Sightseeing-Marathon mit Überraschung

Freitag, 19. Mai 2017

Um Viertel vor Sechs ist die Nacht zu Ende. Katzenwäsche und ein schnelles Frühstück folgen. Die Vorfreude steigt. Das Osterather Wetter ist bescheiden, dafür knallt in Stockholm  die Sonne vom Himmel. Wunderbar! Wir pilgern das dritte Mal zum Bahnhof, diesmal mit unseren auf dem Pflaster laut scharrenden Rädern der Handkoffer. Ganz Osterath bekommt mit, dass Ines mit zwei Freundinnen verreist!!

Nach wenigen Minuten Wartezeit fährt der Regionalexpress zum Düsseldorfer Flughafen ein. Wir stehen, denn der Zug ist gerammelt voll. In der langen Menschenschlange der Sicherheits-Kontrolle am Flughafen rege ich mich über die blödsinnigen Regeln auf. Habe total verpeilt, alle flüssigen Mittel in einer durchsichtigen  Plastiktüte zu verstauen. Ines hilft mit einer kaputten Tüte aus. Sie wird akzeptiert und sowohl wir als auch die Rucksäcke und Koffer bestehen den Check anstandslos. Zügig eilen wir zum Gate und kurz darauf beginnt das Boarding. Wir starten pünktlich und landen in Arlanda bei stahlblauem Himmel. Wir warten ungeduldig und elend lange, bis wir das Flugzeug verlassen können. Zuerst besorgen wir Schwedenkronen und ein Arlanda-Express-Touri-Wochenend-Ticket zur Central Station in Stockholm und versuchen, die wahnsinnigen Preise zu verdauen. 20 Minuten später und gegen 13 Uhr schnuppern wir Stockholm-Luft.

Nach kurzer Orientierung schlendern wir die Vasagatan entlang, es ist schwülheiß, 28 Grad!!! und wir wollen den Rest bis zum Hotel mit der Taxe fahren. Das gestaltet sich schwierig, man muss erst ein Ticket ziehen und warten und Vorkasse leisten und…und…und…, also ist weiterlaufen angesagt. Wir schleppen uns über die Centralbron-Brücke, und da liegt es auch schon, das Hotelschiff. Ines und Birgit wohnen hier, ich habe bei meiner Exkollegin Laura Asyl erhalten. Meinen Koffer lasse ich vorerst hier. Die Mälardrottningen ist ein Hotelschiff, das dauerhaft am Kai in Riddarholmen, eine der Stockholmer Altstadt Gamla Stan vorgelagerten Insel, festgemacht hat. Es hat eine wechselvolle Geschichte hinter sich, gehörte es einst als Privatyacht der Woolworth Erbin Laureen Hutton, daher auch der gut sichtbare Schiffsname „Lady Hutton“.

Wir blicken auf das gegenüberliegende Stadshuset (Rathaus), welches aus 8 Millionen Backsteinen besteht und das Wahrzeichen Stockholms ist. Von dem 106 Meter hohen Eckturm hätte man nach 365 Stufen eine grandiose Aussicht über den Mälarsee. Er ist der drittgrößte See Schwedens und etwa doppelt so groß wie der Bodensee. Im ‚Blauen Saal‘ findet alljährlich das große Bankett für die Nobelpreisträger statt. Wir genießen die Aussicht für den See.

Sightseeing-Tour durch Stockholm
Wir starten auf Riddarholmen, dem Justizzentrum der Stadt. Daneben befindet sich die Grabkirche vieler schwedischer Könige, die zwischen 1280 und 1300 aus roten Ziegelsteinen im gotischen Stil errichtet wurde.
Dann erreichen wir die Urzelle Stockholms: Gamla stan auf der Insel Stadsholmen. Diese Insel trennt das Salz- vom Süßwasser.
Die Altstadt gehört zu den größten und besterhaltenen historischen Stadtkernen Europas. Sie hat ein deutsches Erbe aus der Hansezeit und eine 750 Jahre alte Geschichte. Wir schlendern durch enge Gassen, bewundern alte Kirchen, sehen ehrwürdige Kaufmannshäuser in wunderbaren gelb- und Erdtönen aus dem 13. Jahrhundert, hohe Speicher und entdecken beeindruckende Adelspaläste. Dann stoßen wir auf die Tyska Kyrkan von 1640 mit ihrem 96 Meter hohen Turm und einem wunderschönen barocken Altar. Der Kirchturm ist der höchste Stockholms. Wir lassen uns treiben und genießen.

Die Füße brennen und der Magen hängt. Deshalb entspannen wir auf dem kleinen farbenfrohen Platz Stortorget in einem urigen Café in einem der mittelalterlichen Häuser, die man auf jeder Postkarte findet. Wir verspeisen Stockholmer Sandwiches, schlabbern Kaffee und sind wenig später 450 satte Kronen ärmer. Stortorget ist nicht nur der Schönste sondern auch der älteste Platz Stockholms. Genau in der Mitte, sozusagen am Nullpunkt, steht der Stortorgsbrunnen von 1778. Hier liefen früher alle Straßen von und nach Stockholm zusammen.

Auf dem Weg zum Kungliga Slottet, dem königlichen Schloss, isst Ines endlich ihr heißgeliebtes schwedisches Eis. Wir kommen rechtzeitig zum Wechsel des Wachpersonals. Das Schlossgebäude – Amtssitz der königlichen Familie –  ist ein gewaltiger Barockbau, wirkt dunkel, klobig und klotzig. Karl muss da sein, denn die schwedische Fahne auf dem Dach flattert im Wind. Mit 605 Zimmern, genau einem mehr als der Buckinghampalace in London, ist es eines der größten Schlösser Europas. Der Bau dauerte übrigens 60 statt 6 Jahre, weil Schweden wegen mehrerer Kriege kein Geld mehr hatte.Neben dem Schloss befindet sich die Storkyrkan von 1306. Die Domkirche ist das älteste Gotteshaus in Stockholm und Krönungs- und Hochzeitskirche der schwedischen Monarchen.

Morgen wollen wir eine Schärengärten-Rundfahrt machen. Deshalb laufen wir gemütlich zum Strömkajen unterhalb des Grand Hotels. Für 850 Schwedenkronen erstehen wir drei Tickets und sind erneut sprachlos ob der überteuerten Preise. Gegenüber beginnt das Viertel der Reichen und Schönen, ein Grund, auf einem der zahlreichen Party- und Bar-Schiffe ein Päuschen einzulegen. Mich dünkt es nach einem 17-Uhr Cocktail. Für ein Fläschchen Wein will ich keine 495 Kronen (50€) berappen. Also wird es ein alkfreies Bier und zwei Glas Wasser. Dafür sitzen wir bei bester Partystimmung gemütlich unterm Sonnenschirm und genießen den Blick übers Wasser.

Wir treffen Marie und Laura

Jetzt kommt der spannendste Moment des Tages: Wir treffen Marie, eine Exkollegin von uns, und Laura, bei der ich Quartier beziehe. Marie fällt aus allen Wolken, als sie mich entdeckt, da sie nicht wusste, dass ich mit Ines und Birgit mitfliege. Das Gesicht von ihr werde ich so schnell nicht vergessen. Laura kommt direkt vom neuen SEB-Standort der Zentrale. Wir wollen essen gehen und viel quatschen. Dafür ist es zwingend notwendig, einen Tisch zu bestellen. In der Oysterbar handelt Marie ein Menü für uns aus. Wir holen auf dem Weg meinen Koffer und sind um 19 Uhr im piekfeinen und sehr teuren Restaurant.

In der Oysterbar nach 23000 Schritten

Aber geschmeckt haben Hummersuppe, halber Hummer mit Västerbottembrot und Crème Brulet ganz hervorragend. Gegen 22 Uhr starten wir nach dem langen und ereignisreichen Tag Richtung Schlafstätten. Der Schrittzähler zeigt 23.000 Schritte.

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