Pech, Pope Pius und Peccorino

Guten Morgen zusammen. Gestern hatte besonders ich einen wechselhaften Tag. Aber alles in allem wendeten die Erlebnisse des Tages fast alles wieder zum Guten.

Wir haben heute länger geschlafen, denn in der Nacht fegte ein kräftiger Wind über unseren Urlaubär und schüttelte ihn so richtig durch, weil unser Agriturismo sich direkt auf den Hügeln vor Pienza befindet. Es wehte ab und zu ein wunderbarer Duft in die offenen Dackluken, denn Pienza ist die „Hauptstadt des Peccorinos“ (war wohl mehr Wunschtraum als Wirklichkeit). Ich sprang etwas früher aus dem Bett und unternahm meinen obligatorischen morgendlichen Rundgang. Wollte das tolle Hofgut und die Tiere richtig betrachten und genießen.
Natürlich funktionierte WiFi nur ganz rudimentär. Klar, sind ja auch im Nirvana der Toskana. Ich wechselte mehrmals den Standort, bekam ein neues Passwort, aber es wollte nicht richtig klappen. War wohl ein Hinweis, sich an diesem schönen Fleckchen lieber zu entspannen!

Klaus war mittlerweile am Kaffee zubereiten und ich wollte die Batterie meiner Nikon aufladen…..wollte . Aber es ist das eingetreten, was ich keinem Fotografen wünsche: ich hatte zum ersten Mal mein Aufladegerät zu Hause vergesse. Wuttränen, ein Schrei, mit dem Fuß aufstampfen, nichts half. Weder ich war zu trösten noch das Ladegerät zu finden. Klaus meinte später, ich hätte so ein Gesicht gemacht:

Mittelalterliches Wutgesicht

Es folgte ein spracharmes Frühstück, erstmals im Womo, denn der Wind blies immer noch kräftig und ab und zu nieselte es. Ein Frankfurter Spruch (Bevor isch misch uffresch, isses mer liewwer egal!) und Klaus‘ verständnisvolles Agieren beruhigten mich allmählich. „Wir finden jemanden mit einer Nikon oder ein Fotogeschäft zum Aufladen“, erklärte er mir.  Eine -Alles wird gut Stimmung- setzte ein und wir spulten unser gewohntes Programm vor dem nächsten Tourstart ab.

Entsprechend spät starteten wir. Das Wetter wurde besser. Kein Regen mehr und ganz manchmal auch Sonne. Wir ließen den Prodere il Casale hinter uns und werden wieder kommen. Ein anderes Mal. Bei strahlendem Sonnenschein wären wir sicher noch einen Tag geblieben. Jetzt aber wartete Pienza.

Die Citta ideale, Hauptstadt des Schafkäses, auf Geheiß von Papst Pius II erbaute Renaissance-Stadt, erträgt jährlich 1 Millionen Besucher. Aber – im Gegensatz zu San Gimignano- verteilten sich die Besucher. Nur vor den Peccorinoläden gab es Kaufstau. Und ich mittenmang hinein. Hmmmmm, Peccorono picante, das ist was ganz edles. Zwei große Stücke erstanden und schon beim Verkosten lief uns das Wasser im Munde zusammen. Deshalb steuerten wir direkt eine kleine Bar ‚Vino et Pane‘ an, und genossen noch eine Weile das ruhige Ambiente Piencas. Danach schauten wir uns die Kathedrale, die Pope Pius II erbauen ließ, an. Interessant war hier ein langer Riss an der Außenmauer. Jedes Jahr senken sich die Grundmauern um 0,5 mm. Bisher bereits 30 cm!! Man lese und staune: Grund dafür ist eine unterirdisch verlaufende Wasserader.

Nächstes Ziel sollte Monticchiella sein, ein Bilderbuchdorf aus gelbem Travertin, vollständig von einer erhaltenen Wehrmauer umgeben. Wir betraten diese Perle durch ein wuchtiges Stadttor mit dem Ziel, uns die Chiesa dei Santi Leonardo e Christoforo aus dem 13. Jahrhundert anzuschauen, die schon kilometerweit vorher ausgeschildert war. Das besondere an dieser Kirche: bei Restaurierungsarbeiten fand man 1933 bemerkenswert erhaltene Fresken, eines davon 5 Meter hoch. Sie waren Jahrhunderte unter einer Ziegelmauer versteckt! Tolle Eindrücke.

Da alle guten Dinge drei sind hieß unser nächstes Ziel zum Entdecken Montepulciano.

Lieber Manfredo, hier denken wir besonders an Dich, Deine Liebe zum Rotwein und Deine besondere Begeisterung für diese Stadt.

Natürlich hatten wir auch hier mit Touris zu kämpfen, aber die waren fast alle in irgendwelchen Enoteken bei einem Glas Brunelli, in Modeläden, um die 20gste Tasche zu erstehen,  in Restaurants oder einfach nur auf Montepulcianos Zeil in den Souvenirläden! Wir genossen derweil das auf einem Steilhang am Rand des Chiantitals gelegene Weinörtchen. Wir hatten nichts zu befürchten, denn der ‚Palio von M‘ mit 80 kg schweren Fässern, die eine Straße hinaufgerollt werden müssen, findet Ende August statt.
Zurück ging es durch die Porta al Prato, aber nicht bevor wir noch zur Chiesa Sant‘ Agostino hinaufgestiegen sind. Dort erwartete uns ein fantastischer Blick. Ein landschaftlicher Leckerbissen.

Auf dem Rückweg zum Urlaubär zeigte sich die erste Freude auf Siena, der Stadt mit einem meiner Lieblingsplätze. 58 km trennten uns noch von einer der schönsten Städte der Toskana – für mich jedenfalls. Wir fuhren vorbei an der Crete, einem mondlandschaftsähnlichen Gebiet und ich hatte ihn bildlich vor meinen Augen, DEN CAMPO. Ich sah mich dort stehen, Gänsehaut überall und ein lautes „oh wie schööön“ auf den Lippen. Urlauben kann fantastisch schön sein…..
Wir kamen genau im Berufsverkehr in die Stadt, kamen gut durch und ergatterten einen sehr schönen Platz. Das Wetter war heiter bis wolkig (nach zwei  vergangenen Regentagen, wie wir später hörten), und wir genossen den Abend mit Peccorino und Vino. Ein Rundgang über den Platz, um andere Camper nach einem Nikonaufladegerät zu fragen, blieb ohne Erfolg. Alles wird gut, hieß  die Devise. Morgen gehen wir in einen Fotoladen. Klaus hat bereits eine Adresse in Siena  gegoogelt!!! Und……ich habe ein paar Sterne zwischen den Wolken entdeckt.

 

 

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