Menschenmassen in ‚unserem‘ Florenz

Mittwoch 06.06.2018 – Achter Jubeltag!

Fiete hat Pause.
Das Wetter macht mal wieder schlapp. Will heißen, alles bewölkt, drückende Schwüle, Gewitterwolken am Horizont. Ich ahne nichts Gutes. Bevor es anfängt zu regnen, sorge ich  für Frühstücksbrötchen aus dem überteuerten Supermarket des feudalen Campings und lausche dem musikalischen Morgenapell der Soldaten.
Das alles passiert um 8 Uhr herum.

Wir starten kurz nach Elf mit den Rädern ins historische Zentrum von Florenz, der Kultur-Hauptstadt der Toskana. Das Wetter berappelt sich, will heißen, es scheint ab und zu die Sonne. Heute feiern wir den ganzen Tag unseren achten Jahrestag!
Der Radweg führt ca. 2 ½ Kilometer direkt am Arno entlang. Dort liegt auch unser Ristorante, wo wir für heute Abend einen Tisch bestellen.

Auf dem Radweg nach Florenz

Erster Mainpoint ist die einige Meter abseits der üblichen Besucherpfade liegende Markthalle der Stadt, der ‚Mercato Centrale‘. Unweit der Kirche ‚San Lorenzo‘, in deren Grabkammer sämtliche Herrscher der Medici fürstlich begraben sind. Die schmiedeeiserne Dachkonstruktion ist wirklich sehenswert. Unseren Jubel-Prosecco zum Anstoßen müssen wir uns aber erst hart verdienen. ‚Ok Google‘ schickt uns durch schmalste Einbahnstraßen kreuz und quer um den Duomo herum, so dass wir häufig schieben müssen. Manchmal ein gefährliches Unterfangen, denn wir, die Räder und die Autos – das ist eng. Hier haben wir zum ersten Mal den Eindruck, es ist voll in Florenz. Am Piazza del Duomo parken wir die Räder und versuchen es per pedes.

Hier herrscht ‚Grande disatro‘. Es ist die Hölle los. Unvorstellbar viele Menschen wuseln wie Ameisen auf dem riesigen Platz herum. Wie Schafherden treiben Fähnchen und Schirmchen schwenkende Reiseleiter ihre Gruppen aller Nationen über den Platz und in den Duomo  ‚Santa Maria del Fiore‘, dem Wahrzeichen von Florenz. Der Piazza ist nicht mehr zu erkennen, alles ist bedeckt mit Hunderten, ja tausenden Touri-Köpfen. Wir kämpfen uns durch die Menschenmassen und flüchten (natürlich nehme ich noch das ein oder andere Foto auf!!). Und einen bewundernden Blick verpasse ich dem gigantischen, grandiosen Duomo mit seinem Campanile trotzdem. Er ist ein Augenschmaus mit den weißen, grünen und roten Verzierungen aus Marmor.

Wir kämpfen uns durch die Marktstände auf der Piazza San Lorenzo, dem wichtigsten und größten Markt der Stadt, dem ‚Mercato di San Lorenzo‘. Leder ohne Ende, Taschen, Gürtel Jacken. Unvorstellbar viel.
Endlich, einige Meter abseits der üblichen Besucherpfade entdecken wir die Markthalle ‚Mercato Centrale‘. Unweit der Kirche ‚San Lorenzo‘, in deren Grabkammer sämtliche Herrscher der Medici fürstlich begraben sind. Einen Besuch erspare ich mir, bei diesen Menschenmassen wäre eh nicht viel zu sehen. Später erfahre ich, es gibt sowieso erst wieder übermorgen Tickets.!!!!
Die schmiedeeiserne Dachkonstruktion der Halle von 1874 ist sehenswert. Hier suchen wir zielstrebig den ‚Genuss-Tempel‘ im 1. Stock auf, schlabbern Prosecco und atmen erstmal durch.

Beschwingt stürzen wir uns erneut ins Gewühl, suchen aber Ziele abseits der Touristenströme. Es geht wieder durchs Touri-Gewühl. Natürlich wissen wir, dass Florenz zu den bedeutendsten Kulturmetropolen der Welt zählt. So eine Stadt hat man eben nicht für sich allein. Aber diese Menschenmassen haben wir nicht erwartet.

Wir brauchen starke Nerven, bis wir am wichtigsten Platz von Florenz, der ‚Piazza della Signoria‘ mit der Arkadenhalle und ihren zahllosen Skulpturen aus der Antike und Renaissance ankommen. Auch hier Hölle, Hölle, Hölle. Wer nicht aufpasst, hat die Stange einer Reiseleiterfahne, eine Selfiestange  im Rücken oder ein Teleobjektiv im Auge.
Einen Gang über die ‚Ponte Vecchio‘ ersparen wir uns. Von der gegenüberliegenden Brücke sehen wir eine zähe Masse, die sich in Slowmotion über die Ponte quält. Ein Selfie tut’s diesmal auch.

Wir erreichen auf der weiteren ‚Flucht‘ den ‚Mercato Nuovo‘, der sich in einer Loggia mit 20 Säulen und 12 Gewölben befindet. Uns interessiert aber nur ‚Porcellino‘, ein bronzenes Wildschwein aus dem 17. JH. Es soll Glück bringen, wenn man seine Nase rubbelt. Das ist der Grund für seine blitzeblanke Nase.

Wir haben es geschafft und sitzen in einer Bar bei eiskaltem Bier und einem Cafè. Dann geht’s Richtung ‚Piazzale Michelangelo‘,  D E M Aussichtsplatz auf das Stadtzentrum. Wir nutzen den ‚Giardino delle Rose‘ als ruhige Oase, bewundern die ‚Kunscht-Objekte‘ und genießen von hier ebenso tolle Ausblicke auf Florenz. In der Zwischenzeit haben sechs Busse ihre Menschenmassen auf dem Piazzale ausgespuckt. Sie stürmen in alle Himmelsrichtungen, immer voran  Selfie-Stange oder Reiseleiter. Schnell noch ein Blick, schnell noch ein Foto und dann nichts wie weg hier.

Neben dem Piazzale Michelangelo, auf einem der höchsten Punkte der Stadt, steht die kleine romanische Kirche ‚Chiesa di San Miniato al Monte‘, die in diesem Jahr ihr 1000stes Jubiläumsjahr feiert. Sie schaut im Innern ziemlich ungewöhnlich aus und ist rundherum mit wunderbaren Fresken verziert. Neben dem Kloster der Kirche liegt ein schöner Friedhof, der ‚Cimitere delle Porte Sante‘, auf dem nur verdiente Bürger und reiche Personen aus Firenze begraben liegen.

Wir wundern uns über einen cremefarbenen Exkalibur, der unterhalb der Kirchentreppen mit einem telefonierenden Fahrer bereit steht. Wir entdecken kurze Zeit später ein Brautpaar beim Fotoshooting.

Noch ein paar Blicke auf Florenz und wir radeln zurück zum Campingplatz. Wir werfen uns zeitgleich in die Liegestühle und chillen. Respekt: wir haben 13.000 Schritte hinter uns und 17 Rad-Kilometer. Um halbacht geht’s mit dem Radl zum Jubel-Essen und um Mitternacht erschöpft in die Falle.

unterwegs am Arno

Es hat Schäfchenwolken und einige Sterne am Himmel.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.