Matera – Weltkulturerbe und Kulturhauptstadt 2019

Dienstag, 16. Juli 2019

Heute klingelt der Wecker, den ich mir nachts gestellt habe. Konnte wegen des ununterbrochen auf Fietes Dach prasselnden Regens superschlecht schlafen. Musste mit Ohrstöpseln arbeiten! Und dann  noch das: Schrecksekunden beim Frühstück….. habe den Kühlschrank NICHT auf Strom umgestellt!!! Hoffentlich springt Fiete II noch an!? Aber der ist robust und sofort ist er da. Puh, Stein vom Herzen gefallenen.

Leider regnet es immer noch, allerdings nur gaaaanz leicht!
Ich bin mit der Rezeption und dem Shuttlebus nach Matera verabredet. Wir sind eine größere Gruppe und ein Guide erklärt uns, wie wir das Weltkulturerbe am besten entdecken. Er berichtet mit großem Stolz, dass Matera innerhalb von nur 40 Jahren vom Schmuddelkind zu einem Besuchermagnet geworden ist.

Um Viertel nach 9 setzt unser Fahrer uns in Matera ab, wo wir um 13 Uhr wieder abgeholt werden. Alles ist bestens organisiert. Ich soll noch einen Moment warten. Salvatore Locuratolo stellt sich vor und entschuldigt sich, dass er mich nicht durch die Stadt begleiten kann, was er liebend gerne gemacht hätte J, er hat aber noch zwei andere Termine. Er gibt mir ein paar wichtige Tipps mit auf den Weg und verabschiedet sich mit einem ‚Ci vediamo‘, man sieht sich.

Ich starte. Und das allerbeste ist, es hat aufgehört zu regnen. Da stören die dunklen tiefhängenden Wolken nicht, Hauptsache, es bleibt trocken. Komisch, dass man sich im südlichsten Italien schon freut, wenn es nicht regnet!!

Und dann wird es einfach nur überwältigend! Die alte Stadt Matera, auch das 2. Bethlehem genannt, breitet sich mit den beiden Sassi  – Barisano und Caveoso – auf einer felsigen Landzunge aus. Hier befindet sich ein Komplex aus Höhlensiedlungen, die in die Tuffstein-Felswände geschlagen wurden. Der älteste Bereich ist das Viertel ‚Civita‘. Ich steige Treppen über Treppen hoch, runter, wieder hoch und wieder runter. Alles ist sehr eng und verschachtelt. Mir ist, als laufe ich durch die Vergangenheit, total toll. Das muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen: befinde ich mich doch in einer der ältesten und außergewöhnlichsten Städte der Welt!!! Das Gebiet ist schon seit der Jungsteinzeit besiedelt.

Die Sassi mutierten in 40 Jahren vom Schandfleck Italiens zur Location für Bibelverfilmungen und sind heute UNESCO Kulturerbe und Kulturhauptstadt Europas. Was für eine rasante Entwicklung. Und was für eine Schande, wenn das nicht passiert wäre.

Ich genieße wunderbare Ausblicke auf die Murga mit ihren Schluchten und tiefen Einschnitten. Im Grunde genommen ist Matera die Schlucht selbst, ein Spaziergang durch eine ‚vergessene Vergangenheit‘, und deren Tradition von der Landbevölkerung mit Stolz aufrechterhalten wird.
Die Bilder sprechen für sich, wie ich finde. Zum Schluss spaziere ich noch in das neue Matera, kaufe Olivenbrot, leckere Dolci und finde sogar ganz versteckt ein Aquarell für meine Bilderwand. Welche Freude!

 

Unser Shuttle kommt zur italienischen Zeitrechnung, also gar bis überhaupt nicht pünktlich.
Ich checke aus und zahle – oh Wunder – nur 18 € für die Übernachtung! Kein Aufpreis für den weiteren Tag. Das ist mehr als fair. Jetzt starte ich ins Trulli-Tal Valle d’Itria mit dem für seine mehr als 1000 Trullis bekannten Alberobello. Antonio, mein Taxifahrer aus Bari und Francesco aus der Familie haben mir dieses Städtchen sehr ans Herz gelegt.

Ich fahre durch unendlich weite Weizenfelder, die meist schon abgemäht sind. Zahllose Heurollen liegen wie kleine Kugeln ungeordnet i der Landschaft herum. Auch hier wieder kein Stopp für ein Foto möglich. Sehr, sehr schade. Und was soll ich sagen, es regnet schon wieder!

Erst jetzt bemerke ich, dass kein einziger Olivenbaum (fast) in dieser Gegend steht. In Giola del Colle kaufe ich wieder leckere Sachen und komme um halbfünf nach längerer Suche auf dem ‚Camping di Trulli in Alberobello an. Der Platz entwickelt sich erst auf den 2. Blick. Außergewöhnlich: ein schnelles W-Lan auf dem gesamten Platz. Meine Nachbarn aus Great Britain berichten mir mit geschwollenem Hals, dass es zu Hause sonnig und 24 Grad warm ist. Tja, ganz großes Pech-Apulien-Wetter-Kino!!! Ich war auch voll auf Sole eingestellt!

Jetzt habe ich eine längere Chillzeit vor mir und plane, Schlaf nachzuholen.
Es gibt einen wunderbaren Sonnenuntergang und der Mond leuchtet. Ich träume von ganz viel Sonne morgen und einer Zwergohreule. Die schreit ihre Laute in die Nacht, tatsächlich. Gut‘s Nächtle.

Daten
Start: 11.456 km
Ziel: 11.532 km
Strecke 77 km
Verbrauch: 10,2 Liter
Geschw.: 43 kmh
Strecke: 1 ¾ Stunden

 

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