Das Ende des Val de la Loire naht

22.08.2016 –

Ihr Lieben!
Was kommt nach einer sternenklaren Nacht? Kaiserwetter vom allerfeinsten. Stahlblauer, klarer Himmel, knappe 30 Grad und Sonne satt. Heute müssen wir nach dem Frühstück einen Zahn zulegen. Der Schicki-Micki-Campingplatz muss um 11 Uhr verlassen werden!! Klaus plant trotzdem in aller Ruhe die heutige Route Richtung Angers (grobe Richtung Nantes und dann ans atlantische Meer). Wir riechen förmlich das Salz auf unserer Haut nach einem ausgiebigen Bad im Meer. Doch heute ist noch einmal ‚La Loire‘ angesagt und ein Schloss ist auch dabei.

Wir starten mit der obligatorischen viertel Stunde Verspätung und werden durchgewunken. Puhhh, waren das jetzt Schweißperlen von der brennenden Sonne oder gar Angstschweiß auf der Stirn!!!! Spaß beiseite. Wir sind gut drauf und Klaus hat die D751 gewählt, weil er sagt: ‚Péage am Arsch‘, wir zahlen nicht. Und das ist gut so. Wenige Kilometer weiter haben wir Wahnsinnsausblicke auf meinen Lieblingsfluss!

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alte Loirekähne im mittäglichen Gegenlicht

alte Loirekähne im mittäglichen Gegenlicht

La Loire!

La Loire!

Unbeschreiblich, fantastisch, fast unwirklich schön und ruhig. Kaum ein Auto, nur das Gekreische der Flussseeschwalben und Möwen, ab und an mal ein Kormoran, dazu die sengende Sonne vom stahlblauen Himmel. Im Hintergrund ein hübsches kalkfarbenes Örtchen namens ‚Saint-Martin-de-la-Place‘ mit einer riesigen Kirche. Wir beobachten mit dem Fernglas die Vogelwelt. Es ist, als bliebe die Zeit stehen.

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La Loire

La Loire

Wir befinden uns in der Région Maine-et-Loire und steuern unser erstes Ziel an, die Église Notre Dames aus dem 11.- 13. Jahrhundert in Cunault, eine romanische Kloster- und Wallfahrtskirche ganz in hellen Steinen gehalten. Wir schreiten ehrfürchtig durch das Portal und werden von der über dem Eingangsportal thronenden Madonna kritisch beäugt. Das Innere der Kirche ist schlicht, besitzt 223 Kapitelle, deren Figuren wir ohne Fernglas nicht genau erkennen können. Ist auch gut so, sollen sich doch zahlreiche Fratzen darunter befinden. Ein Reliquienschrein des heiligen Maxenceul, der die Stadt im 4. Jahrhundert christianisiert hat, aus lackiertem Holz (nicht wie üblich aus Metall)  mit zahlreichen Figuren ist zu sehen. Und nebenbei banne ich noch ein Schloss im Ort, heute im Privatbesitz, auf meine Speicherkarte.

Église

Église

Madonna über dem Eingang der Èglise

Madonna über dem Eingang der Èglise

Schalmeienorgel

Schalmeienorgel

Beeindruckt fahren wir mit dem Urlaubär weiter nach Gennes, um uns dort wieder in einem Konsumtempel – diesmal ist es der Super U – mit Leckereien zu versorgen. Wir machen unmittelbar ein kurzes Picknick (Macarons sind auch dabei!!) und starten um ½ 2 nach Angers, dem Endpunkt der Schlössereise entlang der Loire. Und weder geht es zum Abschied nehmen ans Wasser, Kilometer um Kilometer. Manchmal rauben uns die Ausblicke fast den Atem, so schön sind sie.

Ohne es zu wissen, fahren wir über 800 km ehemalige Kalksteinbrüche, in denen jährlich ca. 250.000 Tonnen Champignons gezüchtet werden. Jetzt ist uns klar, dass wir vor wenigen Tagen über solch alte Stollen gefahren sein müssen, schnupperten unsere Nasen doch Champignongeruch, ohne dass wir auch nur einen einzigen zu Gesicht bekamen.

Wir überqueren die Loire bei Gennes und fahren ein letztes Mal an Europa‘s einzigem wilden Strom entlang. Kurze Zeit später ist es mit der Ruhe vorbei. Es herrscht Stadtverkehr in Angers, der ehemaligen Hauptstadt des Anjou an der Maine. Wir wagen uns direkt in das Coeur de Ville und finden für 4 € einen super schattigen Parkplatz für unser Wohnmobil und gehen auf Stadterkundung.

Kaum 150 Meter weiter trauen wir unseren Augen nicht. Der mittelalterliche Wehrbau, die Burg von Angers, strahlt uns unter herrlich blauem Himmel entgegen. Diesmal hatten König Ludwig der Heilige und Blanca von Kastilien ihre Hände im Spiel. Sie ließen dieses mächtige Bauwerk zwischen 1228 und 1238 aus Schiefer und weißem Kalkstein errichten. Vom Vorgarten haben wir einen herrlichen Blick auf die Maine und die Stadt auf  der anderen Uferseite.

Die mittelalterliche Wehrburg in Angers

Die mittelalterliche Wehrburg in Angers

Wir bewegen uns langsam in Richtung Cathédrale Saint-Maurice, mehr Speed lässt die brütende Hitze nicht zu. Das Westportal erinnert uns an die zeitgleich entstandene Kathedrale von Chartres. Innen ist die Kirche trotz schöner Glasmalereifenster sehr dunkel und pompös. Der barocke Hochaltar, eine mächtige Kanzel aus Holz geschnitzt und die zahlreichen Säulen sind trotzdem beeindruckend. Auf der Rückseite der Kirche sind Wohnhäuser direkt mit dem grandiosen Bauwerk verbunden.

Die Cathédrale von Angers

Die Cathédrale von Angers

Zwei Frankfurter vor der Cathédrale Angers

Zwei Frankfurter vor der Cathédrale Angers

Gut abgekühlt laufen wir in Richtung Maison d’Adam, dem prächtigsten der 45 Fachwerkhäuser Angers aus dem 15. Jahrhundert. Es ist mit plastisch herausgearbeiteten religiösen Szenen geschmückt und fünfstöckig!!! Auf dem Platz davor chillen wir im Schatten bei einem Pastis und einem Mac Evans. Wir finden noch den 54 Meter hohen Glockenturm Saint-Aubin und entscheiden uns für den lagen Treppenabgang von der Cathédrale an die Maine. Dort erwarteten uns ein kühler Brunnen und der Jardin de Plantes. Dieser führt uns auf direktem Weg zur Burganlage und hinauf zum Urlaubären. Wir sind geschafft!

Maison d'Adam, Fachwerkhaus aus dem 14. Jahrhundert

Maison d’Adam, Fachwerkhaus aus dem 14. Jahrhundert

im Jardin de Plantes

im Jardin de Plantes

Was wir jetzt brauchen ist ein schattiger Campingplatz – natürlich an der Loire. Wir entscheiden uns für einen in Chalonnes-sur-Loire, ein kleiner Ort in Richtung Nantes. Die D751 zieht sich kurvenreich einen Höhenrücken über der Loire entlang. Diese Corniche Angevine und soll herrliche Ausblicke bieten. Das können wir nicht bestätigen, wir sehen den Laubwald vor lauter Bäumen nicht. Unseren anvisierten Campingplatz finden wir nicht und entscheiden uns deshalb für den nächstmöglichen, den Camping Portes sur la Loire, wo wir auf sage und schreibe etwa 10 Mit-Camper treffen. Die Saison ist finito

Wir hängen zunächst schlapp in den Stühlen, Klaus repariert das vordere Rad an seinem Fahrrad (er entdeckte den Platten im Vorbeigehen beim Strom anschließen!). Wir kochen, chillen und planen unsere drei Tage am Atlantik. Wir urlaub’n eben.

Es ist sternenklar. Gut’s Nächtle.

Daten

  • Zielkilometer 86.745
  • Streckenkilometer 102
  • Fahrzeit 3 Stunden
  • Durchschnittsverbrauch 9,9 Liter
  • Durchschnittsgeschwindigkeit 33 kmh

 

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