Schönster Talabschluss der Alpen und ein Bergsee der Extraklasse

Donnerstag, 03.09.2020

Ich stehe heute schon um ½ 8 auf und frühstücke entspannt auf meiner Womo-Terrasse. Die Sonne scheint, trotz einiger größerer Wolkenfelder. Deshalb hetze ich mich nicht, was aber ein Fehler ist, wie sich später herausstellt.
Ich bin total gespannt auf das Brandnertal mit dem schönsten Talabschluss der Alpen und den Lünersee, der ‚Perle der Alpen‘. Der Alpsee wurde 2019 zum schönsten Platz Österreichs gekürt!

Panoramabild

Das Tal liegt im Dreiländereck Vorarlberg, Lichtenstein und Schweiz zwischen Bludenz und dem Schesaplana-Massiv (2.965 Meter hoch) im Rätikon und bildet mit dem Bergrücken den Talabschluss. Zu seinen Füßen liegt der Alpstausee, um den ein außergewöhnlich schöner Rundweg führt. Und genau da will ich hin.

Ich starte um ¼ nach 10 mit Fiete und biege kurz hinter Bludenz ins Brandnertal ab. Es ist wenig Verkehr, anfangs gibt es zahlreiche S-Kurven zu bewältigen, aber dann geht es locker und stetig bergan dem Ziel entgegen. Ich fahre durch die Wintersportorte Bürs und Bürserberg und genieße schon auf der Fahrt das Naturschauspiel mit satten grünen Almwiesen und einer großartigen Bergkulisse.

Danach verengt sich die Straße und ich blicke auf das ‚Matterhorn Vorarlbergs‘, den Zimba, 2643 Meter hoch. Am Ende von Brand halte ich an der Palüdseilbahn, weil mir die weiterführende Straße erstens zu schmal vorkommt und zweitens diese Seilbahn mich eventuell auch zu meinem Ziel führen könnte. Ich frage und bekomme zur Antwort: „Gute Frau, wenn dort Busse mit Gegenverkehr herauf und herunter fahren, dann werden sie mit ihrem kleinen Camper schon gut durchkommen! Ansonsten erreichen sie den Lünersee nur mit dem Bus!“

Das war eindeutig, ich überlege noch eine Weile und entschließe mich dann mit grummeln im Bauch, die restlichen vier Kilometer auf dieser schmalen Straße bis zur Talstation der Lünersee-Bergbahn mit Fiete zu fahren. Ich habe Herzklopfen und bete inständig, dass mir auf diesen 4.000 Metern und den zahlreichen Serpentinen kein Bus entgegenkommt! Die Fahrt allein ist schon grandios: Unbeschreibliche Natur, Bergmassive der Extraklasse, dichte Wälder und saftige Hochalpen wechseln sich ab. Und endlich komme ich auf 1566 Metern und sehr viel parkenden Autos an. Ich nehme gleich den erstbesten Parkplatz, auf den Fiete mit seien fast 7 Metern raufpasst, parke kostenlos, muss dafür aber 500 Meter bis zur Talstation der Lünersee-Bahn aufsteigen. Es ist sonnig und warm mit fotogenen Wolkengebilden und ich beginne schon zu schwitzen.

Und jetzt rächt sich der späte Start. Ich muss über eine halbe Stunde für ein Bergbahn-Ticket an der Kasse anstehen. Genug Zeit um die Pendelbahn zu beobachten, die mit bis zu 65 Personen in nur sechs Minuten atemberaubend steil auf 1.970 Meter hochschwebt. Endlich sind wir dran und wenig später stehe ich vor einer großartigen Bergkulisse und einem atemberaubend türkisfarbenen 140 Meter tiefen Alpensee – der Perle der Alpen! Mir bleibt fast der Atem stehen.

Gespeist wird der Stausee vor allem durch den Brandner-Gletscher, was auch seine türkis-milchige Farbe erklärt. Mit dem Abflusswasser des Gletschers – Gletschermilch genannt – gelangt nämlich fein zerriebenes Gestein in stehende Gewässer, reichert sich darin an und erzeugt diese wunderbare Farbe. Ich kann gar nicht aufhören zu fotografieren, zu staunen, zu genießen und mich zu fragen, ist das wirklich wahr, was ich hier sehe?

Endlich kann ich mich lösen und starte zur zweistündigen Rundtour – etwa 7 Kilometer – um den malerischen See. Und es geht weiter mit der atemberaubenden Natur, mit unbeschreiblichen Panoramen, traumhaften Blicken, wohin ich sehe, und einer großartigen Bergkulisse, neben der ich entlangwandern darf. Leider wollen zahlreiche andere Bergbegeisterte und Touris dieses Naturspektakel auch erleben.

Ich blicke auf das fast 3.000 Meter hohe Schesaplana-Massif – Staatsgrenze zwischen Vorarlberg und der Schweiz – und erreiche etwa nach der Hälfte der Zeit die Alpe Lünersee mit einem kleinen Gipfelkreuz. Hier steppt der Bär. Ich trinke eine wunderbare Buttermilch zwischen den Kühen, von denen sie stammt. Zwei Kinder erklimmen das Gipfelkreuz und während ich das im Bild festhalte, schleckt ein Labrador mein Glas leer, was ich kurzzeitig in die Wiese stellen musste. Das sorgt für viel Gelächter. Danach folgt ein stärkerer Auf- und Abstieg zur Staumauer. Auf der höchsten Stelle und neben stark abfallenden Felsen finde ich eine Ruhebank. Hier hat das Wort ‚Ruhe‘ eine doppelte Bedeutung. Ich ruhe mich aus und ich genieße die Ruhe der Landschaft. Will gar nicht mehr fort hier.

Voll geflashed von den mächtig aufragenden Felswänden, der Farbe des ruhig gelegenen Sees und der idyllischen Alpe mache ich mich auf den Rückweg. Ich bin ruhig und fahre mit Kopfkino und immer noch großen Gefühlen nach Bludenz. Hier kaufe ich noch ein und bin um halbsieben wieder auf meinem Campingplatz. Ob ich heute schlafen kann????

Daten:
Fahrzeit: 1 ¼ Stunden
Strecke: 38 km
Verbrauch: 8,5 Liter
Geschwindigkeit: 30 kmh
Ziel: 19.174 km

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