39 Kilometer von Erbach nach Oberwesel

290 km-Radtour an Rhein und Ahr

Ja, wir machen eine Radtour! Das hab‘ ich mir lange schon gewünscht. Und jetzt ist es soweit.
Unsere einwöchige Tour geht an den Mittelrhein, einen 126 Kilometer langen Abschnitt zwischen Bingen und Bonn. Dabei sind wir in den Bundesländern Rheinland-Pfalz, Hessen und NRW unterwegs. Vorbei kommen wir an den Flussmündungen Nahe, Mosel, Lahn und Ahr. Nirgends gibt es so viele mittelalterliche Burgen, Festungen und Schlossanlagen. Und weil das weltweit einmalig ist, ist dieser Flussabschnitt UNESCO Weltwerbe. Die meisten Burgen wurden im 12. und 13. Jahrhundert von Raubrittern, Bischöfen oder Adeligen als Zollstationen, Trutzburgen und Wohnsitz errichtet, einige später von Raubrittern zerstört. Ich freue mich, diese einzigartige Kulturlandschaft mit dem Lenker in der Hand und dem Fluss im Blick zu durchradeln!
Die Tour hat Jo, unser Rheinkenner schlechthin, ausgesucht, geplant und für uns gebucht. Und wir haben einen Begleiter, unseren Womo-Fahrer K. Auf los geht’s los!

Montag, 26. August 2019 (39 Kilometer)
Von Erbach/Eltville nach Oberwesel

Treffpunkt ist um halbzehn bei H & K. Mein Rad reist im Womo von K. mit, der uns auf der Tour begleitet. Es ist sonnig und schwülwarm.
Am Erbacher Bahnhof treffen wir Klaus. Mit gut 15 Kilo beladen geht’s um ¼ vor 11 los. Der Radweg beginnt unmittelbar hinter dem Bahnhofs-Parkplatz.
Es geht durch typische Auwälder, vorbei an seichten Stillwasserflächen. Der Rhein ist hier stattliche 1 Kilometer breit.

Links liegt die größte Rheininsel ‚Mariannenaue‘, größer, als die Insel Mainau im Bodensee! Mega, oder? Wir legen am Oestricher Holz-Kran die erste Trinkpause ein. Er funktioniert mit einer 2000 Jahre alten römischen Technik. Weiter geht es am Naturschutzgebiet ‚Rüdesheimer Aue‘ vorbei. In der Stadt der ‚Drosselgasse‘ setzen wir mit der ’Mary Roos‘ von Hessen nach Rheinland-Pfalz über. Auf der sechsminütigen Fahrt begleiten uns Lastkähne und Schlepper. Nach kurzer Strecke erreichen wir das Gelände der ehemaligen Landesgartenschau in Bingen. In der Nähe mündet die Nahe in den Rhein. Hier stärken wir uns zum zweiten Mal. Und es läuft gut mit den Rädern, trotz Gepäck! Darin sind sich alle einig.

Die Strecke führt uns am Binger Loch vorbei, dessen Klippen bis ins 18. Jahrhundert nur eine nur 9 Meter breite Durchfahrt freigaben. Es geht weiter Richtung Bacharach und St. Goar. Wir erreichen Niederheimbach mit dem Mäuseturm, einer ehemaligen Zollstelle im Rhein, und kommen unterhalb der Burg Reichenstein vorbei bis Trechtingshausen. Hier verändert sich die Rheinlandschaft. Die Steilhänge steigen bis auf 300 Meter an, Felsenriffe und zahlreiche Inseln liegen im Flussbett. Wunderschöne Weinbergterrassen und Burgen über Burgen. Rechtsrheinisch liegt Lorch und auf unserer Seite Bacharach, die historische Rhein- und Weinstadt mit der hochmittelalterlichen Burg Stahleck, heute eine der romantischsten Jugendherbergen. Linker Hand liegt der Hunsrück, rechter Hand der Taunus. In der Nähe des Weinorts Kaub liegt auf der Felseninsel Falkenau die wunderschön anzusehende Zoll-Burg ‚Pfalzgrafenstein‘. Sie ist eine der eindrucksvollsten Befestigungen des Mittelrheins, war bis 1866 Zollstation und wurde nie zerstört.

Immer wieder legen wir Trink- und Genießer-Pausen ein. K. kommt uns auf dem Rad aus Oberwesel, unserem ersten Übernachtungsort, entgegen. In einem Biergarten schlabbern wir kühles Bier und essen leckere Kleinigkeiten. Kurzzeitig ziehen dunkle Wolken auf, der Wind frischt auf, es donnert und blitzt und es fallen ein paar Tropfen Regen. Die Wetterlage beruhigt sich und es geht vorbei am Oberweseler Campingplatz und der Schönburg bis zur Pension ‚Zum Lamm‘ in Oberwesel. H. und ich laufen noch zu den Supermärkten. Wir brauchen dringend Getränke-Nachschub und ein paar Naschereien.

Um halbsechs treffen wir uns im neuen Hofgarten der Pension, quatschen und fallen nach bestem Essen müde in die Betten.
Die ersten 39 Kilometer sind geschafft.

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