Fortuna, Fantastico und Stadt meines Herzens

So, da wär ich wieder.
Voll mit vielen wahnsinnigen und wunderschönen Eindrücken aus Siena. Heute war eine Menge los, so nebenbei. Zunächst haben wir länger geschlafen. Dann haben wir uns über das schöne Wetter gefreut, eines, dass zu Siena passt. Aber dann…..

Wir saßen gerade beim Frühstück, als es plötzlich unmittelbar hinter uns knallte und schrammte. Ein Wohnmobil aus Frankreich rammte einen nagelneuen Hymer, bemerkte es nicht und schrammte weiter. Helle Aufregung auf dem Platz. Alles, was Beine hatte, neugierig war oder helfen wollte, lief zusammen. Beim Hymer baumelte die herausgerissene Rückfahrkamera herum und der Rapido des Franzosen hat seine komplette Stoßstange abgefahren. Ganz großes Kino, mit Fotos, Kauderwelsch, Händesprache, Zeugenbeschaffung und was noch alles dazugehört. Jedenfalls war das ruhige Frühstück im Eimer. Klaus half beim Übersetzen und mit einem Unfallbericht. Zeitlich warf uns das voll nach hinten. Zudem wollte heute der Blog mal wieder nicht, wie ich wollte.

Blick auf Siena

Der Busfahrplan nach Siena gab die Zeit vor. Spute dich war angesagt, denn nach dem 12:19er war – na was wohl – Siesta. Radfahren? Kannste vergessen – wegen der zahlreichen Hügel, erst enuff, dann enunner. Dreißig  Minuten  später  wären wir da gewesen, wenn wir uns im Bus nicht verquatscht hätten. Drei Stationen zu spät ausgestiegen. Auf dem Rückweg per Pedes wurden wir dafür mit fantastischen Blicken auf die mittelalterliche Stadt belohnt. Siena ist ein Freilichtmuseum der italienischen Gotik. Fast jede Gasse ist ein Augenschmaus, besonders heute, denn die Stadt ist vom Palio – Pferderennen mit Fahnen der 17 sinesischen Contraden – noch immer geschmückt.

Die Stadtmauer ist vollständig erhalten und eine Ecke ist schöner, als die andere. Dazwischen der Duft der Feinkostgeschäfte, Pizzerien und die kunstvoll aufgehäuften Eissorten. EINFACH TOLL! Wir haben den Fotoladen wegen der leeren Fotobatterie direkt gefunden. Der Maestro war sehr nett, behielt sie zum Aufladen gegen eine Gebühr von 5 Euro und freute sich, dass ich mich freute. Ich war total glücklich, bekam feuchte Augen und musste tief durchschnaufen. In 2 Stunden konnte ich die geladene Batterie wieder abholen und die letzten Tage des Urlaubs sind wieder „bildersicher“.

Jetzt kam Highlight Nr. 1 – Il Campo, mein Lieblingsplatz. Und da lag er, im Sonnenlicht, umrahmt von majästetischen Palazzi, dem mächtigen 104 Meter hohen Rathausturm und dem Brunnen Fonte Gaija aus dem 15. JH. Wow, durchatmen, Luft holen, Freude verarbeiten, und genießen.  Wir reihten uns in die zahlreich auf dem muschelförmigen Platz liegenden, sitzenden, quatschenden, staunenden Menschen ein, lagen und saßen mit direktem Blick auf den Torre del Mangia, schauten auf die vorbeiziehenden Wolken, genossen die Sonne und beobachteten das Treiben. In der Bar San Paolo tranken wir auf einem schmalen Balkon mit Wahnsinnsrundblick auf den Campo ein Gläschen Vino bianco. Zeit spielte keine Rolle mehr.

Aber Highlight Nr. 2, der schwarz-weiß gestreifte imposante Dom, war noch angesagt. Die gotische Fassade ist atemberaubend, als hätte sie ein Zuckerbäcker geschaffen. Die Säulen im inneren des Doms sind ebenfalls gestreift, päpstliche Häupter noch und noch schauen von der Decke, tolle Gemälde, und ein fantastischer Boden mit 52 Bildern aus verschiedenfarbigem Marmor und Stein. Es ist im wahrsten Sinne des Wortes atemberaubend.  Und wieder gab es ein Glücksmoment: alle Fußbodenbilder waren freigelegt und zu sehen. Toll waren auch die zahlreichen riesigen Bücher und Papstgewänder, der Altar, die Orgel, einfach alles. Das Ambiente ist einfach nur fantastisch.

Highlight Nr. 3 war der Aufstieg zum Facciatone, der Fassade des unvollendeten Teils des Doms. 45 Minuten Wartezeit musste ich ertragen, aber die haben sich sowas von gelohnt. Nur noch eine enge Wedeltreppe war zu überwinden und dann standen wir mit 20 weiteren Personen (mehr dürfen nicht hinauf und das auch nur 10 Minuten) auf einem schmalen Mauerteil. Siena lag uns zu Füßen. Was für ein Glück mit dem Wetter! Kamera und Tablet sind heiß gelaufen, soviel fotografiert habe ich.

Zufrieden schlenderten wir die mittelalterlichen Gassen zurück. Ich bewunderte die Teils schweren Ösen an den Wändern der Häuser. Hier wurden früher die Pferde festgebunden und Fackeln für die Beleuchtung der Stadt eingesetzt. Für Valentina ein Mitbringsel erstanden und die Rückfahrbushaltestelle gesucht. Der Bus kam pünktlich und schüttelte uns den Hügel zum Campingplatz hinauf. Ein schnelles Abendessen, einen Chianti dazu, Fromaggio, Musik und Fotos in lauer Luft anschauen, Eindrücke verarbeiten, Füße hochlegen und ….. natürlich bloggen.

Draußen ist es heute NICHT sternenklar und der eine oder andere Regentropfen ist zu hören. Aber die Sterne der Domkuppel leuchten in meinen Gedanken über uns…

Kuppel im Dom zu Siena

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