Die Rhön – „Land der offenen Fernen“

Wanderrundweg Rotes Moor (19./20. Juli 2020)

Zunächst besuche ich Irene & Jürgen, Freunde in Schlüchtern. Wir haben uns mindestens acht Jahre nicht mehr gesehen. Die Freude ist groß und die gemeinsamen sechs Stunden vergehen wie im Fluge.

Anschließend besuche ich Thomas, der fast ‚um die Ecke‘ wohnt. Das Wetter ist klasse, wir grillen und genießen ein super Abendessen. Den Abend lassen wir gemütlich vor dem Feuer ausklingen. Morgen geht es wandern.

Wir lassen den Vormittag locker angehen, frühstücken gut und lange und starten spät, aber rechtzeitig, um unsere geplante Wanderung “Rund um das Rote Moor“ zu bewältigen. Als Einstiegspunkt fahren wir den Parkplatz Moordorf (816 m ü. NN) direkt am Roten Moor an. Für 2 €ronen parke ich Fiete.

Das Rote Moor liegt im Dreiländereck Bayern, Hessen und Thüringen. Das 315 ha große Naturschutzgebiet Rotes Moor liegt in der Kernzone des Biosphärenreservats Rhön. Es ist das einzige größere Hochmoor von vier Rhönmooren in Hessen mit vielen unterschiedlichen Tier- und Pflanzenarten. Nach der Ausbeutung durch Torfabbau ist es seit 1979 geschützt. Wir werden viele unterschiedliche Landschaften durchwandern.

Wir starten unseren Rhönrundweg Moordorf Nr.3 gleich hinter unserem Parkplatz. Zunächst überqueren wir die Bundesstraße 297 und laufen über eine breite Forststraße in den Wald. Rechterhand treffen wir auf ein Infohäuschen über das Rote Moor und den aufgestauten Moorsee. Er wurde im Verlauf einer Regulierungsmaßnahme des Roten Moores angelegt und bietet vielen Wasser- und Zugvögeln ein sicheres Zuhause beziehungsweise einen Rastplatz. Der Weiher strahlt eine wunderbare Ruhe aus. Wir verweilen einige Minuten und schauen den Enten zu, die geruhsam durch das Wasser schwimmen.

Über einen Bohlenpfad am Moorrandgebiet wandern wir durch einen einzigartigen Karpatenbirkenwald. Das Untergehölz ist komplett mit Besenheide, Heidelbeeren, Rauschbeeren, Farnen und zarten Gräsern bewachsen. Die Sonne zaubert tolle Lichteffekte zwischen die Birken. Zahlreiche Infotafeln am Wegesrand informieren uns über die Moorgeschichte. Kurze Zeit später kommen wir zu einem Aussichtsturm. Von hier oben blicken wir auf die Torfabbaufläche, die sich nur sehr langsam regeneriert, und den Heidelstein (926 Meter) mit seiner 218 Meter hohen Senderanlage. Dieses Kerngebiet des Moores ist streng geschützt und darf nicht betreten werden.

Danach geht es mal auf mal ab mit wunderschönen Blicken in die Rhönlandschaft über Jungviehweiden und Berg-Mähwiesen bis zum Mathesberg (832 Meter). Diese bunten und artenreichen Wiesen sind charakteristisch für die höheren Lagen in den Mittelgebirgen. Sie sind durch wenig intensive Landwirtschaft und geringe Düngung endstanden. Wir sind begeistert von den satten grünen Wiesen und der wilden Blütenpracht. Und genau hier finden wir eine tolle Bank mit Weitsicht gleich unterhalb des Berges und werden intensiv von zahlreichen Jungviechern, die zwischen den Blumenwiesen grasen, begrüßt. Hier gibt es kleines Picknick und viiiiieel Wasser.

Der Mathesberg ist ein unscheinbarer Berg südöstlich der Wasserkuppe. Er ist wandermäßig noch nicht erschlossen und kaum bekannt. Für Wander-Freaks allerdings ist er einer der idyllischsten Kuppen der Rhön. Wir laufen um den Berg herum, Steigung inbegriffen, so dass wir die Basaltfelder und kuriosen Bäume auf der Spitze leider nicht sehen können. Dafür entdecke ich eine ‚Stempelstelle‘. Wer einen Wanderausweis für diese Region hat, stempelt hier seine einzelnen Etappen ab. Die Wegränder sind voller Blumen und die Wiesenböschungen voller Insekten.

Von hier blicken wir ins Ulstertal mit seiner herrlich urwüchsigen Mittelgebirgslandschaft. Es nennt sich ‚Kleinod im Herzen Deutschlands‘. Die Wolken ziehen an uns vorbei, der Wind zerzaust meine Haare und ich erlebe diese Landschaft und das Wandern als etwas ungemein Beruhigendes. Sollte das der Beginn eines neuen Hobbys werden? Die farbenprächtige Flora und Fauna vervollkommnet mein Bild. Und ich entdecke am Wegesrand eine wunderschöne von 40 wilden Orchideen, die in diesem Gebiet vorkommen. Ich empfinde diese Gegend hier als einzigartig und unverwechselbar. Später lese ich, das schon Goethe von dem Erscheinungsbild des Ulstertals so fasziniert war, dass er ihm das Gedicht: „Die Nixe der Ulster“ widmete.


Die Nixe der Ulster

von J. Wolfgang von Goethe

Von dem Fuß der hohen Rhöne
Sind wir ländliche Gestalten,
Die nach Deinem Feste wallten,
Süß gelockt durch holde Töne.
Ulster nennen mich die Auen
Die entzückt Dir zugehören,
Gern der hocherhabnen Frauen,
Segen, den sie glücklich schauen,
Frommer Demut voll verehren.
Geisa weiht Dir edlen Roggen
Von dem alten Rockenstuhle
Und des Flachses, weich wie Flocken,
Dermbach einen goldnen Wocken
Wohl zu mancher vollen Spule.
Schau mit Huld die kleinen Gaben.
Nur das Herz gibt ihnen Wert!
Reich begabt und hoch erhaben
Dich aufs neue zu begaben,
Ist den Sternen nur gewährt.
Was von ihrer Gunst wir hoffen,
Werden glücklich sie verleihen;
Bald ist fröhlich eingetroffen,
Was mit diesen reinen Stoffen
Unsre Wünsche prophezeien.

Die letzten 2 Kilometer der insgesamt fast 15 Kilometer langen Wandertour ziehen sich. Wahrscheinlich, weil es die erste Wanderung in dieser Länge für mich ist. Ich gebe es zu, im Moment fühle ich mich ziemlich erledigt. Nach einem kurzen Abendessen bin ich soweit wieder hergestellt, dass ich die 85 Kilometer nach Frankfurt bewältigen kann.
Auf Wiedersehen bezaubernde Rhön. Ich komme wieder!!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.