Malerische Altstadt von Erice und weißes Gold

Donnerstag, 15. Juni 2017

Wir starten um viertel nach 11 von unserm ungemütlichen Dauercamper-Platz und dem bisher  teuersten Preis ‚Camping Lido Valderice‘, Golfo di Bonagia, liegt, ein verlassenes Örtchen mit einem unsauberen Badebucht und einem absolut leeren Lungomare mit einer Caffè-Bar ohne Gäste und lassen die Nervensäge Gabriele, genannt Gabri, zurück.

Den Ausgrabungsort Segesta mit dem rätselhaften Tempel lassen wir sausen und visieren den archäologischen Park von Selinunte an. Wir setzen Prioritäten. Anders geht’s nicht. Diese Griechenstadt wurde nie moderner überbaut.

Sofort nach Valderice beginnt eine kurvenreiche Fahrt durch Olivenhaine, über Sant Andrea und Valderice. Wir beobachten ein größeres Feuer, das der Wind genau in unsere Fahrtrichtung bläst. Fiete schraubt sich davon unbeeindruckt Kurve für Kurve auf der ‚Strada del Vino‘ auf den 750 Meter hoch liegenden ‚Monte Erice‘, wo mittelalterliches Erbe in Erice auf uns wartet. Dabei begleiten uns spektakuläre Ausblicke auf die Hafenstadt Trapani und die Küste.Wir parken nach den üblichen Diskussionen, Campere si, Campere no, direkt vor dem Stadttor, bewaffnen uns mit Kamera und viiiel Wasser, denn es ist heiß. Sonne eben, knallblauer Himmel und wenig Wind.

Erice,  das in der Antike zu den drei größten Elymer-Städten (Urvolk Siziliens) zählte, ist eine einzige Sehenswürdigkeit. Ich fühle mich ins Mittelalter versetzt, wenn ich durch die morbide wirkenden Gassen mit ihrem 400 Jahre alten, aalglatten Kopfsteinpflaster laufe. Wir nutzen einen Hauch Wind, der von der Küste nach oben getragen wird, und wandern zum Venusschloss ‚Castello di Venere‘ , einer Normannenburg aus dem 12. Jahrhundert.  Die Aussicht ist grandios! Wir blicken auf Trapani mit dem Monte Cofano und auf die äjolischen Inseln. Im ‚Giardino del Balio‘ mit üppiger Vegetation legen wir ein Schattenpäuschen ein.

Jetzt tauchen wir ein in die sandfarbene, schlichte Museumsstadt, schlendern durch die Gassen und entdecken ein wunderschön gelegenes Restaurant. Kühles Bierchen, Parmegiana di melanzane für mich, Risotto üfr Klaus und Espress für beide schmecken sehr lecker. Ich erfahre von einem 1985 verübten Mafia-Anschlag auf einen Richter, bei dem unbescholtene Bürger aus der Stadt ums Leben kamen. Denn…….. Erice gilt nämlich als Mafiahochburg. Ganz großes Mafiakino!!!  Corleone können wir uns schenken.

Wir schlendern an der Stadtmauer aus punischer Zeit entlang, und bewundern zahlreiche, gut erhaltene Chiesas aus dem Mittelalter. Endlich treffen wir auf das Cafè mit dem für Erice typischen Mandelgebäck. Hinein und schwupp haben wir die köstlichen Mandelteilchen auch schon verspeist. Wir ‚rutschen‘ die steilen Gassen auf dem Weg zur Porta Spada hinab, einem der drei Stadttore, und treffen hier auf die vom Argonesenkönig Friedrich III. gestiftete 700 Jahre alte gotische Chiesa Matrice ( = Duomo,1314) mit separatem Campanile, die mit Abstand bedeutendste Kirche Erices. Darauf, zahlreiche Kirchen und Gebäude von innen zu besichtigen, haben wir zu Beginn des Stadtspaziergangs verzichtet. Gesamtpreis des Pakets: 20 €uronen pro Person.

Wir erlösen Fiete von seinem Knallsonnenplatz und runter geht’s Richtung Hafenstadt Trapani. Ein kleines Stück fahren wir durch die verkehrsreiche Stadt, finden schnell die SS 115, auf der wir zur 22 Kilometer langen Küstenstraße SP 21, der ‚Via del Sale‘, mit ihren alten Windmühlen und einem Gitternetz vonSalinen fahren. Das Gebiet der Salinen umfasst die Städte Trapani, Paceco und Marsala, dass heute als ‚Kulturland‘ anerkannt ist. Wir halten an einer Mühle, die besichtigt werden kann und die einen großen Salzberg aufweist. Aber es ist alles verlassen, dafür wunderschön. Klaus organisiert ein kleines Päckchen des weißen Goldes, dass hier schon seit 3000 Jahren gewonnen wird.

Wir fahren weiter in das Hauptgebiet hinein, parken und es trifft uns der Schlag. Bisher war alles ruhig, sehr relaxed, aber jetzt biegt auf den Parkplat ein riesiger Reisebus ein und spukt Touris ohne Ende aus. Wir sind schneller und können uns absetzen.
Das Salz wird in langen Reihen aufgehäuft und danach mit Tonziegeln abgedeckt, damit es gut trocknet. Genau 176 Tage wird Salz geschöpft, dass dann nach der Trocknungsphase ab dem Frühjahr von Hand gereinigt und dann als ‚Sale Marino di Trapani‘ verkauft wird. Bevor die Tourimasse wieder zum Bus zurückkehrt, holen wir Fiete ab und fahren über die Autobahn nach Selinunte.

Da der Kochlöffel heute in der Schublade bleibt, wählen wir den ‚Camingplatz Athene‘ aus, der sowohl ein hervorragendes Restaurant besitzt als auch nur 3 Kilometer vom archäologischen Park entfernt liegt. Wir kommen um 18:30 Uhr an und sind sehr erstaunt, dass außer einem italienischen Dauercamper nur noch ein Ulmer Campingbus außer uns auf dem riesigen Platz Quartier bezogen haben. Wir richten unsere WOMO-Terrasse unter Olivenbäumen ein, genießen ein hervorragendes Essen, viel sizilianischen Wein, chillen noch ein wenig und freuen uns auf Morgen.

Klaus studiert Reiseliteratur

Es ist immer noch 25 Grad warm, als wir unter sternenklarem Himmel in die Falle fallen.

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