Steilküstenspektakel, Fisch und Tarantella

Samstag, 27. Juli 2019

Ich mache die Augen auf und…… blicke in einen bedeckten Himmel. Schade, denke ich, habe ich doch die adriatische Steilküste im Solento auf der Uhr.
Ich hole beim 92jährigen Francesco meine beiden Panini ab und frühstücke auf der Womo-Terasse. Ein bisschen Wehmut steigt hoch, verlasse ich doch dieses verspielte Juwel von einem Campingplatz am Vormittag. Aber schon komme ich auf andere Gedanken, denn der fahrende Obst- und Gemüsehändler mit seiner nicht aufhörenden Lautsprecheransage fährt auf den Platz, wie übrigens jeden Morgen und jeden Nachmittag!

Fiete II ist reisefertig und Francesco verabschiedet sich ‚von seiner bella donna‘. Es geht auf der Küstenstraße in Richtung Ótranto. Prompt gerate ich am Hafen in einen Unfall mit größerem Blechschaden. Aber einer der vier!!! anwesenden Carabinieri sortiert mit vehementem Gefuchtel die Autos, so dass wir schnell durch die Karambolage kommen.

Noch in Léuca klappt der Radträger wieder runter. Ich sehe die Katastrophe, weil ich noch ein Foto vom Ort machen möchte. Und wenige hundert Meter weiter dasselbe Schauspiel nochmal. Vielleicht ist es den absolut holprig-löchrigen Asphalt-Flickteppichen -Straßen kann man das nicht nennen – zu verdanken. Bin ratlos, verunsichert und nervös. Ich schalte ununterbrochen die Rückfahrkamera an und diesmal hält er wieder!

Arrivederci Léuca

Erstes Ziel ist ‚Canale del Ciolo‘ an der Felsenküste, ein salentinischer Badeort zwischen Marina di Novaglie und Léuca. Il Ciolo ist eine 25 Meter tiefe Schlucht über die eine gleichnamige Brücke führt. Das Besondere an diesem Ort ist, dass mutige Schwimmer von den haushohen Felsen in das kristallklare Wasser der Schlucht springen – nur heute leider nicht. Schade.

Die Steilküste und die Blicke aufs Meer sind grandios, schade, dass das Wetter heute nicht so mitspielt, wie ich es gerne hätte. ‚Questa è vita!‘ – So ist das Leben! Anhalten an den spektakulärsten Stellen: unmöglich, Straße zu eng. Immer wieder parken am Straßenrand Autos und spucken Badegäste aus, die sich durch meterhohes Schilf über die scharfkantigen Felsen ans Meer quälen. Jede nur mögliche Stelle wird zum Baden genutzt.

In Porto di Tricase mache ich eine Aperol spritz Pause mit den üblichen Beilagen und zahle dafür 5 €!!! Mobbern, verboten!

Will spontan noch nach Castro reinfahren, um den Panorama-Fußweg um die Città entlang zu gehen oder vielleicht die berühmte prähistorische Grotte Zinzulusa zu besuchen….., aber, trotz Google finde ich weder zum Castello Argonese noch zur Città. Nachdem ich dreimal rumgekurvt bin, fahre ich angefressen weiter. Glaube, dass ich nichts Großartiges verpasst habe, was gegen die grandiose Steilküste anstinken könnte.

Wenig später erreiche ich meinen Übernachtungsplatz in Santa Cesarea Terme, eine Empfehlung aus dem Reisebuch, der erst auf den zweiten Blick seine positiven Seiten zeigt. ‚Camping Porto Miggiano‘ liegt direkt über der Steilküste mit weitem Blick auf das Meer. Da kann man schon mal die Hämmermusik von dem vorgelagerten Lido einen guten Mann sein lassen, oder! Santa Cesarea Terme war in den 20er Jahren ein mondänes Kurbad, hier entspringen gleich vier 30 Grad warme Schwefel-Heilquellen.

Die Entscheidung, hier schon zu übernachten, ist goldrichtig. Zahle nur 15 € incl. allem. Und am Abend ist ab 21 Uhr ‚Sagra del Pesche‘ mit einer Tarantella-Band. Wie geil ist das denn! Chille und blogge bei einem Käffchen und mache einen Rundgang ans Meer. Toller Steilküsten-Strand! Und dann mache ich mich landfein und laufe zum Fest am Torre di Porto Miggiano. Verspeise ‚Frutti di Mare‘ und meine geliebten frittierten Gambas mit Tintenfisch.
Während ich mit meinem Bier schlürfend herumlaufe spricht mich ein Italiener aus Milano an, mit dem sich ein längeres Gespräch entwickelt. Er kann keine weitere Fremdsprache! Aber es klappt auch so ganz gut.
Die Tarantella-Band – das Musikgenres Süditaliens –  hat richtig Laune gemacht. Sechs Musiker, zwei Tänzerinnen und 5 kleine Kinder mit Tamburinen heizen richtig ein. Besonders die Tänzerinnen legen sich ins Zeug, denn die Tarantella bezieht Körper und Seele mit ein, sagen die Kenner. Ein außergewöhnlicher lauer Abend mit ein paar Sternen.

Gut gelaunt begrüße ich Fiete II um Mitternacht und wir chillen noch’n bisschen, soweit das möglich ist. Heute ist fine settimana, das bedeutet Diso bis in den frühen Morgen. Am 2. August beginnt der italienische Ferienspaß. Heute gibt’s schon mal einen Vorgeschmack. Gut’s Nächtle!

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