Durchs Stauland Schweiz direkt ins Elsass

Einstellige Temperaturen – wann hatten wir die das letzte Mal? Lange Hose und dicke Jacke zum Brötchenkauf angezogen, aber wir hatten stahlblauen Himmel. Die Sonne lugt schon über die steilen Bergkuppen, in dessen Tal Porlezza und der Camping Darna liegen. Sie ist aber noch nicht auf unserem Stellplatz angekommen.

Es ist noch ruhig, ab und an Hundegebell, das Schlappen und Schlürfen der Campingsandaletten, das gequake der Enten und das fauchen des Schwanenpärchens. Zwei Badeverrückte ziehen langsam ihre Bahnen durch den See. Das weckt bei mir sofort ambivalente Gefühle, denn in wenigen Minuten nehme ich mein letztes Bad in freier Natur in diesem Jahr.

Blick von unserem Stellplatz

Während Klaus sich um das Frühstück kümmerte, wollte ich noch die Bilder zu den letzten beiden Blogbeiträgen hochladen. Nichts Neues verrate ich, wenn alles wieder mal abgeschmiert ist und keine Verbindung zum W-Lan aufgebaut werden konnte. Niemals nie und nimmer!!! Zwischen den üblichen Pack- und Aufräumarbeiten noch den einen und anderen Versuch unternommen, aber Fehlanzeige. Mal ganz ehrlich, das nervt total. Ich mobberte!!

Es gibt Wichtigeres. Zum Beispiel unser Frühstück in der schon wärmenden Sonne direkt am See. Was für ein Anblick auf die Berge und den spiegelglatten See! Wir können uns kaum satt sehen an den klaren, leuchtenden Farben. Da schmecken ausnahmsweise auch die weißen stahlhart gebackenen Mehlkugeln, die sogenannten ‚italienischen Brötchen‘. Die Croissants munden bestens.

Chillen am See

Nun aber ab in den See, Enten und Schwäne verscheuchen und Fische erschrecken! Es hat ein bisschen gedauert, aber dann war ich drin im kühlen Nass und zog ebenso langsam und genüsslich meine Bahnen. Einfach genial. Noch schnell den vergessenen Badeanzug an der Rezeption abgeholt und los ging’s gen Frankreich.

Bis Eguisheim sind es ‚nur‘ 343 km. 130 davon hatten es allerdings in sich. Um 14 Uhr fuhren wir auf die Autobahn, alles lief bestens, es war wolkenlos, herrliche Fahrt durch die Berg- und Seenlandschaft, einfach toll. So kann es bleiben, dachten wir und standen im Stau.
Das war noch nicht der obligatorische Gottardo-Stau, nein, sondern ein Stau vor dem Stau. Klaus meinte trocken: „Irgendeine kleine Scheiße haben die Schweizer immer für uns übrig!“ Sprach‘s und wir stotterten uns von Kilometer zu Kilometer. Und die Millionen 80er-Schilder, ab und zu mal 100er, brachten uns sowieso schon auf die Palme. Vor Basel kamen wir dann in den absoluten Berufsverkehr und das war der Moment, wo ich endgültig die Schnauze von der Schweiz und ihren Vignetten-pflichtigen Autobahnen voll hatte. Will nächstes Jahr nach Frankreich, mal nicht durch dieses Stauland fahren. War mürrisch. Wollte zu den Störchen nach Eguisheim, endlich ankommen, endlich da sein. Eguisheim ist unser Urlaubsritual. Oft sind wir hier noch eine Nacht nach unseren Urlauben geblieben.

17:22 Uhr Ende Gelände – die Schweiz liegt hinter uns. Frankreich, wir kommen. Was war das schöööön, mal wieder mit 130 Sachen über die Autobahn zu ‚fegen‘! Noch 54 Kilometer und um 18 Uhr standen wir genau neben den Weinreiben in unserer Lieblingsecke auf dem Camping Les Trois Chateaux. Auf Nummer 303, genau der Hälfte unser Zahl auf dem Nummernschild vom Urlaubär.

Wir kochten uns die letzten italienischen Nudeln, schwangen uns auf die Räder und rollten ins Dorf. Die Weinlese hat begonnen, und wir hofften auf neuen Wein. Im Zentrum des Dörfchens war alles still. Wie ausgestorben, um 20:30 Uhr! Bei ‚Chez Marie‘ tranken wir dann Muscat, Pino Noir und – wenn Klaus in Frankreich ist – einen Pastis! Ein gemütlicher, französischer Ausklang des Abends.
Ich will noch nicht nach Hause! Der Bauch tut weh und das Herz erst recht. Einmal noch im Urlaubär schlafen, wie schön. Gerade die kleinen Dinge können große Freude bereiten.
Es ist sternenklar – fast!

 

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