‚Trödeltour‘ , Traumstrand und TOOOR

Samstag, 23. Juni 2018

Wir frühstücken gemütlich in unserer kleinen Küche. Dabei stelle ich Birgit und Ines einen Vorschlag für die heutige Entdeckungs-Tour auf Malle vor. Peile den Süden Mallorcas an: Santanyì mit seinem riesigen Wochenmarkt, den Traumstrand Platja Es Trenc bei den Salinen und die Besichtigung der Kathedrale in Palma. Die Tour kommt an und wir starten gegen 10 Uhr über die M -19 nach Santanyì.

Köstlichkeiten in Santanyì und Ses Salines
Ruhig, behaglich und traditionell. So erleben wir die im Südosten Mallorcas gelegene Kleinstadt Santanyi. Gemütlichkeit und eine sehenswerte Altstadt warten auf uns. Ballermannfreunde wären hier fehl am Platz. Wir parken den Tucson auf eine schattigen Platz, gut 500 Meter von der Ortsmitte entfernt. Kurze Zeit später sind wir im Marktgewühl. Rund um die Plaça Major befindet sich eine schöne Pfarrkirche, ‚Sant Andreu Apòstol‘, aus dem 18. Jahrhundert. Die massiven Häuser hier im alten Stadtkern bestehen ausschließlich aus dem gelben bis ockerfarbenen Santanyi-Stein (Marès-Stein). Er ist übrigens die am meisten verwendete Bausubstanz auf Mallorca und lässt sich der gesamten Insel finden. Auch die Kathedrale in Palma besteht aus diesem Material. Zahlreiche Mauern und Häuserwände sind voll mit farbenprächtigen Bougainvilleen. Die Drillingsblumen der üppigen Blüten leuchten kräftig in der Sonne. Überall liegt der Duft von Olianderhecken in der Luft.

Der Markt ist riesengroß, hat Stände von Kitsch über Brot- und Kuchen bis hin zu Leder- und Kleiderwaren. Gleich hinter der Pfarrkirche beginnt der Obst- und Gemüsemarkt. Hier sind wir in unserem Element. Wir kosten und kaufen leckere Oliven, köstliches dunkles Aprikosenbrot und Obst/Gemüse. Das morgige Frühstück fällt am Üppigsten aus! Birgit shoppt Mitbringsel: kleine feine Keramikschälchen haben es ihr angetan. Ab und zu gibt es Salsa-Einlagen einer Band.

Es ist warm, sonnig und an die 30 Grad. Wir schlendern zum Auto und touren jetzt auf der MA-6100 Richtung Badeparadies ‚Platja Es Trenc‘, einem langen feinweißen Sandstrand mit herrlicher Dünenlandschaft und türkisfarbenem Wasser, ein Juwel unter den Malle-Stränden. Der kilometerlange Sandstreifen liegt zwischen den Feriensiedlungen Sa Ràpita und Colónia Sant Jordi.  Man kann sagen, hier hat es die Karibik bis nach Europa geschafft! Nur die Palmen fehlen. Stattdessen ist der Strand von naturgeschützten Dünen, Salzfeldern und einem Pinienwald umgeben. Kaum zu glauben, dass dieser idyllische Traumplatz nur eine dreiviertel Autostunde von der Inselhauptstadt entfernt ist.

In Ses Salines unterbrechen wir unsere Fahrt. In diesem kleinen Landstädtchen, dass seinen Namen von den nahen Salinen hat, wollen wir im traditionellen Casa Maonolo an der Plaza San Bartolomeu gleich neben der Pfarrkirche köstliche Tapas essen, für die das Lokal seit Jahrzehnten auf der gesamten Insel bekannt ist. Deshalb – und wegen der vorzüglichen Fischgerichte – kommen viele – auch prominente – Gäste in die landestypisch rustikal eingerichtete Bar. Wir sitzen in einem wunderschönen Garten, schlürgen Sangria und eiskaltes spanisches Bier, schlabbern eine wunderbare Mischung Tapas und genießen das spanische Lebensgefühl. Wir sind auf Malle mit Geist und Seele angekommen!! Es ist der pure Genuss. Als wir gehen ist im Lokal – drinnen und draußen – jeder Platz besetzt.

Karibik auf Malle und pures Gold
Jetzt ist es Zeit für unseren 6 Kilometer langen Traumstrand – dem längsten Naturstrand Mallorcas. Wir fahren über die MA-6101 und die MA-6040, bis wir große Salinen und einen der Farben wegen griechisch anmutenden Verkaufsstand für das mallorquinische ‚Flor de Sal‘ entdecken. Rucki-zucki steht der Tucson auf dem Parkplatz und wir im kleinen Laden. Wir probieren  die unterschiedlichsten Salzkombinationen, schlagen bei den Salzkristallen zu und chillen im Garten bei einem Eiskaffee.

Die glitzernden weißen Salzberge der Salzfelder von Es Trenc sind auch unter dem Namen Salines d’es Salobrar bekannt. Sie können besichtigt werden. Hier nisten zahlreiche Zugvögel. Allein 170 Vogelarten leben hier. Einige Teiche sind durch winzige Urzeit-Krebse tiefrot gefärbt. Die klitzekleinen Tierchen gehören zu den ältesten Organismen der Erde und können in sauerstoffarmem, salzigem Wasser überleben, weil sie viel Hämoglobin herstellen. Dieser Blutfarbstoff färbt das Wasser dann rot.

Weiter geht’s bis kurz vor Colónia de Sant Jordi, wo wir auf eine schmale kurvenreiche Straße abbegen. Der Strand ist perfekt ausgeschildert. Am Ende gibt es einen offiziellen Parkplatz, auf dem wir für 4 € Tagessatz noch ein Plätzchen für unseren Silber-Sand-Farbenen finden. Auf den 200 Metern durch die Dünen bis zum Strand beobachten wir einen Stelzenläufer bei der Futtersuche. Uns fallen seine extrem langen, knallroten Beine und der schwarze, nadelfeine Schnabel auf.

Die Platja Es Trenc ist der letzte große, unbebaute Strand der Insel, ein wahres Idyll und ein echtes Traumziel im Süden der Insel. Wir sehen eine Kulisse, wie sie auf Postkarten nicht schöner sein kann: kristallklares Wasser, feinen weißen Sand und eine herrliche naturbelassenen Dünenlandschaft. Da bleibt mir die Luft weg! Gott sei Dank ist ‚Es Trenc‘ von großen Hotelkomplexen verschont geblieben. Wir baden ausgiebig und genießen zwei Stunden das Strandleben, das angenehm temperierte Mittelmeer und Salzkristalle auf unserer Haut.

Windmühlen und ein Punkstück am Hafen von Palma
Über die MA-19, Campos, Llucmajor, steuern wir wieder unser Appartement an. Hier in der Nähe der Ebene des Pla de Sant Jordi gibt es noch zahlreiche Windmühlen. Die Felder sind von Heurollen übersät und die Schnecken kleben zu Hauf an Kakteen und Gräsern. Leider gibt es kaum Haltemöglichkeiten für Fotos. An einer übersichtlichen Stelle der Schnellstraße halten wir trotzdem. Übrigens, Windmühlen auf Mallorca haben eine lange Tradition, früher in der mallorquinischen Landwirtschaft, heute als Wahrzeichen der Balearen-Insel.

Da es schon wieder spät ist und die Kathedrale in Palma in einer dreiviertel Stunde schließt, huschen wir schnell in das nächst gelegene Parkhaus. Die Parkplatzsuche ist perfekt gelöst: rotes Licht bedeutet besetzt, grünes frei. Später zahlen wir einen Spottpreis von 2,64 € für eineinhalb Stunden. Da kann man wirklich nicht mobbern.
Direkt nach dem Parkhaus-Ausgang thront das beeindruckende goldfarbene Sandsteingebäude vor uns und beherrscht den Parc de la Mar. Das MÜSSEN wir fotografieren. Mitten in diesem Rausch verliert Ines den Parkschein. Birgit läuft mit ihr den Weg ab und ich bewege mich  schon mal Richtung Eingangsportal der Kathedrale.

Die gotische La Seu (1230) ist natürlich ein Wahrzeichen Mallorcas. Das Bauwerk zählt zu den Prunkstücken gotischer Architektur. Das Äußere wird von der Wirkung des dreischiffigen, 109 Meter langen und 39 Meter breiten Innenraums noch übertroffen. Die Fläche umfasst etwa 6600 m² und wartet mit einer Höhe von 44 Metern auf. Das Gewölbe wird von 14 Säulen getragen. Wunderschön sind die sieben Buntglasrosetten, eine davon mit einem Durchmesser von über 11 Metern. Im Turm hängen neun Glocken aus 5 Jahrhunderten. Die mit 2 Metern Durchmesser und 4.600 Kilo schwere Glocke N’Aloi wird nur zu festlichsten Anlässen geläutet. Sie ist die größte beweglich geläutete Glocke Spaniens. Seit kurzer Zeit können Schwindelfreie sogar die Dachterrasse besuchen. Dafür sind mehr als 200 Stufen zu überwinden.

Ich steige die wuchtigen Steintreppen vom Park zur Kathedrale empor und genieße erst mal den weiten Blick über den Hafen. Zwei Kreuzfahrtriesen liegen vor Anker. Ich staune nicht schlecht, denn entgegen der im Internet angekündigten Öffnungszeit findet ein Gottesdienst statt. Dann entfällt der Eintritt. Nachteil, man kann nicht alles aus nächster Nähe anschauen.
Eine Weile lausche ich dem Gottesdienst und lasse das riesige Innere auf mich wirken, bestaune die mächtige Orgel aus dem 18. Jahrhundert und den prunkvollen Altarbaldachin. Jetzt sind auch Ines und Birgit im Kirchenschiff. Am Ausgang der Kathedrale brüllt respektlos laute Technomusik in unsere Ohren. Vom ‚Mirador de la Catedral‘ werfen wir einen Blick über die Festungsmauer und den  Fischerei-, Sportboot- und Passagierhafen Palmas. Hier beginnt die vier Kilometer lange palmengesäumte Prachtstraße ‚Paseo Maritimo‘ , Palmas Promenade am Meer.

Übrigens, heute wird Johannistag gefeiert, eine der größten Partys auf Mallorca. Am Hotspot Playa Can Pere Antoni werden Lagerfeuer angezündet, es wird gegrillt und mit der Familie gefeiert. Heidnische Bräuche haben Hochsaison. Leider hat Palma nach der Party ein sattes Müllproblem: 2017 klaubten die Mitarbeiter der Stadtwerke 22 Tonnen Abfall aus dem Sand! Und das allein nur an den Stadtstränden von Palma!  Das Fest beginnt um 22 Uhr im Parc de la Mer vor der Kulisse der Kathedrale mit dem sogenannten ‚correfoc‘ (Feuerlauf). Als Teufel verkleidete Tänzer versprühen Funken und zünden Feuerwerkskörper, Tanz-Drachen speien Feuer und Trommler begleiten das Spektakel.

Leider halten wir bis zum Beginn nicht mehr durch. Zwei derart erlebnisreiche Ausflüge zollen jetzt ihren Tribut. Und der Hunger kann auch nicht mehr warten. Außerdem sind Ines und Birgit nervös. Beide verfolgen das Weltmeisterduell der Deutschen gegen Schweden, die in den letzten 10 Sekunden den erlösenden Siegtreffer erzielen. Jetzt wird gefeiert und fürstlich gespachtelt. Um Mitternacht hören wir noch ein großes Feuerwerk und sind danach komplett schachmatt.

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