Totes Räubernest, Schwefelgeruch, spektakulärer Tuffstein und Toskana pur

Endlich mal wieder ein normal funktionierendes WiFi!! Ohne diese blöde Einrichtung kein bloggen. Dabei macht es richtig Spaß, besonders, wenn es viel zu erzählen gibt.

Heute wollen wir ins Hügelland der südlichen Maremma. Blöd nur, dass es aus Eimern schüttet. Hatten bereits am Vorabend die Schlechtwetterbotschaft beim stundenlangen Einchecken auf dem CP vernommen, jedoch gnadenlos ignoriert.  Also fällt die ursprüngliche Planung, mit dem Rad den Parco Regionale della Maremma zu durchkämmen und auf Tierschau zu gehen, buchstäblich ins Wasser. Kurz nachdem Klaus erst nass in der Dusche und danach nass durch prasselnden Regen wurde, erspähten wir ein Licht am Himmel. Jaaaaa, es wurde ziemlich viel heller, um es mal so zu formulieren. Wir kamen nicht so richtig in die Puschen und starteten eine viertel Stunde nach Highnoon. Ein bisschen spät um alle Hauptattraktionen in diesem Gebiet näher zu entdecken. Aber…. noch ist nicht aller Tage Abend.

Wir fuhren zunächst durch  Castiglione della Pescaia auf schnurgerader Pinienallee, ca. 12 km lang, vorbei an Marina di Grosseto (hässliche Campingplatzburgen im Nichts), vorbei am schönen Naturpark und bogen bei Albinia in der Nähe der durch Kapitän Schettino bekannt gewordenen Insel Giglio ins Landesinnere. Von hier sind es nur noch 180 km nach ROM! Jetzt gings rauf und runter, links und rechts schönstes Hügelland, leider war wenig zu erkennen. Die Wolken hingen tief und dunkel im Val d’orca fest, aber es regnete wenigstens nicht mehr.

Kurz vor dem früheren Räubernest Manciano, dass 444 Meter über dem Meer thront, gelüstete es uns nach einem zweiten Kaffee. Außerdem  erzählte der Reiseführer Müller etwas von einem tagelang andauernden Weinfest, dass genau an diesem Wochenende stattfindet.  NICHTS VON ALLEDEM WURDE WAHR. Wir erklommen das sienesische Kastell, entdeckten einige abgeräumte Weinstände und ein „totes“ Örtchen. Kaffee? Keine Spur.
Na gut, dann weiter auf der Tour und ab zu den Schwefelquellen von Saturnia. Klaus war vor Freude schon ganz hibbelig. Wir hofften wegen des Wetters auf wenig Andrang. Und gerade jetzt wurde das aber immer besser. Schon auf der Anfahrt hatten wir einen grandiosen Blick auf die runden Naturbecken und den emporsteigenden Wasserdampf der 37,5 Grad warmen Quelle. Nichts wie auf den Womostellplatz, 2 km entfernt, rauf auf die Räder und runter zur Quelle. Unterwegs gabs was zu lachen: wir begegneten einem älteren Vespafahrer, der im Bademantel offensichtlich zur Schwefelquelle knatterte.

Und dann waren wir da, und es war natürlich voll, und es roch ziemlich nach Schwefel. Ab in die Becken und in dem warmen Quellwasser aalen, sich vom Wasserstrahl der Quelle massieren lassen und einfach genießen. Klaus tat, was er gerne tut: Leute beobachten. Er entdeckte ein jointrauchendes Pärchen……Dachte er dabei an gaaaaanz früher?

Es war Zeit zum Aufbruch. Wir wollten heute Abend wieder auf einem Agricampeggio bei Pienza übernachten, dem Rummel entsagen. Das war noch ne Ecke entfernt und  zwei Umleitungen gab es noch on top (gesperrte Brücke, gesperrte Landstraße,  ganz großes Kino). Dafür wurden wir mit einem göttlichen Blick auf Pitigliano, einem etruskischen Dorf auf Tuffstein erbaut, belohnt. Grandios! Wir kamen teilweise direkt durch den alten Stadtkern. Leider war es zu spät zum Stöbern, das Gebiet ist nicht mit Campingplätzen gesegnet.

Tuffsteinort Portigliano

Es wurde schon düster und die immer noch wolkenverhangenen Hügel strahlten etwas mystisches aus. Tolle Wolkenformationen, Nebel und feuchte Luftmassen mischten sich zu traumhaften Gebilden. Wir waren teilweise bis zu 1200 Meter hoch. Und zwischendrin kam es mir vor, als führe ich durch Urwald.
Jetzt kam Klaus‘ Navigationstalent wieder zum tragen. Der Reise-Müller hat es saugut beschrieben. Beide zusammen haben astreine Arbeit geleistet und die ungeduldige Fahrerin gut ans Ziel gebracht. Die letzen drei Kilometer zum „Prodere il Casale“ schüttelte  uns der Urlaubär die alte Frankenstraße entlang. Das Biohofgut liegt einsam mitten in den toskanischen Hügeln.

Wir checkten ein und gönnten uns ein feudales Essen mit einem guten Wein in der 800 Jahre alten Gaststube. Das Urlauberleben kann soooo schön sein. Und auf dem Rückweg zu unserem Womo entdeckten wir Sterne, ein paar nur, aber immerhin. Und Morgen entdecken wir den Agriturismo…… Gut’s Nächtle.

 

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