Prozession in Pienza, verschmähter Brunello und die Crete Sinesi

Sonntag, 3.Juni 2018

Erstmal ausgeschlafen – soweit möglich. Punkt sechs Uhr kräht irgendein Hahn. Um Sieben bellt der Hofhund, um Acht grunzen die Schweine, meldet sich der Esel mit einem leidenden „IA“ und das Pferd wiehert. Ganz großes Agricampeggio-Kino!!!! Aber total toll!!!

Das Frühstück über dem Val d’Orca mit dem bezaubernden Blick auf Pienza und das herrliche Wetter ist ein Genuss. Wir nehmen uns Zeit. Es entwickelt sich ein Plausch mit unseren Nachbarn aus München und Ravensburg. Tipps werden ausgetauscht.

Um 11 Uhr zahlen wir bei Luciano und ordern noch eine Flasche seines Bio-Rosé-Proseccos. Beim COOP in Pienza füllen wir unseren Kühlschrank auf. Da wir Pienza bereits kennen, wollen wir direkt weiter nach Montalcino. Aber – plötzlich entdecke ich einen kleinen Markt und sehe Frauen, wie sie die Gassen mit bunten Blumenblättern belegen. Ich wittere Ungewöhnliches und wir parken Fiete.

Ich liege richtig, es ist Fronleichnamsprozession.
Pienza ist Weltkulturerbe, die Città Ideale, Stadt Pius des II. (wurde hier geboren) und Hauptstadt des Pecorinokäses. Zunächst kaufen wir auf dem Markt Peccorino und folgen dann  den mit reichlich Blüten belegten Gassen. Natürlich ist Trubel in der Stadt und sieben Reisebusse haben eine Menge Touris eingeschleust.

Wir sehen wunderbare Renaissance-Architektur, den Piazza Pio II mit dem Palazzo Piccolomini mit Kathedrale, den Palazzo Comunale mit Kirchturm und die Kathedrale Santa Maria Assunta aus Sandstein mit Travertinfassade. Um halbeins setzt sich unter Glockengeläut der Prozessionszug mit dem Priester in Bewegung. Das ist der Startschuss für alle Touris – sie knipsen, was das Zeug hält – einschließlich mir. Ein tolles Erlebnis.

Kurze Zeit später starten wir in die Stadt der edlen Brunello-Weine: Montalcino.
Während eines Fotostopps treffen wir vier ausgesprochen nette Kanadier aus Ottawa, die aus dem Kofferraum ihres Wagens leckere Dinge hervorzaubern: Bierchen, Salume und Formaggio. Es entwickelt sich ein langes und amüsantes Gespräch.

Selfie in den toskanischen Hügeln

Montalcino ist schon von weitem gut zu sehen, und thront wie ein Adlerhorst auf einem Hügel in der zentralen Toskana. Hier wird der weltbekannte rote ‚Brunello‘ gekeltert, der auf den steinigen Böden bestens gedeiht.  Ca. 1 Kilometer außerhalb des Centro Storico parken wir Fiete auf einem offiziellen WOMO-Stellplatz. Es geht sehr steil den Berg hinunter und durch ein Tor der Festung Fortezza/Rocca di Montalcino Wir besichtigen das trutzige Festungswerk aus dem 14. JH, und laufen auf den alten Mauern herum. In der Enoteca der Festung kann man für 40 Euro fünf Brunello-Spitzenweine probieren. Wir verzichten.

Dann schlendern wir bei fast 30 Grad durch’s Städtchen und verschmähen auch hier den Brunello brutalstmöglich, obwohl in jedem zweiten Haus eine Brunello-Weinhandlung ihre Weine anbietet.
Die Hitze macht schlapp und wir finden eine traditionelle, urige Bar Prato in einem mittelalterlichen Gemäuer. Hier ist es schattig und ruhig. Wir schlürfen Cafè und Cappu, essen Eis und Dolce. Gut 25 ältere Männer spielen konzentriert Karten. Es gibt Billiard- und Würfeltische. Hier pulsiert das Leben der Einheimischen.

Erholt kämpfen wir uns die 25%-Steigung zu Fiete hinauf und entscheiden uns für die Weiterfahrt für die landschaftlich tolle Strecke durch die Crete Senesi, um erneut in Siena auf dem CP Colleverde zu übernachten.

Wir fahren – begleitet vom Monte Amiata – durch eine herrliche Landschaft. Silbrig glänzen die Olivenblätter, es gibt keine Wälder, das Hügelland wirkt herb und trotzdem lieblich. Zwischendurch sehen wir karge bräunliche Felder, ab und zu Zypressenreihen und Weingärten. Typisch für die Crete sind die ‚Biancane‘, weiße, nur wenige Meter hohe Hügel mit schmalen Furchen und ohne jede Vegetation. Fotostopps? Leider so gut wie gar nicht möglich, die kurvige Straße ist zu eng. Während wir noch die Landschaft genießen, befinden wir uns plötzlich im Anflug auf Siena und unseren Campingplatz.

Klaus holt im Mercato Bio-Hauswein vom Fass und dann wird erst einmal gechillt. Nach einem vorzüglichen Essen – wir grillen – schlabbern wir immer noch Wein und Bier und lassen es uns rundherum gut gehen.
Guts Nächtle.


Daten:
Start: 54440
Ziel: 54532
Fahrstrecke: 93  km
Fahrzeit: 2 ¾ Stunden
10,5 Liter verbraucht
34 kmh durchschn.
Camping Colleverde, Siena, diesmal als Ausgangspunkt für das Chianti-Gebiet


 

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