischen Altstadt entdecken wir ein nettes Lokal mit guter Speisekarte und vor allem sehr kühlen Getränken. Danach stöbern wir noch durch zahlreiche Gassen, finden aber nicht die ‚engste Gasse der Welt‘. Sie heißt ‚Lass mich durch‘, denn nur eine schlanke Person passt hindurch.

Wir befinden uns jetzt am Yacht- und Fischerhafen. Von hier ist es eine viertel Stunde Fußweg zum 180 Meter hohen Aussichtspunkt ‚Telegrin‘ im Park Marjan. Bis auf K. steigen wir hinauf. Er genießt in der Zwischenzeit den Ausblick auf Hafen und Uferpromenade der Stadt. Wir werden mit tollen Blicken auf die Bucht belohnt, die ein oder andere Zikade trägt die passende Musik dazu bei und die Gebirgsketten Moser und Kozjak liegen im Dunst. Wunderschön.

Nach einer kurzen gemeinsamen Ruhepause am Hafen beschließen wir, zurück zum Camping zu fahren. Diesmal erwischen wir den 60er Bus, der direkt auf der Magistrale nach Strobec fährt. Wir nehmen einen Abkürzungsweg, laufen durch hohes, dichtes Schilf und kommen erschöpft ‚zu Hause‘ an. K. und Klaus zieht es unmittelbar ins Meer, wir Frauen bevorzugen das Faulenzen.

Es folgt das gemeinsame Abendessen, chill out  – leider wieder bei Ukulen-Gezupfe  – und Helga wird Opfer von über hundert Mückenstichen! Es ist wolkenlos und sternenklar.

 

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