Zingaro Naturreservat – Berge, Buchten, baden

Mittwoch, 14. Juni 2017
Zahlen – Daten – Fakten

Den Morgen mit dem phänomenalen Blick auf den Golfo del Castellamare von unserer Womo-Terrasse genießen wir diesmal früher als sonst. Wir richten unsere Stühle so aus, dass wir beide beobachten können, was im türkisblauen Wasser und am Sandstrand alles passiert.

Wir frühstücken ausgiebig und entschließen uns für die Wanderung mit Badestopps im Naturreservat ‚Zingaro‘. Erst aber ziehen wir Badesachen hier an, spurten die 80 Meter zum Strand hinunter und stürzen uns in die Fluten. Es ist sonnig, 28 Grad, leicht diesig, alles im grünen Bereich. Das Meer hat traumhafte Badetemperaturen. Klaus schwimmt zu den Felsen unterhalb des Campings, um Fische zu beobachten, ich genieße die türkisfarbenen Stellen und aale mich wie ein Fisch im Wasser und der Sonne. Einfach herrlich. Ein Strandverkäufer schleppt allerlei Bade-Spielzeug mit einem akrobatisch zusammengeschusterten Gestell herum. Wir trödeln.

Fiete ist erst kurz nach 12 startklar. Auf dem Weg zum Südeingang des Wander- und Badeparadieses kaufen wir einen Topfuntersetzer aus Olivenholz, bewundern Castellamare del Golfo aus der Vogelperspektive und entdecken die ‚Faragliono von Scopllo‘, kleine Felsen im Meer, die den Seeleuten in der Antike als Leuchtfeuer dienten. Nach 12 Kilometern schlecht ausgeschilderter Strecke und kurvenreicher Fahrt werden wir von einem wild hin- und her fuchtelnden, strohbehüteten Parccheggio-Wächter abgefangen. ‚No Campere, no Campere‘ ruft er uns weiter wild gestikulierend zu. Wir diskutieren mit ihm und drehen nach erfolgloser Überredungskunst um. Wir nehmen den in 300 Meter entfernten Ausweichplatz. Wiedr reden wir mit Engelszungen, haben diesmal aber Erfolg. Natürlich nur gehen mehr Kohle. ‚Campere double price!!‘ Wir löhnen 10 €uro, haben ein sicheres Standplätzchen und nicht weit zum Parkeingang.

Lo Zingaro ist das erste Naturschutzgebiet Siziliens, heute sind es 98. Der Park ist eine rauhe Schönheit und bietet sechs Abstecher zu glasklaren, azurblauen Badebuchten mit Kiesstrand. Wahrzeichen des Parks sind die bis zu 1-2 Meter hohen ‚Palma nana‘, die Zwergpalmen. Goethe beschrieb sie so: Sie haben niedliche Beschen die sich mit wenigen Änderungen zum Facherdienst nutzen könnte. Davon gibt es hunderte. Oberhalb des sieben Kilometer langen steinigen, bergauf- und bergab führenden ‚Sentiero Costiero‘ blicken wir auf bizarre Kalkformationen, schroff, karg und steil. Es ist sehr heiß und der angeblich leichte Trekkingpfad verläuft in der prallen Sonne,  teilweise bis zu einer Höhe von 100 Metern über dem stahlblauen Meer mit gigantischer Fernsicht auf das Mare Tirreno. Nur manchmal weht ein leichtes Lüftchen vom Meer zu uns hinauf. Schattenplätze zum Ausruhen sind begehrt, aber so gut wie gar nicht vorhanden. An dem in der Ferne sichtbaren Torre dell’Uzzo messen wir, wie weit wir kommen. Zig weiße Boote, Bötchen, Tourischiffe und Motoryachten touren die Küste entlang, manche spucken für 5 Minuten Badegäste aus.

Schon nach 800 Metern anstrengendem Fußmarsch stehen wir vor der ‚Cala Capreria, einer sagenhaften Badebucht. Allerdings in gut 50 Meter Tiefe. Herabkraxeln ist angesagt und sofort in das türkisfarbene Wasser! Toll! Wenn bloß die großen Kiesel nicht wären. Die tun saumäßig weh unter den Fußsohlen.

Wir kraxeln erfrischt wieder zum Ausgangspunkt des Trekking-Pfades und entschließen uns, weitere drei Kilometer zur nächsten Bucht zu wandern. Offensichtlich hat uns die Sonne das Hirn vernebelt! Das hat sie allerdings mit vielen weiteren Badehungrigen auch gemacht. Jetzt kommt Traffic auf.Ich interpretiere sofort, hier muss gleich die zweite Badebucht kommen. Völlig falsch! Ich überrede Klaus, auf die Wanderkarte zu gucken. Überraschenderweise sind wir bereits vorbeigelaufen. Mir rinnt der Schweiß runter, ich will nicht mehr hoch- und runter und schon gar nicht weiter. Wir laufen zurück, fragen und 10 Minuten später sind wir endlich an der Cala della Disa. Dasselbe Spiel wie an der ersten Bucht,  bloß schnell in die türkisblauen Fluten stürzen! Mein Gott, tut das guuuuut.

Unser Wasser neigt sich dem Ende entgegen. Hoffentlich reicht‘s noch für den Rückweg. Ich laufe wie ein Uhrwerk. Will zurück an den Südausgang und dem Brunnen mit Quellwasser. Nach 20.000 Schritten, durstig und hungrig haben wir es und sind wir geschafft.
Klaus bugsiert Fiete, der schräg an einem Hang mit glattem Stroh in der Knallsonne gebruzzelt hat, den steilen Hang irgendwie nach oben. Ziel für die Nacht ist ein Campingplatz in der Nähe des Bergdörfchens Érice – wie wir später erfahren, einer Mafiahochburg!!!

Der Acsi-Campingführer schlägt den ‚Lido Valderice Camping‘ vor. Es geht ca. 35 Km quer zum Capo San Vito entlang, wir entdecken Marmorsteinbrüche und fahren durch hügeliges Wein- und Obstanbauland. Der Platz liegt am Meer, durch eine Straße getrennt, ist felsig, von sizilianischen Dauercampern geprägt und nicht empfehlenswertem Wasserzustand. Wir sind die einzige Touris.

Wir bereiten uns ein opulentes Dinner, Klaus beobachtet die familiären Gepflogenheiten und guckt Live-Fernsehen mit dem Titel ‚Gabriele, Gabri no, no. Gabriele!!!!!‘ Wir chillen, aber Klaus muss aufs Fernsehen verzichten.

Es ist immer noch 26 Grad und sternenklar.

 

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