Corona Lockdown statt Italienurlaub

Ich freue mich auf meinen ersten Urlaub in diesem Jahr! Natürlich ist meine Wahl wieder auf Italien gefallen. Ich bin schon ganz ungeduldig, am 3. April soll es für drei Wochen losgehen: Venedig, Verona, Gardasee….

Zunächst kommt aber eines von zahlreichen Highlights in 2020, mein Gospelauftritt in Kassel. Und der war so überwältigend dass ich erst Anfang März mit den Vorbereitungen für meine Reise beginne. Die Nachrichten berichten unterdessen schon von einer unbekannten Lungenerkrankung, die in China ausgebrochen ist und für zahlreiche Tote sorgt. China ist weit weg, denke ich und ahne nicht mal im Entferntesten, was das für mich, meine Familie, meine Freunde und für Deutschland und die Welt bedeuten wird.

Lockdown, Social Distencing und Covid19

Wie sich herausstellt ist ausgerechnet an meinem Geburtstag (27. Januar) diese Lungenkrankheit, die Covid19-Pandemie, in Deutschland schon präsent, wird aber zu Beginn stark unterschätzt. Das führt am Freitag, dem Dreizehnten März zum Corona-Lockdown. Das bedeutet gravierende Einschnitte in der Bewegungsfreiheit und zahlreiche Quarantänemaßnahmen. ‚Social distencing‘ ist angesagt, erheblich eingeschränkter sozialer und körperlicher Kontakt. Ich muss zwei Meter Abstand halten, oft und minutenlang meine Hände waschen, was den Konsum der Handcreme sprunghaft in die Höhe schnellen lässt. Mir wird bewusst, dass es ohne Berührung keine wirkliche Verbindung zu meiner Familie und meinen Freunden mehr gibt. Das hat etwas Fremdes.

Leere Regale in den Supermärkten

Plötzlich ist alles anders, der bisherige Alltag ist weggebrochen, andere Strukturen müssen her, die Alltagsroutine neu sortiert werden. Es kommt zu Hamsterkäufen: Klopapier ist wochenlang ausverkauft, die Nudelregale sind leer, ebenso Dosengerichte, Mehl, Hefe, Seifen und Desinfektionsmittel. Es gibt keine Gummilitze mehr (sie wird für die Behelfsmasken genutzt) und Gummihandschuhe sind auch ausverkauft. Ich kann es weder glauben noch nachvollziehen.

Schockstarre

Die ersten drei Wochen versetzen mich in eine Schockstarre. Ich habe eine nie gekannte Antriebsschwäche und hänge ab. HomeWorkout: weit entfernt. Ich werfe den Anker aus, aber er dockt nicht an. Ich darf meine Enkelkinder, meine Familie und Freunde nicht mehr sehen. Verunsicherung macht sich breit. Diese verordnete Isolation tut mir nicht gut. Ungewissheit beißt sich fest, wie lange geht das? Und wird es nie mehr so werden wie vorher? Ich verschlinge jede Nachricht über Corona und sauge sie auf wie einen Schwamm. Ich stecke in einer Wolke der Orientierungslosigkeit und habe mich in meinem Denken, Fühlen und Handeln noch nie so herausgefordert gefühlt wie jetzt.

Ein Stück Freiheit

Das tolle Wetter ist meine Rettung. Ich beginne damit, jeden Tag mit dem Rad oder zu Fuß in die Natur zu gehen. Die frische Luft bedeutet für mich Freiheit, beim Rad fahren spüre ich den Fahrtwind bewusster und wenn ich spazieren gehe empfinde ich eine große Weite und Ruhe. Das und meine Resilienz helfen. Ich spüre eine ungeahnte Entschleunigung und fühle mich im Einklang mit der Natur. Der Nebeneffekt, ich lerne zahlreiche neue Parks in Frankfurt kennen! Menschen melden sich, die sich sonst nie melden und fragen nach meinem Befinden, manche scheinen wie versteinert und man hört nichts von ihnen. Freunde kristallisieren sich klar heraus.

Endlich wieder handlungsfähig

Nach drei langen Wochen ist mein innerer Lockdown überwunden. Ich bin gut informiert und handle wieder. Im Grunde genommen komme ich jetzt ganz gut klar mit der Coronakrise, und trotzdem fühle ich mich nach wie vor irgendwie ‚lost‘. Ich nähe jetzt wieder, zuerst Masken ohne Ende, dann Kinderklamotten, nehme an zahlreichen Skype sessions und Videocalls teil, entdecke das Fotografieren wieder und meine neue Kamera, ich gestalte meinen Balkon um, ich ordne vieles neu, ich entwickle mich zum Turbo-Ebay-Verkäufer und genieße viele Dinge bewusster als vorher. Es ist wichtig zu lernen, mit Ungewissheit zu leben, statt nach Sicherheiten zu suchen, die es nicht gibt. Dieser Satz hat es mir angetan. Meine Familie und meine Freunde werden nach und nach mutiger und nach zweieinhalb Monaten Abstinenz genieße ich meine Enkelkinder wieder. Das ist pures Glück. Sicher trägt auch dazu bei, dass ich mir als Rentnerin um mein Einkommen keine Sorgen machen muss.

Der Weg aus dem Lockdown ist langsam und schwierig.

Läden öffnen wieder, einige Kinder können in die Schule und die Kita und die Restaurants machen wieder auf. Alles unter strengen Hygieneregeln. Solidarisch statt egoistisch sein, sich der nicht zu ändernden Tatsache stellen und das Positive herausfiltern. Das ist was zählt und den Blick nach vorne richtet.
Alles wird gut, wann ist jetzt erstmal egal.

und morgen geht die Sonne wieder auf

 

 

 

2 Kommentare

  1. Andrea Puth

    Hallo meine Liebe! Das hast Du sehr schön geschrieben und beschrieben. Zum Glück komme ich mit dem Lockdown gut zurecht. Wenn nicht nur die Anderen uns Probleme machen. Aber ich will nicht jammern, denn anderen geht es viel schlechter, welche die Geldprobleme haben oder gar krank sind. Unser Mallorca Urlaub fällt leider auch flach aber wir wollen uns dann mal die Ostsee. Ich wünsche Dir weiterhin alles Gute und bleib gesund. Liebe Grüße Andrea

    • Liebe Andy,
      danke für Dein Kompliment. Mir geht es jetzt auch richtig gut und ich habe mich mit Corona verbündet. Die Hauptsache, ich kann meine Enkelkinder wieder sehen. Bei steht Mitte August eine Portugalrundreise mit dem Camper an. Weiß noch nicht ob ich will. Und Ende September fliege ich mit Ines und Birgit Harder nach Wien. Gerade vorgestern haben sie unsere Ferienwohnung abgesagt. Jetzt beratschlagen wir.
      Also, bleibt gesund und alles wird gut, irgendwann!
      Ingrid

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