Mister ‚Volare, oho‘ und eine kostenfreie Strandliege

Mittwoch, 31. Juli 2019

Heute ist mein letzter offizieller Urlaubstag. Ich genieße ihn mit ambivalenten Gefühlen, warum, das bleibt in meinem Herzen. Geweckt werde ich diesmal von lautem Baby-Geplapper. Natürlich ist es da erst kurz vor Sieben. Was soll’s, will ich doch meine Fleißarbeiten von gestern noch posten.

Es ist wolkenlos und schon 28 Grad. Ich fahre mit dem Rad hoch in die Bar und frühstücke dort. Nach einer guten Stunde ist es geschafft und Bilder und Beiträge sind trotz Wi-Fi-slowmotion online.
Heute habe ich zu tun, um Fiete II startklar zu bekommen, Markise reinkurbeln, Kabeltrommel aufwickeln, alle Campingstühle einsammeln, alle Fenster schließen, Radl aufbocken und das kostet Zeit. Oder nehme ich mir die einfach? Weil ich hier einen sooo schönen Blick auf’s Meer hatte?

Egal, ich checke aus und bin um halbelf auf dem Weg nach ‚Polignano a Mare‘, der Geburtsstadt von ‚Mister Volare, oho‘. 15 Km weiter stehe ich auf einem riesigen Parkplatz am Beginn des ziemlich neu erbauten Lungomare. Eine viertel Stunde Fußweg genieße ich das dunkelblaue, sich in langsamen Wellen bewegende Meer, die Boote und den irren weiten Blick. Nichts als Meer!

Und dann liegt die Altstadt von Polignano vor mir. Fantastisch. Das Städtchen thront seit der Antike hier über dem Meer. Die weißen Häuser wachsen förmlich aus den Kalkfelsen, die hier zahlreiche kleine Grotten haben. Im dichten Dunst erkenne ich den Gargano, den Stiefelsporn, wo ich mit meiner Apulien-Rundreise gestartet bin. Zur klitzekleinen Bucht mit kristallklarem Wasser und der Spiaggia Lama Monachile führt eine lange Treppe hinunter. Von den Acapulco-Felsen springen Mutige 24 Meter tief ins Wasser.

Polignano ist ein beliebtes Ausflugsziel bei den Italienern. Und richtig, hier ist es voller als in Monópoli und auch ein wenig touristischer. Das tut der Altstadt aber keinen Abbruch, es geht ja süditalienisch langsam voran. Jetzt, um die Mittagszeit füllen sich die zahlreichen Restaurants und ich sehe zu, dass ich noch ein Plätzchen ergattere. Heute habe ich mal wieder Lust auf eine Pizza Siciliana. Dann schlendere ich gemütlich – wieder am tiefblauen Meer entlang – zurück zu Fiete II, der einsam in der Sonne brät.

Mein Übernachtungsort ist ‚Margherita di Savóia‘, eine Bade-und Kurstadt ohne Gesicht, die sich kilometerlang am Golfo die Manfredonia entlangstreckt, aber tolle und besondere Sandstrände hat. Das Meer besitzt hier einen besonders hohen Salzgehalt – daher auch Europas größte Salinen gleich um die Ecke – und der Sand ist hier sehr eisenhaltig und fast schwarz.

Ich bin bei ‚Lido Moby Dick‘, einem Sosta Camper-Stellplatz direkt am Meer gelandet. Erst dachte ich, ich sei falsch. Auf den ersten Blick sah es ein bisschen abgefuckt aus, aber wenn man den Blickwinkel ändert, und nicht mit den besten Plätzen, auf denen man war, vergleicht, dann ist alles gut. Fiete II hat gleich Strom und Wasseranschluss um die Ecke und ein Sonnendach über dem Kopf. Das alles und noch viiiel mehr, bekomme ich für 15 € einschließlich ‚ombrellone und lettini‘!!!

Ich gehe sofort an den Strand, gucke nach links, gucke nach rechts und sehe nichts als Sonnenschirme und Liegen, 90% davon frei und das im Hochsommer am 1. August! Der helle Wahnsinn! 50 solcher Lidi oder Bagni spannen ab Freitag 20.000 Sonnenschirme auf! Ganz großes Beach-life-Kino!!! Naja, als sich der punische Feldherr Hannibal hier von seinen Schlachten erholte, sah es wohl etwas anders aus. Ich genieße meine beiden letzten Strandstunden bei herrlicher Abendsonne, schlabbere noch einen Aperol spritz an der Bar im Nachbar-Lido und nehme natürlich noch ein Bad im Meer.

Ich mache es mir gemütlich, recherchiere die veränderte Rückreiseroute und werde morgen 500 Kilometer mit Fiete II verbringen. Dann sollte ich in Rimini zum Übernachten angekommen sein.
Es ist sternenklar, ein lauer Abend, erträgliche Musik schwappt von der Bar herüber und ich bin froh, dass bisher alles so gut verlaufen ist.
Na dann, Gut’s Nächtle.

Daten
Start:  km
Ziel: 12.224 km
Strecke 125 km
Verbrauch: 10,9 Liter
Geschw.: 74 kmh
Strecke: 1 3/4  Stunde

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