Chillen, Monópoli erkunden und Tintenfisch

Dienstag, 30. Juli 2019

Und wieder habe ich bei offener Tür geschlafen. Eine frische Meer-Brise strömt durch Fiete II und ich blinzele der Sonne entgegen. Zeit zum Aufstehen, denn heute – am vorletzten offiziellen Urlaubstag -ist Chill-Tag angesagt.

Weil die Sonne voll mir und Fiete II zusetzt will ich die Markise ausfahren. Diesmal schaffe ich es, das rechte Bein zu lösen und aufzustellen. Super! Das Linke klappt leider nicht. Ich warte, dass mein Argauer Nachbar endlich aufsteht, denn der Wind lässt die Markise kräftig hin und her wackeln. Endlich, er kommt und braucht selbst sehr viel Kraft, um das linke Bein zu lösen. Jetzt hat die Markise Stand, geil!

Ich hole meine bestellten Cornettos in der Bar und frühstücke, während die Schweizer packen. Sie ziehen mit ihrem noblen nagelneuen 75000-Euro-Adria-Kastenwagen gut 100 Kilometer nach Norden. Ich höre Musik, lese und schaue den zahlreichen Booten zu, die an mir vorbeischippern. Es ist angenehm ruhig auf dem Platz. Ich nehme ein ausgiebiges Meerbad und erkunde die umliegende Gegend. Dabei entdecke ich eine weitere schöne Badegelegenheit, soll dafür aber 10 € Eintritt in den Lido bezahlen. Finde ich ziemlich frech! Gegen Mittag nehme ich einen Snack in der Bar und teste das Wi-Fi. Klappt, langsam, aber es klappt!

Dann sorge ich mal wieder selbst für ein Horrorszenario. Ich finde mein Smartphone nicht, suche (vermeintlich) alles ab, aber nichts. Nachdenken hilft auch nix, aber eine Idee. Ich frage eine Nürnberger Nachbarin, ob sie mich mal anrufen kann. Und….. es klingelt tatsächlich im Bad in der Zahnbürsten-Klopapier-Tasche!!!! Steine vom Herzen, alles gut, ganz großes Gott-sei-Dank-Kino! Wir kommen ins Gespräch und sie erzählt, dass sie schon 40 Jahre jeden Sommer hier nach Monópoli kommt.

Das ist mein Stichwort. Ich mache mich stadtfein, schnappe mein Rad und fahre die 4,5 Kilometer in die mittelalterliche Hafenstadt mit einem sehr eigenen süditalienischen Flair. Unterwegs liegt Lido an Lido, teilweise mit sehr guten Restaurants.

Monópoli war lange Zeit eine Schmuggler-Hochburg weil es bis vor wenigen Jahren noch keine Straßenbeleuchtung gab. Die von einer breiten Stadtmauer und dem Castello Carlo V di Monópoli aus dem 16. Jh. umgebene Stadt ist von Touristenströmen bisher verschont geblieben. Das gibt dem Centro storico ein ganz eigenes Flair. In den knapp zwei Meter breiten Gassen spielen Kinder, alte Männer sitzen palavernd auf ihren Stühlen vor den Hauseingängen und Frauen halten das zehnte Schwätzchen miteinander. Breit gespannte Wäscheleinen mit wehenden Handtüchern über den Gassen, alles bröckelt und bröselt auf eine sympathische, vernachlässigte Art vor sich hin, und zwischendrin tummeln sich einige norditalienische Urlauber.

An der Piazza Vittorio Emanuele II mit der barocken Cattedrale Maria Santissima della Madia und prächtiger Innenausstattung komme ich den Genuss einer Hochzeit. Hier wird in der Kirche gejubelt und geklatscht und auf der Piazza werden die Kleider, Taschen, Schuhe und Hüte zur Schau getragen. Keiner der Männer trägt Socken, die weißen Hosen haben bewusst Hochwasser, der Bräutigam trägt Glitzerschuhe – natürlich ohne Socken – und testet schon mal das Hochzeitsauto, einen weißen, alten Fiat 500.

Dann folgt das genaue Gegenteil. Ich erreiche auf meinem Rundgang den beschaulichen Fischereihafen –  hier riecht es endlich mal nach Fisch – und der ein oder andere Fischer bringt seinen Fang direkt in die umliegenden Restaurants. Auf der Suche nach einem bereits geöffneten Speiselokal komme ich an schönen alten Kirchen und Klöstern vorbei,  auf der Piazza Garibaldi mit dem Stadtturm klappern die Teller und Bestecke und die allabendliche ‚Passegiata‘ mit einem Aperitif hat begonnen. Eine Stadt, die nicht auf der Muss-man-gesehen-haben-Liste steht, weil sie den Erwartungen der Urlauber nicht entspricht. Gott sei Dank.

Ich finde eine einfache Apulische Trattoria, esse frittierte Muscheln, gerillten Tintenfisch und schlabbere eine Halbliterkaraffe Vino bianco. Wunderbar. Weil es bereits dämmert mache ich mich beschwingt auf den Rückweg und erreiche den CP im Halbdunkel.

nfd

Der Chill-Tag geht mit lesen, schreiben und bloggen zu Ende. Der Himmel hat Sterne und kleine Haufenwölkchen. Morgen ist mein letzter offizieller Urlaubstag. Gut’s Nächtle.

 

 

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