Östlichster Punkt Italiens und ein Tor zum Orient

Sonntag, 28. Juli 2019

Wann die ‚Open-Air-Disco‘ zu Ende war, weiß ich nicht. Meine Ohrstöpsel haben für Ruhe gesorgt. Geweckt werde ich, weil Fiete II hin- und herschaukelt. Ganz klar, es ist Sturm  und ich sammle erstmal Fußmatte und Handtücher zusammen. Das Meer ist aufgewühlt und tiefe dunkle Wolken hängen fast bis ins Meer.

Während ich das Frühstück zubereite, schweben Hubschrauber über der Steilküste und die Neugierigen stehen schon in Reih und Glied, um ja nichts zu verpassen. Ich vermute, dass jemand aufgrund des starken Windes die Klippen hinuntergestürzt ist oder vom Wellengang an die Klippen geschleudert wurde.

Hubschraubereinsatz am Campingplatzstrand

Ich checke aus und bezahle den Sonderpreis von 15 € – weil ich allein reise! Das nenne ich doch mal ‚perfetto‘! Und los geht es durch den Kurort Santa Cesarea Terme. Hier ist ordentlich was los. Ich komme an einem Wochenmarkt vorbei, wäre gerne hingegangen, aber mangels Parkmöglichkeit muss ich das unter ‚war-wohl-nix’verbuchen.
Ich nehme wieder die Küstenstraße und fahre direkt an der Küste entlang bis Porto Badisco. Links der Straße ist es felsig, rechts das tiefdunkle, aufgewühlte Meer, vorbei an Buchten, verwitterten Überresten der Millionen von Torri. Und soweit das Auge reicht nichts als Wasser und Steilküste! Beeindruckend und Wunderschön. Wie wäre das erst an einem der sonnigen Tage – nicht auszudenken. Und wieder das alte Lied: keine Haltemöglichkeit zum inne halten und fotografieren.

In Porto Badisco entdecke ich einen grooooßen Parkplatz und biege fröhlich ein, um mir den gemütlichen Ort mit kleinem Fischerhafen anzuschauen und einen Aperol spritz zu trinken. Der Platz fasst geschätzte 60 Autos, 8 waren schon da, bloß Camper dürfen hier nicht parken. Ich erkläre dem Parkwächter, dass ich nur ein Stündchen hier bleiben möchte, aber der bleibt hart und macht keine Ausnahme. Das zum Thema freudliche Apulier! Es gibt eben solche und solche. Schade, schon bei der Weiterfahrt stelle ich fest, hier hätte es mir gefallen.

Hätte, hätte Fahrradkette, fahre also weiter zu meinem nächsten Ziel, dem Capo d’Òtranto. Hier ist der östlichste Punkt Italiens mit einem weißen unscheinbaren Leuchtturm von 1867, den man besichtigen könnte, wenn es nicht gerade 12 bis 16 Uhr wäre. Zum Faro führt ein schöner Weg hinunter, wo sich die Wellen an der Felsküste brechen. Sehr beindruckend. Ich verweile auf einem Felsbrocken, schaue dem Naturspektakel zu und kämpfe mich gegen den stark böigen Wind wieder zum Parkplatz. Na ja, ist eher eine Geröll-Stelle für nicht mehr als 20 Autos!

Jetzt geht es zu meinem heutigen Übernachtungsplatz. Der’Oasy Park‘ ist ein Womo-Stellplatz und liegt nur 400 Meter von der Altstadt Ótrantos entfernt. Der Chef spricht gut Deutsch, hat er doch 10 Jahre in München gearbeitet!

Fietes Übernachtungsplatz in Ótranto

Mit einem Stadtplan und meinem weisen Reiseführer bewaffnet schlendere ich bei starkem Wind und drückenden Temperaturen von 31 Grad zur Città Vecchio. Es ist 16 Uhr und huscheldiebuschel kommen alle Urlauber aus ihren Siesta-Löchern, um das mediterrane Leben in Gang zu bringen. Passionierte Shopper sind unterwegs auf den glatten Natursteinen und in den engen Straßen der Altstadt ist es schwer, ohne Gerempel aneinander vorbeizukommen. Aber das gehört zu dieser Stadt und ist viel entspannter, wie es sich liest. Die Aperitivo-Bars füllen sich, man muss sich ja erzählen, was alles in der Siesta-Pause passiert ist und die Badeschlappen schlurfen am Lungomare entlang.

Ich finde alles das, was ich gerne sehen möchte, das Highlight, die normannische Cattedrale mit dem weltweit einzigen Bodenmosaik aus dem 12. Jh. in der Größe von 800 m², die griechisch-byzantinische Chiesa di San Pietro aus dem 9. Jh., das mächtige Castello Argonese mit dem Wappen Karl V. (der Kerl war aber auch überall hier!!!), die beiden Porti in die Altstadt und vieles mehr. Beindruckend finde ich, dass einer Legende nach der heilige Petrus 43 n. Chr. mal eben auf dem Weg von Palästina nach Rom in Ótranto reingeschaut hat! Wunderschön ist auch der Hafen mit den Badestränden. Ich lege ein Aperol spritz-Päuschen ein und möchte noch Fisch essen gehen. Aber hier öffnen die Restaurants erst zwischen 20 und 21 Uhr. Bin vom rumschlendern kaputt und die kurze Nacht macht sich bemerkbar.

Ich beobachte noch die abendliche ‚passegiata‘, ein italienischen ‚Muß‘, viele haben sich schick gemacht und gehen später fürstlich speisen. Ein tolles Ambiente in der kleinen Hafenstadt, dem ehemaligen Tor zum Orient! Ist doch das albanisch-griechische Festland nur 82 km entfernt.

Der Wind hat sich gelegt, die Sonne kämpft sich immer mehr durch und ich chille und freue mich über einen schönen Tag heute. Gegenüber gestern sind ein paar mehr Sterne zu sehen. Gut’s Nächtle!

Daten
Start:  km
Ziel: 11.927 km
Strecke 29 km
Verbrauch: 9,0 Liter
Geschw.: 28 kmh
Strecke: 1 Stunde

2 Kommentare

  1. Ich folge deine Reise mit Begeisterung aber kommst du auch mal wieder nach Deutschland oder bleibst du für immer in Italien? Ich würde dich auch mal besuchen kommen😊😁😎👍🙋‍♀️

    • Moin Heide.
      Ja, ich komme bald wieder zurück. Heute ist mein letzter offizieller Urlaubstag. Ab morgen fahre ich Step by Step nach Hause. Am Sonntag bin ich dann hoffentlich wohlbehalten wieder zurück. Und dann treffen wir uns mal wieder!!! LG Ingrid 🙂

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