Chillen, Konstanz und Christiane

Freitag 26.06.2020
Radkilometer: 16 (2x CP – Konstanz und zurück)

Heute verbreiten die meisten Wetter Apps schlechte Nachrichten.
Es ist stark bewölkt und Regen ist vorhergesagt.

Wir frühstücken endlich mal ohne Terminstress auf unserer Womo-Terrasse, quatschen viel, lassen uns Zeit, und entscheiden uns für einen Chill-Tag. Ich arbeite an meinem Blog, sortiere Fotos und schreibe Texte.

Aber am frühen Nachmittag habe ich schon wieder Hummeln im Hintern, denn wider Erwarten ist die Sonne da. Ich radle nach Konstanz und erledige dort einige Dinge. Dieses Mal schaue ich mir den Rheintorturm, das ehemalige Stadttor und Gefängnis, an der mittelalterlichen Brücke genauer an. Auf dem Weg zum Hafen begegne ich allerlei Straßenkünstlern. Ich versuche meine Cousine zu erreichen, denn heute ist ein perfekter Tag, um sich vor meiner Abreise nochmal zu treffen. Ich schlendere noch ein bisschen an der Uferpromenade entlang und stehe am historischen Zollhaus, dem Konzilgebäude.

Hier fand von 1414 bis 1418 ein ganz wichtiges Kirchen-Konzil statt. Der größte Kongress des Mittelalters hat bis heute Spuren in Europa hinterlassen. Dialoge statt Waffengewalt war die Devise. Theologische, politische und gesellschaftliche Probleme der Zeit wurden im Gespräch gelöst, während ganz Europa durch Konflikte wie den Hundertjährigen Krieg erschüttert wurde. Der größte Erfolg des Konstanzer Konzils aber war die Papstwahl und das damit verbundene Ende der Kirchenspaltung im Mittelalter. Denn drei Päpste waren bereits damals zwei zu viel! Mit einem Teilnehmer am Konzil, König Sigismund, kommt auch der Minnesänger Oswald von Wolkenstein nach Konstanz. Der Ritter, Sänger, Dichter und Politiker liebt den beißenden Humor und schrieb hier im Rausch das Lied: „Denk‘ ich an den Bodensee, tut mir gleich der Beutel weh!“ Ob er das teure Pflaster oder aber die Liebesdienste der zahlreich angereisten Prostituierten meinte, bleibt offen. Das letzte Jahr der Feiern zum 600jährigen Jubiläum wurde ihm gewidmet.

Es klappt! Ich verabrede mich mit meiner Cousine für 19 Uhr auf der historischen Autofähre.
Wir blicken auf Konstanz, schlabbern jede Menge Aperol Sprizz und erfreuen uns an intensiven Gesprächen. Es ist ein ganz toller Abend, ich genieße Konstanz erstmal bei Nacht, die Beschaulichkeit und die Ruhe gemeinsam mit meiner besten Ratgeberin. Es ist stockdunkel jetzt und ich komme erst gegen 23 Uhr nach Hause. Alles schläft schon.

 

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