Zwei Fähren, zwei Länder, zwanzig Hügel und sechs Radler

20. Juni 2020

Es sieht gut aus mit dem Wetter am Sonnenwend-Tag. Nicht optimal und Regen nur punktuell. Wir wollen heute mit zwei Fähren sowohl das Nord- als auch das Südufer des Bodensees in Angriff nehmen. Die Radtour von Meersburg nach Friedrichshafen auf deutscher Seite und von Romanshorn nach Kreuzlingen/Konstanz auf der schweizerischen Seite auf dem Programm.
Beim Frühstück erzählen meine Campingfreunden von einem Wasserschaden im Bad. Schadenfreude ist mir mehr als fremd, aber ich bin sehr froh, dass es diesmal nicht mich mit irgendeinem Womo-Problem trifft. Sonst bin ich immer die Leidtragende.

Heute haben wir zwei Aussteiger auf der Tour, die sich anderweitig vergnügen. Die restlichen sechs Biker starten wie gewohnt vom Campingplatz. Mit der Autofähre geht es zunächst wieder nach Meersburg. Wir lösen ein Kombiticket, weil wir in Friedrichshafen noch auf die schweizerische Bodenseeseite schippern. Nach einem kurzen Rundgang durch Meersburg schwingen wir uns auf die Räder. Von Meersburg nach Hegnau gibt es Weinberge soweit das Auge reicht und wir haben immer wieder schöne Blicke auf den See. Bei Immenstadt wechselt das Bild und wir sehen viele Obstplantagen. 

 

Auf dem Weg nach Friedrichshafen, der Stadt der ‚fliegenden Zigarre‘ verpassen wir irgendwo & irgendwie sogenannten Bodensee-Radweg. Genau auf diesem Teilstück heißt es höllisch aufpassen. Die Qualität und die suboptimale Sichtbarkeit der Radwegweiser lassen ziemlich zu wünschen übrig. Die Ausschilderung ist gelinde gesagt manchmal eine Katastrophe. Naja, ich gebe es zu, manchmal fahren wir auch zu schnell wenn uns das Radler-Fieber gepackt hat. Dieses ganz große ‚Fucking-Schilder-verpassen-Kino‘ führt dazu, dass wir mit dem blöden Radweg direkt an der viel befahrenen B31 Vorlieb nehmen müssen. Na ganz toll!

Kurz vor Frierichshafen City verlieren wir uns auch noch. Ein Teil kommt am Schlosssteg an, der andere landet direkt an der Uferpromenade. Gegenüber des neunstöckigen eisernen Aussichtsturms direkt an der Hafenmole legen wir eine Chill-Snack-Stunde ein, bis die nächste Fähre nach Romanshorn ablegt. Um auf den eiserner Hafenturm zu steigen, fehlt uns die nötige Zeit. Ich muss also schweren Herzens auf die fantastische 360-Grad-Rundumsicht verzichten.  Auch ein Stadtrundgang ist nicht mehr drin.
Die Fähre verbindet das schwäbische Nordufer mit dem schweizerischen Südufer des Bodensees.  Und nach einer ¾ Stunde kommen wir in Romanshorn im Alpenländli an. Grüezi! Der größte und bedeutendster Schweizer Hafen liegt an der breitesten Stelle des Bodensees.

Hier ist natürlich alles anders. Wir kennen ja schon die unterschiedlichen Bodensee-Radweg-Schilder! Hier sind es die kleinen roten Hinweisschilder mit einem weißen Rad. Keine Stadt- und keine Entfernungsangaben. Wir wurschteln uns durch und finden den Radweg direkt am Ufer des Bodensees.
Wunderschön hin, wunderschön her! Es stellt sich heraus, dass es durchweg rauf und runter, rauf und runter geht. Ich kämpfe mich über die Hügel und Anstiege, steige manchmal vom Rad und hadere mit dem ständigen auf und ab. Ganz großes ‚Hügel-Kino‘!!! Ich nehme es trotzdem mit Humor, aber fast immer mit einem entsprechenden Kommentar!

Wir radeln durch Uttwil, Kesswil und Güttingen, nette kleine Fischer- und Bauerndörfer. Es geht durch riesige Apfelplantagen und Streuobstwiesen. Weshalb der Kanton Thurgau spaßeshalber auch „Mostindien“ genannt wird.  Der Spitznahme kommt daher, weil der Kanton Thurgau der Form Indiens ähnelt und aus dem Obst riesige Mengen Most gepresst werden. Außerdem liegen hier sehr schöne Campingplätze. Ein bisschen geschafft kommen wir über Kreuzlingen wieder nach Konstanz, rechtzeitig zum Abendessen. Dazu gibt es leckeres Bockbier vom Constanzer Wirtshaus.

 

Radkilometer 45

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