Dreiländerfahrt nach Eguisheim im Elsass

Freitag, der 23. Juni 2017
Zahlen – Daten – Fakten

Italien noch einmal genießen.
Deshalb stehen wir um 8 Uhr auf. Der Lago di Lugano liegt ganz ruhig vor uns, die Bergketten verstecken sich teilweise im Schatten, die Badegäste schlafen noch. Die Vögel zwitschern, die Entenfamilie putzt sich, ein Schwan zieht gemächlich seine Bahnen. In dieser herrlichen Morgenstimmung nehmen wir unser Frühstück ein und verspeisen die besten Croissants dieses Urlaubs. Ich denke NICHT an die Fahrt durch die ungeliebte Schweiz und konzentriere mich ganz auf die famose Atmosphäre. Danach geht‘s für ein letztes Bad in den See.

Wehmütig brechen wir um ¼ vor 12 auf und fahren vor der nächsten Autobahnetappe Richtung ‚ nach Hause‘ zum Supermercato in Porlezza. Ruckzuck geht’s Richtung Lugano durch einen neuen Tunnel, so dass die Herzkasper-Schmalspur-Strecke von gestern Abend komplett wegfällt. Fiete wird nochmal betankt, damit wir zügig durch die Schweiz kommen. Diesmal muss ich die Schrappnelle leider loben. Sie hat uns auf kürzester Strecke und fehlerfrei durch Lugano zur Autobahn navigiert. Ganz großes Lob-Kino!
Es ist 31 Grad, Dunst hängt über den Bergen.

Unsere Überlegungen, statt des Tunnels den Gotthardpass zu überqueren, verwerfen wir. Der Verkehr läuft und wir blicken lange – mal links, mal rechts – auf den Ticino, einen Nebenfluss des Pos, die dunstigen Bergketten immer im Blick. Landschaftlich mobbere ich nicht über die Schweiz, aber alles andere muss ich nicht haben.

Bei der Raststätte San Gottardo wird‘s einspurig. Natürlich staut es, weil eine Tunnelrenovierung vorgenommen und die Einfahrt in den 16,5 Kilometer langen Gotthard-Tunnel durch eine Ampel geregelt wird. Die Schrappnelle hält  Mittagsschläfchen, denn sie verpennt ihre Lieblingsansage ‚Sie nähern sich einem Stau‘. Wir öffnen die Fenster und lassen uns von 32 Grad warmer Gebirgsluft einlullen. Der ‚Heilige Godehard von Hildesheim‘, Namensgeber des Gotthards, hat ein Einsehen und schickt uns schon nach einer viertel Stunde hinein in die Betonröhre, der europäisch bedeutendsten Verbindung durch die Zentralalpen. Ich meckere nicht über die verlorenen 15 Minuten im Stau. Selbst zwei Stunden wären deutlich besser, als eine Fahrt mit einem Fünfspänner  von Como nach Flüelen, die damals 23 Stunden dauerte. Ganz großes Postkutschen-Kino!

Stau vorm Gotthardtunnel

Das Außenthermometer zeigt im Tunnel satte 37 Grad! Respekt. Die Luft im Fiete wird immer miefiger. Kurz vorm Koma sind wir endlich draußen und düsen mit den  erlaubten 100 kmh auf der Autobahn Richtung Frankreich, eine landschaftlich schöne Strecke. Vor Basel nimmt der Verkehr schlagartig zu und plötzlich sind wir mitten in einem langen Verkehrsstau. Stopp & Go. Der Zeitverlust beträgt 35 Minuten! Ich fahre und bin genervt. Die Temperaturen machen mir zu schaffen und ich will endlich in meinem Wohnzimmer, der Storchenstadt Eguisheim, ankommen.

Geschafft! Wir sind raus aus der Schweiz und Fiete freut sich, dass er mal rasen kann, genau für 5 Minuten!! Entgegen allen Fahrten auf dieser Strecke gibt es heute einen Bärenstau hier!  Die Schrappnelle ist in einen Tiefschlaf verfallen – sie ist mucksmäuschenstill.  Der Stau liegt offensichtlich an den zahlreichen Lastern, einem allgemein hohen Freitag-Verkehrsaufkommen und einem klitzekleinen Touchier-Unfall mit Gaffern. Irgendwie, irgendwann, irgendwo platzt  urplötzlich der Knoten und Fiete fährt mit 130 kmh unserem  Ziel entgegen.

Um 17 Uhr checken wir auf unserem Wunschplatz 47 beim ‚Camping Les Trois Chateaux‘ ein. Wir erwischen ein gutes Zeitfenster, denn der Platz ist in dieser Woche nur zu einem Drittel belegt. Nach einer kurzen Chill-Pause auf der WOMO-Terrasse schnappen wir die Räder und besuchen unsere Störche. Auch unser Campingplatz-Storch stolziert wieder auf der Suche nach Leckereien durch die Wohnwagen- und Wohnmobilplätze. Wir fahren kurz in den Ort und dann zum Dinner zu uns in die Weinberge.

Jetzt sind Informationen aus dem Internet, Mails lesen und schreiben angesagt. Zusammen schauen wir einen Krimi und steigen um 1 Uhr in die Betten. Ich verdränge den Gedanken, dass es die vorläufig letzte Nacht mit Fiete ist und schlafe sekundenschnell ein.

Es ist sternenklar.

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