Wassermassen und einmal durch die Hölle

Mittwoch, 10. Juli 2019

Schaffe es erst um halbacht aus den Federn und bin enttäuscht. Die Sonne macht Pause. Immerhin regnet es nicht und ist warm. Aus praktischen Gründen frühstücke ich im Womo und checke vor der Abfahrt zum 3 km entfernten Stellplatz ‚Parcheggio Baldasserone‘ nochmal den Fahrradträger. Irgendwie und irgendwann ist der wichtige grüne Knopf, der das Einrasten anzeigt, abhanden gekommen. Und es kommt, wie ich es innerlich befürchtet habe, der Träger kippt, was ich in der Rückfahrkamera sofort bemerke. Und gleich scharen sich zwei hilfsbereite Italiener um mich. Da habe ich den Träger doch allein mit ordentlich Wut eingerastet. Den Knopf habe ich kenntlich gemacht.

Auf dem Stellplatz unterhalb der Funivia (Seilbahn), der terrassenförmig für 50 Womos eingerichtet ist, parke ich und finde meinen Schirm nicht. Scheiß drauf, denke ich, und mache mich auf den Weg zur Seilbahn. Ich laufe eine gefühlte 50%-Steigung zum Ingresso, löse ein Ticket für moderate € 4,80 und bin keine drei Minuten später auf dem historischen Stadtberg.

Ohjeh, ohjeh, sieht ziemlich dunkel und wolkenverhangen aus. Nach ein paar Fotos fängt es ganz langsam an zu regnen. Das steigert sich bis zu ergiebigen Wassermassen, die sich in kleinen Bächen auf dem Pflaster ergießen. Zu sehen ist nichts mehr, alles ist zugezogen. Ich stelle mich an einem der zahlreichen Touriläden unter und warte eine halbe Stunde. Dann kaufe ich doch einen Schirm für € 5 und habe Glück, dass überhaupt noch einer da ist. Ich gehe noch bis zum Gipfel und entscheide mich hier für den Rückweg. Im Parfum-Laden gehe ich schrecklich schön s(c)hoppen – für’n Appel und ‚n Ei!! Der Regen ist gut für’s Geschäft, es werden Ledertaschen, Lederjacken und Gürtel ohne Ende von den Italienern abgeschleppt. Ich rutsche mehr der weniger die 50prozentige Steigung wieder hinunter – kein Geländer, Wasserbäche ohne Ende, lose Steine und herumliegende Baumäste erschweren die Tour.

Komme heil bei Fiete II an und starte um halbeins nach Apulien. Kurz hinter Rimini beginnt es erneut kräftig zu schütten und hört nicht mehr auf. Bei Ancona ist es so schlimm, dass zahlreiche Autofahrer mit Warnblinker fahren oder auf dem Seitenstreifen halten. Ich reihe mich ein, und entschließe mich schließlich zur Weiterfahrt mit 60 kmh. Durch die Abruzzen fahre ich  durch gefühlte 100 Tunnel, von denen wahrscheinlich gut 40 repariert werden. Das bedeutet mehrfachen Stau. Und…… es regnet und regnet und regnet! Das ist Hölle pur, und das geht noch weiter so.

Wassermassen bei Ancona

Bei Poggio Imperiale verlasse ich die Autostrada, löhne fast 30 € und fahre noch einige Kilometer zu einem Stellplatz auf der Halbinsel Gargano. Hier bleibe ich auf gar keinen Fall und beschließe noch weitere 100 km bis nach Vieste zu fahren. Dass es sich um kurvige Bergsträsschen, gepflastert mit riesigen Wasserpfützen, handelt, war mir so nicht bekannt. Eine gute Vorbereitung hätte die Fahrt ganz sicher verhindert. Langsam hört es auf zu regnen und ich erkenne, dass ich durch wunderbare Waldgebiete fahre, Olivenhaine ohne Ende, Weinfelder und verlassenen Dörfer, immer wieder mit Meerblick. Ich kämpfe mich irgendwie durch, überhole einige Angsthasen, verfahre mich in Vieste in einem Wohngebiet fürchterlich und komme nur mit Hilfe eines netten Italieners aus der Falle wieder heraus. Sah mich schon hier übernachten. Acht Stunden anstrengende Fahrt zeigen jetzt Wirkung. Aber – hier hat die Hölle ein Ende.

Endlich in Apulien mit Abendrot

Der Himmel ist in Sicht, es ist 21 Uhr und ich fahre auf den Campingplatz La Girata. Platz ist noch genug und ein Angestellter fährt mich auf der Vespa zu einem der schönsten Plätze mit Meerblick hinauf. Er bringt mich auch wieder zu Fiete II zurück und ich bin einfach nur glücklich.
Endlich in Apulien, endlich aufgelockerter Himmel, ein wunderschönes Abendrot und endlich das Rauschen des Meeres, C’è bellissimo, fantastico!!!
Endlich rieche ich Apulien, bin dem siebten Himmel sehr nah! Ich übertreibe ein bisschen, nicht wahr? Habe zwei Nächte gebucht und freue mich morgen auf einen sonnigen Chill- und Strandtag. Ich sehe Sterne am Himmel und glaube fest, dass mein Wunsch sich erfüllt. Gut’s Nächtle!

Daten
Start: 10.472 km
Ziel: 11.004 km
Strecke: 532 km
Fahrzeit: 8 Stunden
Geschwindigkeit: 65 kmh
Verbrauch: 10,3 Liter
Maut: 29 €

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.