Frauentour durch die ‚Museumsstadt‘ Trogir

Montag, 28. August 2017

Ohjemineh, heute hat’s Klaus erwischt. Er muss immerzu dahin, wo auch der Kaiser zu Fuß hin geht. Er will die gestern verspeiste Creme-Schnitte loswerden, die er für seinen üblen Zustand verantwortlich macht. Außerdem ist im sauschlecht und er ist schlaff wie ein Luftballon, der seine Luft verloren hat.
H. hat seit halbsieben ein Date mit dem frühen Vogel, nutzt die ruhige Zeit auf dem Campingplatz zum Lesen und verlängert unseren Platz um einen weiteren Tag. Auch K. hat schlecht geschlafen und fühlt sich mürbe. Mir geht’s gut und ich genieße ein Bad im Meer.

Die fitten Frauen nutzen die Gunst der Stunde und starten ohne Männer gegen elf Uhr auf Entdeckungstour nach Trogir, bewaffnet mit Kameras und vieeele Kuna. Wir nehmen das Taxiboot und kommen nach erfrischenden 20 Minuten an der Festung ‚Kammerlengo‘ mit dem runden Turm des Heiligen Markus an. Das Ensemble wird von der Sonne in beste Szene gesetzt.

Erster Eindruck: Es ist gemütlicher heute, nicht so viel Trubel wie gestern. Das inspiriert uns, die 2000 Jahre alte Stadt genauer zu betrachten. Der Altstadtkomplex gehört zum UNESCO Weltkulturerbe. Wir schauen uns die Festung und den runden Turm an, spazieren am Yachthafen entlang und bummeln über den Obst- und Gemüsemarkt. Wir genießen die engen, steinernen und malerischen Gassen und Paläste aus der Zeit der Romanik, Gotik und der Renaissance. Dabei vergessen wir ganz, zu fotografieren! Seinen besonderen Charme hat Trogir den Römern zu verdanken. 500 Jahre befand sich die Stadt unter der Herrschaft Venedigs.

Das dominierende Bauwerk auf dem Hauptplatz – dem kulturellen Mittelpunkt Trogirs –  ist die Kathedrale Sv. Lovro, deren Bau um 1200 begonnen und erst 400 Jahre später mit dem Glockenturm  des Hl. Sebastian vollendet wurde. Ein Meisterwerk ist das Hauptportal (13. Jh.) mit ihren beiden Löwen sowie Adam und Eva. An der Ostseite steht der Fürstenpalast – heute das Rathaus.  An der Südseite liegt der Uhrenturm mit der Loggia (beide 15. Jh.) und der Cipiko-Palast, Zeitzeugnis der Venezianer aus dem 15. Jh.

Ein Blick auf Trogirs Dächer muss toll sein. Deshalb beschließen wir spontan, den 47 Meter hohen Glockenturm zu besteigen. Dafür zahlen wir 25 Kuna (können aber auch die Kathedrale besichtigen) und hangeln uns Stufe für Stufe unter Schwindel und Höhenangst hinauf zur Aussichtsplattform. H. ist erleichtert und schnauft erstmal durch.
Unser Mut und Durchhaltevermögen lohnt sich. Der Blick ist toll, allerdings gibt es nur wenige Möglichkeiten zu fotografieren. Wir halten uns etwas länger dort oben auf, da wir uns mental auf den Abstieg vorbereiten müssen. Der Abstieg erfordert wieder unseren ganzen Mut. Wenn die Stufen doch bloß geschlossen wären! Wir unterstützen uns gegenseitig. Das hilft.
Nach diesem Abenteuer haben wir ein Lunch in einer tollen Konoba verdient. Dort schlabbern wir erstmal eiskaltes Radler. Das Essen ist gut und wir quatschen lange und ausführlich.

Auf dem Weg zur Kohl-Genscher-Straße entdecken wir plötzlich an der Strandpromenade ein Taxiboot, das gerade ablegen will. Wir scannen die Lage und nehmen im Blickwinkel die Aufschrift ‚Trogir – Okrug‘ wahr.Perfekt. Das nehmen wir und springen auf. Entspannt nehmen wir Platz. Shopping ist jetzt ausgefallen, dafür sind die Kuna noch im Portemonnaie.

Das wäre das richtige Taxiboot gewesen!

Als wir unsere Fahrkarten bekommen, wundert sich H., dass es plötzlich doppelt so viel kostet, als auf der Hinfahrt. Es stellt sich heraus, dass wir nach Okrug Donji (östliche Halbinsel) schippern und nicht nach Okrug Gornji (westliche Halbinsel). Na toll. Ganz großes Okrug-und-ebbes-Kino! Es war mal wieder ‚Kasse machen‘ angesagt, denn unsere Frage vor dem Aufsprung, ob er zum Camping Rozak fährt, wurde mürrisch mit ‚ja, natürlich‘ beantwortet.

Wir trotten in der schwülwarmen Luft – wieder über die Tourimeile – ‚nach Hause‘.
Im Bett finde ich ein Häufchen Elend. K. geht es nicht viel besser. Ich sorge zunächst für Ordnung und gehe danach mit H. ne ausgiebige Runde schwimmen. Es ist sehr schwül, total warm, aber ziemlich bewölkt.

Bad im Meer nach der Frauentour

Wir essen bei H. und K. Es sind 27 Grad und es gibt ein paar Tropfen Regen. Klaus rafft sich für wenige Minuten auf, begibt sich aber kurz darauf erneut in die Horizontale.

Heute gibt’s keine Sterne. Und der Mond ist auch nicht  zu sehen.
Um Mitternacht sind es draußen immer noch 27 Grad!

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