Palermo – barocke Kirchen, multikulti Märkte und Verkehrschaos

Montag, 12. Juni 2017

Leute, heute wird’s aufregend.
Wir stürzen uns in das palermitanische Großstadtleben.
Die Besitzerin unseres Campings spricht  gut Deutsch und ist dafür bekannt, ihre Gäste akribisch auf Palermo vorzubereiten. Sie erklärt uns, wie wir hinkommen, mit welchen Verkehrsmitteln und wo wir ein- und aussteigen müssen.

Aber erstmal von Anfang an.
Was kann ich Neues vom Wetter berichten? Stabil, Sonne pur, bis 30 Grad und über den Berghängen leicht diesig. Also nix wie raus auf die Womo-Terrasse und noch gemütlich frühstücken, bevor es spannend wird. Klaus durchforstet dabei die Informationen zu Palermo, um in der 700.000 Einwohner-Metropole die markanten Punkte unseres Interesses anzusteuern.

Palermo liegt am Golfo di Palermo inmitten der Conca d’Oro, einer Ebene die von Bergrücken, wie dem berühmten Monte Pellegrino (609 Meter hoch) – Goethe war felsenfest davon überzeugt, dass er der schönste Berg der Welt sei – und dem Monte Catalfano (374 Meter hoch) eingefasst wird. Sieht gigantisch aus. Siziliens Hauptstadt wurde von Phöniziern gegründet, von Arabern zur Blüte gebracht, war Kapitale des normannischen Königreichs und punktet mit Mosaikkunst und Barockbauten.

Heute haben wir Glück und Palermo strahlt im Sonnenschein, meist ist die wuselige Stadt nämlich wolkenverhangen. Das Verkehrschaos, in dem wir mit unserem Bus stecken, haben wir gestern bei der Anfahrt schon genießen dürfen. Stopp & go, Mofas, Vespas und sonstige Zweiräder, die von allen Seiten herbeischießen, keine geregelten Fahrspuren, wildes Durcheinanderfahren und die Devise lautet ‚ich zuerst‘. Wir sitzen zwar gemütlich im Bus, der uns an die Metro bringt, aber das ewige ruckeln, vor und zurück, nervt. Mich jedenfalls. Ich will endlich ankommen. Mitten in einem Kreisverkehr, wo bereits voll das Chaos herrscht, ist jetzt auch noch ein Auto liegen geblieben. Ganz großes Verkehrskino! Wir schaffen gerade noch unsere Metro und steigen nach einer Stunde Fahrt fast direkt am Normannenpalast, dem alten Königspalast, den die Araber für ihre Emire erbaut und die Normannenkönige weiter ausgestattet haben. Heute hat hier das sizilianische Parlament seinen Sitz. Wir betrachten ihn nur von außen

 

Und von hier heißt die Devise – zu Fuß. Klaus – bewaffnet mit einem Plan unserer Dame vom Camping – versucht, sich zurechtzufinden. Blöderweise ist nicht alles  genau ausgeschildert, manche Hinweisschilder sind halb abgebrochen, manche zeigen in die falsche Richtung, manche sind gar nicht da und auch mit den Straßennamen hapert es. Nach einer kurzen Eingewöhnungsphase kommt er ganz gut zurecht. In der Zwischenzeit bin ich auf Fotojagd.

Damit auch er entspannt und locker durch Palermo schlendern kann, wollen wir uns lieber treiben lassen. Was wir entdecken, überlassen wir dem Zufall. Dafür genießen wir die Straßen und Gassen mit ursprünglichem Leben und zahlreichen Chiesas und Palazzi und treffen in einem typischen Mandamenti (Quartier) auf einen tollen Markt. Wir sind begeistert von den kleinen Bars und Ständen, diealles für den Gaumen anbieten. Und schwupps sitzen wir schon und haben eine fantastische Antipasti-Platte, ein herrlich kühles Moretti und unverfälschtes, palermitanische Leben vor uns. Frisch gestärkt geht’s weiter auf Erkundungstour.

Umgeben von einem idyllischen Garten entdecken wir fünf rote maurische Kuppeln über einem kubischen Baukörper, die weltberühmte Normannenkirche ‚San Giovanni degli Eremiti‘ gehören. Roger II. ließ sie im arabisch-normannischen Stil errichten. Sie sieht aus wie eine Moschee, ist aber keine, sondern eine ehemalige Benediktinerabtei, die von arabischen Muslimen erbaut wurde und Christen als Auftraggeber hatte. Dadurch entstand in Palermo die arabisch-normannische Baukunst (Weltkulturerbe Unesco.)

 

Die Zeit vergeht wie im Flug, es ist drückend, sehr warm und die Füße brennen. Über den Hafen schleppen wir uns zum Bahnhof, trinken bei Mc Dom in einem Zug  eiskalte Köstlichkeiten und steigen in unsere Metro. Wie bei der Deutschen Bahn haben wir Verspätung.
Das hat zur Folge, dass wir unseren Bus nach Isola delle Femmine nicht erreichen. Das hat zur Folge, dass wir gegenüber mehrerer übervollen Mülltonnen gute 50 Minuten auf den Nächsten warten müssen.
Das hat zur Folge, dass ich genervt bin, weil ich geschafft bin.
Plötzlich hält ein Auto, zwei Plakatkleber steigen aus und bekleben eine ca. 6 Meter hohe Plakatwand mit einem neuen Motiv. Kunstvoll hängen sie die einzelnen Teile des Gesamtbildes auf einen überlangen, sehr biegsamen Besen und kleben sie fest. Ganz großes Plakatkino! Das verkürzt die Zeit und plötzlich kommt der Bus – sage und schreibe 5 Minuten zu früh!

Wir beginnen unsere Chill-Phase schon im Bus, unterbrechen sie für einen kleinen 800-Meter-Fußmarsch zum Camping, improvisieren noch ein kurzes Abendessen und chillen bei einem kühlen Moretti weiter, bis wir hundemüde ins Bett fallen.

Es ist sternenklar.

 

 

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