Über Wangen im Allgäu back home

Sonntag, 06.09.2020

Ich schaue vorsichtig aus der Dachluke: Es regnet.
Fiete ist startklar und ich erhalte von den Campingplatz-Betreibern beim Abschied aus Nüziders ein herzliches Auf-Wiedersehen-Winken. Es ist 10 Uhr und das Abschiednehmen bei Regen fällt nicht so schwer, als würde die Sonne von einem stahlblauen Himmel scheinen. Klaro, oder?

Weil mein Pickerl für die österreichischen Autobahnen nicht mehr gültig ist, nehme ich die Landstraße. Die Strecke ist eine einzige Fahr-Katastrophe! Ich bummle mich mit Geschwindigkeiten zwischen 60 und 80 kmh durch die Ortschaften und halte mich aufgrund zahlreicher Blitzer strikt an die Begrenzungen. Ich erreiche nach rund 70 Kilometern mein Heimatland, nachdem ich in Bregenz noch eine Zeitlang am Bodensee entlangfahre.Traurig, traurig, es regnet und ich kann den Himmel nicht einmal vom Seewasser unterscheiden. Alles ist Grau-in-Grau.

Nach kurzer Zeit passiere ich einen völlig unscheinbaren Grenzübergang und bin wenig später in der ehemaligen Reichsstadt Wangen. Hier gibt es gute Nachrichten: Der Regen macht eine Pause.

Der Weg ist das Ziel, wie Konfuzius zu sagen pflegte

Ich mache einen kleinen unvorbereiteten Spaziergang in dem malerischen Allgäuer Städtchen mit seinen vielen historischen Gebäuden und wundervollen Straßenzügen. Mir fallen die zahlreichen Brunnen auf und ich weiß jetzt, dass es nicht weniger als 25 davon gibt!

Zu den besonders malerischen Winkeln in der Stadt gehört der Saumarkt. Auf dem Marktplatz fällt mir sofort das Rathaus mit seiner barocken Fassade und dem Pfaffenturm auf. Auch die katholische Stadtpfarrkirche St. Martin prägt hier das Stadtbild. An Stadttürmen wurde hier nicht gegeizt: z.B. das Ravensburger Tor, der Pulverturm, das Martins- und das Frauentor. Ich weiß nicht, ob ich durch die Herrenstraße gekommen bin – habe nämlich mittlerweile einen Bärenhunger -, aber sie soll zu den schönsten Straßenbildern Süddeutschlands gehören.

Ich finde am Marktplatz ein nettes Lokal und speise etwas Leckeres. Um 14 Uhr sitze ich wieder bei Fiete und quäle mich Richtung Heimat durch hohes Verkehrsaufkommen und drei sehr lange Staus. Um kurz vor 19 Uhr und nach round about 480 Kilometern parke ich in Frankfurt ein. Angekommen bin ich noch nicht!

Ich räume Fiete aus, fahre mein Rad in den Hof und lasse erstmal alles stehen und liegen. Mir gehen tausend Gedanken durch den Kopf. Ich vermisse die grandiose Natur, die Einsamkeit in den Höhenlagen, das Knirschen der Steine unter meinen Wanderschuhen. Und noch soooo vieles mehr.

Ich konzentriere mich jetzt fest auf das Rheinstegwochenende mit Ines & Birgit.

ZDF
(Zahlen-Daten-Fakten)

Start: 19271 km
Ziel: 19354 km
Strecke: 83 km bis Wangen im Allgäu
Verbrauch: 12 Liter
Geschwindigkeit 46 kmh
Fahrzeit: 1 ¾ Stunde
KM 19354

Ziel: 19754 km
Strecke: 398.3 km
Verbrauch: 10.2 Liter
Geschwindigkeit: 86 kmh
Fahrzeit: 4 ½  Stunden

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