Raubritter, Bastei und Pirna

Ostersamstag, 20. April 2019

Ohjeh. Klaus hat’s erwischt. Gliederschmerzen, Kopfweh, heiser, das volle Erkältungsprogramm! Wie schade. Wollen wir doch heute in die Sächsische Schweiz zur Bastei fahren. Nach einem Rundumschlag mit Medikamenten und einem stärkenden Frühstück in der wärmenden Sonne fühlt sich der Arbeitnehmer trotz allem bereit für den Ausflug.
Notfalls habe er ja sein Bett dabei.

Wir starten um 11 nach Lohmen unterhalb der Bastei liegend zu einem großen Park & Ride Platz, auf dem auch Wohnmobile willkommen sind. Von hier aus fahren halbstündlich Pendelbusse zur 3 Kilometer entfernten Bastei und karren Tourimengen in die bizarre Felslandschaft. 1,5 Millionen jährlich!

DER Aussichtspunkt schlechthin im Elbsandsteingebirge, die Bastei, ist die älteste und berühmteste Touristenattraktion der Sächsischen Schweiz, die ihren Namen von zwei Schweizer Malern bekam, die sich durch die Natur an ihre Heimat erinnert fühlten. Neben der eigentlichen Bastei befindet sich die Felsenburg Neurathen, eine Natursteinfestung aus dem 14. Jh., die von böhmischen Raubrittern angelegt wurde.

Wir reihen uns nahtlos in den Besucherstrom ein und sind gleich begeistert von dieser ungewöhnlichen Landschaft. In und auf den steil aufragenden Felsblöcken beobachten wir Kletterer, die atemberaubend in der Steilwand hängen oder auf schmalen Spitzen, auf die sie hochgekraxelt sind, verweilen.
Der vorderste Bereich der Basteiaussicht ist seit 2016 aus Sicherheitsgründen gesperrt. Trotzdem haben wir noch tolle Blicke auf die ruhig dahinfließende Elbe und den tief unten schlummernden Ort Rathen.

Über die Sandsteinbrücke und das Felsentor erreichen wir den Eingang zur Felsenburg.
Wir löhnen je 2 € Eintritt, was hundertprozentig lohnens- und empfehlenswert ist. Ich kämpfe mich über kleine löchrige Eisenstege und muss aufpassen, dass ich meiner Höhenangst nicht erliege. Klaus hilft. Wir kommen an der ‚Großen Steinschleuder‘ vorbei, wo einst die Raubritter ihr Unwesen trieben und zur Abwehr des Feindes mit diesem Konstrukt bis zu über 50 Kg schwere Steinkugeln weggeschleudert haben.

Langsam lassen Klaus‘ Kräfte nach. Wir sind sozusagen ‚durch‘ und machen ein Päuschen bei einem ‚Echte-Thüringer-Bratwurst-Stand‘. Das Glück ist auf unserer Seite und der Pendelbus zurück zum Parkplatz ist schon da. Ich ergattere für den schwachen Klaus einen Sitzplatz. Ihm ist ganz daumelig zumute.
Trotzdem steuern wir noch Pirna an. Während ich auf Besichtigungstour gehe schmeißt Klaus sich bei Fiete in die Horizontale.

Pirna, Stadt des Sandsteins, existiert seit über 800 Jahren. Bei der Flutkatastrophe 2002 stand der Ort drei Meter unter Wasser und musste weitestgehend evakuiert werden. Eine Katastrophe für das gemütliche Städtchen.
Ich steige gefühlte 200 Stufen zum Burgschloss Sonnenstein hinauf und habe einen schönen Blick über die Dächer des beschaulichen Städtchens. Die ehemalige mittelalterliche Burg war im 2. Weltkrieg Tötungsanstalt für 15.000 Menschen in nur einem Jahr. Ich mache einen Rundgang um die Anlage und die Terrassengärten und schlendere danach an die Elbpromenade.
Hier genieße ich bei einem Eis die Ruhe.

Zurück auf dem Marktplatz mit Bürgerhäusern aus dem Mittelalter, dem 16. Jh. und Renaissancegebäuden komme ich am Teufelshaus (die hier einst wohnende Ehefrau soll mit dem Teufel im Bunde gewesen sein) und am Brunnen auf dem Untermarkt mit der Skulptur ‚Pirnaer Marktschiff‘ vorbei. Das Rathaus mit astronomischer Uhr, das Canalettohaus und die Stadtkirche St. Marien bilden ein herrliches Ensemble. Es ist ruhig in der Stadt, wenig Rummel, kaum Touris und die strahlende Sonne gibt dem Ort etwas Besonderes. Der hier verbaute Solidaritätszuschlag hat – auch nach der Flutkatastrophe – aus Pirna ein kleines Schmuckstück gezaubert.

Gegen frühen Abend geht’s zurück zum Campingplatz. Wir kaufen im Camping-Shop noch dunkles Bier einer Dresdner Privatbrauerei, kochen und chillen bei einem TV-Abend.
Der Patient braucht Ruhe. Und ich auch.

Daten
Start km – 60441
Ziel km – 60519
Strecke – 78 km
Fahrzeit – ? Stunden
Durchschnittsgeschwindigkeit – 38 km h
Verbrauch – 10,3 Liter
Übernachtung – Campingplatz Betrieb Martin, Dresden, € 24,10 pro Tag

 

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