Enna – Siziliens Aussichtsloge

Sonntag, 11. Juni 2017
Zahlen – Daten – Fakten

Siracusa ‚Good-bye‘!
Wir entschließen uns, Siracusa den Rücken zu kehren und fahren quer durch Sizilien. Wir fahren durch wunderschönes Hügelland, in dem seit 2000 Jahren der Hartweizen für die Pasta angebaut wird. Hier ist die Kornkammer Siziliens. Die riesigen Felder sind bereits abgemähund haben hunderte von Heurollen, die in der Sonne herumdümpeln und trocknen. Olivenhaine links und rechts, manchmal Obstbäume, und immer wieder die goldbraunen Felder in der Hügellandschaft. Manchmal denke ich, das ist meine geliebte Toskana.

Enna, das ‚Herz Trinacrias‘ und der Nabel Siziliens, eine mittelalterliche Stadt in Zentralsizilien, ist unser erstes Ziel. Die alte argonesische Königsstadt thront 931 Meter über dem Meer und ist der geografische Mittelpunkt der Insel. Ihre Glanzzeit hatte das Berg-Städtchen unter den Argonesen und als Wilhelm III König von Trinakria war. Zudem befand sich hier der ‚Eingang zur Unterwelt‘.
Es ist wieder sonnig, warm, nur ein paar Wölkchen tanzen am Himmel.

>>Sanft gegeneinander laufende Berg- und Hügelrücken, durchgängig mit Weizen und Gerste bestellt, die eine ununterbrochene Masse von Fruchtbarkeit dem Auge darbieten. <<
Goethe bei einer Kutschfahrt durch Zentralsizilien
 

Wir finden unterhalb der Altstadt ein schattiges Parkplätzchen für Fiete und kämpfen uns in die Nähe des ‚Castello di Lombaria‘ aus dem 13./14. Jahrhundert. Auf einer weiten Terrasse neben einem kleinen Park treffen wir auf die ‚Pizzeria Bellevue‘ mit phänomenalem Blick auf das Bergdorf Calascibetta, auf die umliegenden Täler und einem netten Restaurant. Jetzt ist Genießerzeit angesagt.
Es weht ein herrlicher Wind, die Sonne scheint, der Ausblick ist fantastisch, der Kellner nett, kaum Touris und wir bestellen ein fürstliches Lunch. Die Küche überrascht uns mit einer sizilianischen Nudelspeise, die grandios mundet. Und nach ‚il conto per favore‘ bekommen wir noch ein Eis. Da kann man doch nicht mobbern. Wir urlaub’n!!

Gestärkt geht es per Fußmarsch immer bergauf zum Castello. Ich finde auf dem Weg dorthin eine geöffnete Kirche – was auf Sizilien in der Mittagszeit eine große Ausnahme ist. Hier werden wir fürstlich von einer perfekt geschminkten Dame begrüßt, die uns sofort sprudelnd auf Italienisch erklärt, wo wir uns befinden und wie wichtig doch diese Kirche ist. Dann erhalten wir tatsächlich eine deutsche Beschreibung. Es handelt sich nämlich um eine Soldatenkirche mit zahlreichen Gräbern.

Das Castello sieht an vielen Stellen wie eine Baustelle aus. Wir vermuten, dass es   an vielen Stellen restauriert wird und jetzt mal eben eine längere Pause eingelegt wird. Wir können nicht hinein, also laufen wir erstmal drumherum.  Dabei findet  Klaus den ‚Rocca di Cerere‘, einen kleinen Felsvorsprung, den wir besteigen. Hier befand sich einst das von Cicero beschriebene berühmte Demeterheiligtum. Wir genießen einen tollen Blick auf Enna.

Danach schlendern wir durch die alten Gassen mit ihren leicht verkommenen Palazzi und besichtigen die Mutterkirche Ennas, die eine bunte Mischung aus unterschiedlichen Stilrichtungen zeigt: die Chiesa Maria SS della Visitazione‘. So einen Prunk habe ich selten gesehen. Toll. Wir laufen durch das enge Gassengewirr – zum Teil noch islamischen Ursprungs – die Via Roma herunter und  holen Fiete wieder ab.

Die Autobahn bringt uns Richtung Termini Imerese, wo sie auf die Querverbindung Palermo– Messina trifft. Wir entscheiden uns für einen Campingplatz jenseits von Palermo – und da müssen wir komplett durch -, was natürlich mit hohem Verkehrsaufkommen sizilianischer Art verbunden ist. Egal ob wochentags oder Sonntag, in Palermo dauert die Rushhour von morgens um halb acht bis abends um halb neun! Es fahren auf drei Spuren sechs Autos nebeneinander, dazwischen mogeln sich Vespas durch, Fußgänger rennen über die Fahrbahn, LKWs, die sich den Weg freihupen und die Polizia stradale, die das ganze mit Blaulicht und Horn aufmischen. Ganz großes Palermo-Verkehrs-Kino!!! Zusätzlich kommen alle Palermitaner zur gleichen Zeit von ihren Wochenendausflügen an die Strände zurück. Na toll!

Ziel ist der Camping ‚La Playa‘ in Isola delle Femmine. Hier führt uns die Schrappnelle mal wieder in die Irre. Nach einem Wendemanöver erblicke ich ein Wohnmobil, was um diese Zeit auf Sizilien selten passiert. In einem Kreisverkehr, wo sich die Autos so festgefahren haben, dass nichts mehr geht, kommt eine Frau aus dem Camper auf uns zugelaufen. ‚Unser Navi spinnt, wollt ihr auch zum La Playa, können wir hinter Euch herfahren??‘ Klaro. Gemeinsam kommen wir gegen halbaht zum Ziel, checken ein und trinken erstmal an der gemütlichen Bar ein kühles Bierchen zusammen. Wir tauschen Erfahrungen mit den Fürstenfeldbruckern aus, bis es schon dunkel ist. Jetzt meldet sich der Hunger, wir schnabulieren noch Leckereien aus unserem Kühlschrank, schlabbern restlichen Wein und machen es uns gemütlich.
Es ist sternenklar, warm und wunderschön.

 

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