Dresden ist ein Schmuckstück

Karfreitag, 19. April 2019

Nach einem sehr kurzen Frühstück bei strahlendem Sonnenschein starten wir Richtung Dresden und befinden uns knapp eine Stunde später im Freistaat Sachsen. Ganz normaler Reiseverkehr, wir kommen gut voran, bis zum Autobahndreieck Nossen. Hier hat sich offensichtlich alles versammelt, was gerne im Stau steht. Wir verlieren eine halbe Stunde kostbare Zeit und checken gegen 11 Uhr auf dem wunderbaren Campingplatz Martin im Stadtteil Mockritz, 6 km zum Dresdner Zentrum gelegen, ein. Fiete häuslich eingerichtet, Stühle und Tisch in die Sonne gestellt und genüsslich zu Mittag gegessen. Endlich haben wir unser Ziel erreicht.

Ich checke die Top-Tipps für den ‚gemeinen Touri‘ und erfahre, dass Dresden untrennbar mit seiner schillerndsten Persönlichkeit, dem sächsischen Kurfürsten August dem Starken verbunden ist. Der Bauherr, Genießer, Kunstsammler und König von Polen war als Mäzen ein Ass. Nur 60 Jahre brauchte das Idol, um aus Dresden ein barockes Kunstwerk zu machen.
Und in nur einer einzigen Kriegsnacht wurde ‚Elbflorenz‘ in Trümmer und Asche gelegt.

Am frühen Nachmittag starten wir per Bike ins Herz der Stadt. Die Fahrt verläuft locker und angenehm, die Sonne strahlt, der Himmel ist azurblau, kein Wölkchen ist zu sehen.
Wir kommen auf dem Altmarkt, historisches Zentrum der Stadt, und neben dem Rathaus an und parken die Räder an der barocken Kreuzkirche mit ihrem 92 Meter hohen Aussichtsturm. Es ist Karfreitag, und wir erfahren, dass ein Aufgang zur Aussichtsplattform deshalb nicht möglich ist. Sehr schade! Also beginnen wir unseren Streifzug durch die Stadt.

Die wieder aufgebaute Dresdner Frauenkirche prägt die Stadtsilhouette auf dem Neumarkt und ist Publikumsmagnet Nummer 1. Fast ein halbes Jahrhundert war sie präsent und wurde im 2. Weltkrieg in nur einer Nacht komplett zerstört. Für den Wiederaufbau wurden aus einer Million Trümmersteinen viele an ihre originalen Stellen eingesetzt. Heute ist das Wahrzeichen Dresdens ein Symbol der Völkerversöhnung. Wir halten inne, stehen in der Besucherschlange und können uns kaum vorstellen, dass hier vorher 40 Jahre Brachland und Parkplätzen waren. Endlich an der Reihe müssen wir auch hier auf einen Besuch der Kirche verzichten. Es laufen gerade Karfreitagszeremonien! Ganz großes Religions-Kino!

Also richten wir unser Augenmerk auf die Brühlsche Terrasse am Elbufer. Der einstige Lustgarten mit dem Albertinum, einem Museum für moderne Kunst, und dem Delfinbrunnen im Garten, ist bekannt als ‚Balkon Europas‘. Von hier aus genießen wir einen herrlichen Blick auf die Neustadt, die Anlegestelle für die Raddampfer der Sächsischen Dampfschifffahrt und die Augustusbrücke aus Sandstein über der gemächlich dahinfließenden Elbe.

Nur wenige hundert Meter weiter befindet sich das Residenzschloss, einstiger Herrschersitz der sächsischen Kurfürsten und die katholische Hofkirche Kathedrale Sanctissimae Trinitatis. Das Ensemle liegt zwischen Schloss- und Theaterplatz. Die Basilika ist Sachsens größter Kirchenbau. Hier hielten die Katholiken ihre Prozessionen ab, denn im protestantischen Sachsen war ihnen die Religionsausübung im Freien verboten. Wer sich am Herzen des großen Mäzens berauschen will, kann das in der Gruft nach Herzenslust tun. Auf dem Dach des Kirchenschiffs prangen stolz 59 überlebensgroße Heiligenstatuen.
Den Fürstenzug, das angeblich größte Porzellanbild der Welt aus 24000 Meissner Porzellanfliesen sehen wir nur im Augenwinkel, weil wir zugleich die Semperoper entdecken. Das stattliche Gemälde ist 102 Meter lang und fast 11 Meter hoch. Es erzählt die 800jährige Familiengeschichte des meißnisch-sächsischen Staates.

Ja, und da prangt sie nun, die Semperoper im Stil der italienischen Hochrenaissance, auf einem weitläufigen Platz. Sie gilt als eines der schönsten Opernhäuser weltweit. In einem Café verweilen wir und genießen den Anblick auf die Oper und das ehemalige Kurfürstenzentrum. Es ist herrlich warm und ein fantastisches Licht.

Jetzt ist der spätbarocke Zwinger, eine Gartenanlage mit sechs Pavillions und üppigem Figurenschmuck an der Reihe. Er ist zweifellos Touri-Magnet Nummer 2. Da wo einst Freiluftopern, Wagenrennen und andere Spektakel stattfanden, wuseln heute Touris durch und halten jede Kleinigkeit millionenfach in Bildern und Selfies fest. Seinen Namen verdankt der Gebäudekomplex seiner Lage zwischen äußerer und innerer Stadtmauer. Diese war zum Einzwingen des Feindes gedacht.

Ach herrjeh. Die Zeit vergeht im Fluge.
Wir schnappen unsere Räder, radeln mit Google etwas umständlich zum Campingplatz, sitzen draußen und genießen Grüne Soße. Kurz nach 20 Uhr sinken die Temperaturen rapide. Bei Fiete ist es warm und gemütlich. Wir chillen, schauen die Fotoausbeute an und schlabbern heimisches Bierchen.

Daten
Start km – 60216
Ziel km – 60441
Strecke – 225 km
Fahrzeit – 2 ½ Stunden
Durchschnittsgeschwindigkeit – ?? km h
Verbrauch – 10,9 Liter
Übernachtung – Campingplatz Betrieb Martin, Dresden, € 24,10 pro Tag

 

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