Marathonschnuppern im Münsterland – Burgsteinfurt in zwei Stunden

Samstag, 21. Juli 2017

Es war schon lange geplant und heute ist es soweit.
Ich besuche meinen ‚Kurschatten‘ Susanne aus dem Steinfurter Land.
Es sind schwüle 29 Grad und ich starte mit Fiete gegen 13 Uhr.

Vor dem Start nach Burgsteinfurt

Es geht zunächst Richtung Kassel, dann über die ‚Sauerlandlinie‘ Richtung Dortmund, vorbei am Westhofener Kreuz, auf die A1 Richtung Bremen und die B54 nach Burgsteinfurt, einer Kreisstadt im nordwestlichen Westfalen. Hier wohnt und lebt Susanne.

Es läuft trotz hohem Verkehrsaufkommen gut bis kurz vorm Westhofener Kreuz. Hier stehe ich in einer Großbaustelle in einem 9 Km langen Stau. Ganz großes Großbaustellen-Kino!  Und die Schrappnelle hat mal wieder das Maul gehalten. Von wegen ‚Sie nähern sich einem Stau‘!!!!! Nach nervenden vier Stunden und exakt 299 Km bin ich am Ziel, ziehe den Zündschlüssel und atme durch.

Wir vorm Wasserschloss

Nach einer sehr herzlichen Begrüßung wird erstmal geschwätzt, Kaffee getrunken, Plätzchen geknabbert und sich erholt. Es folgt ein Rundgang durch die neu bezogene Wohnung und eine Radtour durch Burgsteinfurt mit viel Natur bei herrlich sonnigem Wetter. Ich bin heilfroh, dass ich mich nach der langen Sitzerei im Wohnmobil endlich mal bewegen kann.
Sehr gewöhnungsbedürftig ist das Hollandrad, das mir Susannes Tochter ausgeliehen hat. Ich sitze in einer gefühlten Höhe von zwei Metern mit dem Lenker unmittelbar vor meinem Bauch, eiere mehr, als ich fahre und ärgere mich, dass ich wie ein Affe auf dem Schleifstein aussehe.

Wir kombinieren die drei Steinfurter Highlights, die historische Altstadt mit der prächtigen Wasserburg, den Bagno-Freizeitpark und den Kreislehrgarten.  Alle drei Eckpunkte erreiche ich mit Susanne gesund und munter. Das Gute daran, mit jedem Radkilometer klappt es besser. Aber weit entfern von gut.

Wir kommen an der von Martin Luther bewachten Großen Kirche vorbei, am Alten Rathaus, einem Renaissancebau von 1561, an den Professorenhäusern am Markt, und der ‚steinernen Furt‘, einem Wasserspiel auf dem historischen Marktplatz, in das Steine mit 11 Jahreszahlen und Symbolen eingearbeitet sind. Hinter jedem dieser Steine verbergen sich historisch wichtige Ereignisse, die über einen QR-Code abgerufen werden können.

Wir erreichen das Wasserschloss von 1129, die älteste Wasserburganlage Westfalens, die auf zwei Inseln der Steinfurter Aa liegt. Einfach wunderschön!
1164 zerstört, später wieder aufgebaut, besteht das Schloss heute nur noch aus der Ober- und Unterburg und der Schlossmühle. Es befindet sich im Privatbesitz der fürstlichen Familie zu Bentheim und Steinfurt. Die haben keinen Bock auf Touris, weshalb man sich nur mit Blicken von außen begnügen muss.  Recht hammse, die Adelsleit!!!

Dann laufe ich mit meinem Hollandrad zur Höchstform auf.
Es geht in den Steinfurter Bagno-Park, einem der größten Naherholungsgebiete im Münsterland. Der Park entstand Mitte des 18. Jahrhunderts in den Aa-Auen. Zahlreiche Alleen, verschlungene Spazier- und Radwegen entlang der Seen und das Waldgebiet Buchenberg wechseln sich ab. Es ist traumhaft schön, zumal wir beste Lichtverhältnisse haben.
Krönung des Parks ist die historische Konzertgalerie – ältester freistehender Konzertsaal Europas. Zwei interessante Radwege der Region Münsterland kreuzen sich hier: Die  100 Schlösser Route trifft auf die Aa-Vechte-Route und die Radtour der historischen Stadtkerne.

Übrigens, auch im 19. Jahrhundert hatte man schon Ahnung vom Annektieren: Napoleon verleibte sich die Grafschaft Steinfurt ein und machte Graf Ludwig zu seinem Untertan. Ob Putin sich da was abgeguckt haben könnte?

Jetzt hab‘ ich ein bisschen geschummelt.
Den Kreislehrgarten haben wir nämlich erst am nächsten Tag besucht, er passt thematisch aber eher zu heute. Es handelt sich dabei um eine Gartenlandschaft mit 100-jähriger Geschichte und einer einzigartigen Einrichtung im Münsterland. Jährlich kommen ca. 5000 Besucher, um die 32.000 m² Obstbäume, Stauden, Kräuter und Seen zu genießen. Hier kann man wunderbar abschalten und sich und seine Gedanken treiben lassen.

Irgendwann knurren unsere Mägen. Wir verspeisen ein wunderbares Abendessen, trinken ein, zwei – oder waren es gar drei –  kühle Bierchen und ratschen, was das Zeug hält.
Gegen Mitternacht falle ich hundemüde in mein Bett im Fiete. Herrlich.
Es ist sternenklar.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.