Gigantische Abtei-Ruine und ein spektakulärer Übernachtungsplatz

Samstag, 2.Juni 2018

Ich öffne die Tür von Fiete und blicke in einen stahlblauen Himmel. Wow!
Als erstes nehme ich ein Bad im herrlich gelegenen Pool des Campings ‚Le Soline‘. Kaum zu glauben – sie haben hier sogar einen Lifeguard!!!! Und der befindet sich gerade mit wichtigem Blick auf seinem Kontrollgang rund um den Pool.
Ich habe die herrliche Aussicht ins Tal ‚Val d’Orca‘ für mich alleine.

Das Frühstück auf der Womo-Terrasse ist heute besonders gut. Wir haben Pane und Croissants bestellt und beides mundet. Kurze Zeit später gibt es einen kleinen Unfall auf dem Platz: ein Kastenwagen fährt mit Karacho und dem Fahrradträger an einen Baum. Scheint Stress zu sein, denn den Fahrer interessiert der Schaden nicht, er saust im Karacho den Berg zur Ausfahrt hinauf und lässt die Segniora stehen! Das nenne ich ganz großes Ehe-Kino!!
Wir starten mit dem reisefertigen Fiete um 11 Uhr zu unserem ersten Ziel, der Abbazia di San Galgano, einer der Hauptsehenswürdigkeiten der Toskana. Kaum sind wir unterwegs, entwickeln sich wieder Wolkenfelder, wie jeden Tag.

Natürlich geht es auf kurvenreichen Straßen durch die toskanischen Hügel und durch dichte Waldgebiete mit Bäumen, deren Stämme total mit Rankenpflanzen bewachsen sind. Samstag ist offensichtlich ein beliebter Tag, um mit dem Motorrad scharfkantig und elegant an der Mittellinie der Straße entlang zu düsen. Klaus rechnet in jeder Kurve mit einem dieser Verrückten.

Highnoon kommen wir an dem 71 Meter langen Sakralbau San Galgano an. Überraschenderweise gibt es hier einen Womo-Stellplatz mit Strom, auf dem übernachtet werden kann. Wir nutzen den Platz zum kostenlosen Parken und Fiete steht sicher.
Hier ist wieder Touri-Trubel angesagt. Diesmal können wir das gut verstehen, denn die Ruine einer ehemaligen Abtei will von vielen bewundert werden.

Abbazia San Galgano wurde im 12. JH von Zisterziensern erbaut. 1783 stürzte ihr Glockenturm aufgrund eines Blitzeinschlages auf das Dach des Kirchenschiffes. Heute ist der toskanische Himmel das Dach des grasbewachsenen Innenraums. Die Abtei ist gigantisch und trotz zahlreicher Menschen ruhig und erhaben.
500 Meter entfernt liegt die kleine Capella di Monte Siepi, eine Rundkirche aus Ziegelstein von 1182. In der Mitte befindet sich das Schwert vom heiligen Galgano, der es der Sage nach in den Fels gerammt haben soll.

Um halbzwei starten wir zum nächsten Punkt, der natürlichen Thermalquelle von Bagni di Petriolo, nach unseren Reisebüchern einfach zu finden. Wenn da nicht Millionen von Euro in den Ausbau der Hauptverbindungsstraße Siena – Grosseto geflossen wären. Das hat nicht nur die Schrappnelle sondern auch ‚Ok-Google‘ völlig durcheinander gewirbelt. So fahren wir jeweils 7 Kilometer einmal hin und einmal her und ärgern uns, dass wir zu doof sind, die Quellen zu finden. Ganz großes Verfahr-Kino!!!
Es stellt sich heraus, dass wir nichtsahnend unser Picknick fast direkt vor dem im dichten Wald liegenden Abhang einnehmen. Wir finden die Stelle, die im Reiseführer beschrieben ist, und verlassen sie umgehend. Es sieht unsauber aus und dubiose Personen liegen im trüben Wasser. Auf dem Rückweg zu Fiete sieht Klaus etwas durch die Bäume blitzen und klettert den Hügel hinab. Und hier sind tatsächlich einige schöne Becken mit heißem Thermalwasser. Nach diesem Hin- und her ist uns die Lust am Baden allerdings vergangen. Klaus meint trocken: Saturnia für Arme!!!

Unser drittes Ziel, den Brunello-Weinort Montalcino verlegen wir auf den nächsten Tag.
Wir haben beschlossen, mal wieder auf einem Agrcampeggio zu übernachten und den ‚Il Casale‘ bei Pienza, der Pecorinostadt der Toskana, ausgesucht.
Wir fahren erneut durch liebliches Hügelland, immer in Begleitung des Monte Amiano.

Kurz hinter Pienza fällt unsere Schrappnelle aus, sie will uns in eine Wiese schicken. Die Webseite sagt, dass wir bei KM 33 von der SS abbiegen müssen. Beim Wenden kommt uns ein Treckercorso entgegen. Lustig.

Trecker Corso

Jetzt finden wir die Abfahrt und fahren auf der alten Römerstraße. Plötzlich sehe ich zwei Wohnmobile in den Hügeln stehen. Wir fahren hin und sind begeistert.
Angekommen sind wir nicht im ‚Il Casale‘, sondern auf dem Podere dell’Albergo mit einer fantastischen Aussicht auf den Monte Amiata, Pienza und das Val d’Orca. Wir fühlen uns direkt wie zu Hause. Auf der Suche nach dem Besitzer des Bauernhofs treffen wir auf ein Brautpaar, die hier Hochzeit feiern. Plötzlich steht Luciano vor uns, alles perfetto, wir ordern einen eiskalten Prosecco aus eigener Herstellung und genießen in Ruhe die außergewöhnliche Stimmung. Die Campingfamilie besteht aus 6 Fahrzeugen!

Der Bauernhof war früher die alte Poststation (16. JH), daher auch der Name des Agricampeggios. Neben uns wohnen Schweine, Esel und Pferde und Klaus entdeckt ein Schwalbennest. Ein ehemaliger Schweinestallt ist heute eine moderne Toilette mit Dusche und Waschbecken. Es könnte nicht schöner sein.

Wir erleben einen klitzekleinen wolkenverhangenen Sonnenuntergang und freuen uns  auf das morgige Frühstück mit Blick auf Pienza und das Val d’Orca.


Daten:
Start: 54282
Ziel: 54440
Fahrstrecke:  160 km
Fahrzeit: 4  Stunden
10,8 Liter verbraucht
38 kmh durchschnittl.
Agriturismo ‚Podere dall’Albergo, 5 km von Pienza im Val d’Orca


 

 

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