Den Haags Seebad Scheveningen mit dem Rad

14. April 2017 –

Das Wetter schaut gut aus, als ich durch’s Fenster nach draußen blinzle.
Wir machen uns ein leckeres Frühstück mit nicht so leckeren holländischen Brötchen. Die Miltenberger müssen tatsächlich umziehen. Es wird voll auf dem Platz, heißt es an der Rezeption, und einen Dominoeffekt könne man sich Ostern partout nicht leisten. Und sonst auch nicht.
Also ziehen wir ebenfalls ruckzuck auf unseren gebuchten Platz Nummer 112 und schwingen uns kurze Zeit später auf die Räder, die auf Holländisch Fiets heißen. Wir wollen Hollands beliebtestes Seebad Scheveningen erkunden.

Den ersten Stopp legen wir gleich an der ersten Düne hinter der Ausfahrt des Campingparks ein, auf die eine wunderbare Treppe hinaufführt. Hier waren offensichtlich die Schildbürger am Werk: Außer einer Sitzbank, von der wir einen herrlichen  Ausblick auf eine hässliche Raffinerie in der Ferne haben, gibt es hier gar nix. Und vom Meer erst recht keine Spur.

Wir nehmen den Fernradweg LF1 durch den unter Naturschutz stehenden Westdünenpark, der quer durch die Sandberge und parallel zum Meer verläuft. Der Wind kommt glücklicherweise genau von hinten, denn dummerweise sind Dünen hügelig und somit auch der gesamte Fiets-Weg. Ich bin davon nicht begeistert und muss das noch ca. 6 Kilometer durchhalten.

Unterwegs stoßen wir auf Bunker, die die deutsche Wehrmacht während der Besatzung der Niederlande 1940–1945 in die idyllische Dünenlandschaft gebaut hat. Diesen ‚Atlantikwall‘ entdeckt das Seebad jetzt für sich und renoviert die vor sich hin rottenden Betonklötze zu Touri-Magneten um. Außerdem hat die Stadt frei herumlaufende Schottische Hochlandrinder aussetzen lassen, die zahlreiche Kackhaufen auf dem Fiete-Weg hinterlassen. Plötzlich endet der Radweg abrupt vor einem Bauzaun! Ganz großes Kino! Eine riesige Baustelle tut sich auf und es bleibt uns nichts anderes übrig, als die Baustelle im tiefsten Sand zu durchqueren. Danach noch ein paar hundert Meter mit dem Rad auf bestens ausgebauten Fiete-Wegen durch das Städtchen und schon landen wir am vom spanischen Top-Architekten De Solá-Morales gestalteten ‚neuen Strandboulevard‘.



Wir stellen die Fiets ab und speisen an einer Fischbude leckere frittierte Muscheln, Scampis und Tintenfischringe. Das Kurhaus von Scheveningen, ein beeindruckender Bau im Jugendstil aus 1885, verliert sich zwischen modernen Gebäudeschachteln, in denen zahlreiche Touri-Geschäfte untergebracht sind. Mittlerweile hat die Sonne die Überhand und wärmt den kühlen Wind. Wir biegen ab auf den Pier von 1901, der sich über 400 Meter direkt in die Nordsee erstreckt. Wir laufen in einer Höhe von 60 Metern ‚übers Wasser‘, direkt auf einen Aussichtsturm und ein fest installiertes Riesenrad zu. Außer Bungeespringen kann man im Turm auch übernachten und die Nordsee direkt aus der Badewanne bestaunen.


In einem der zahlreich vorhandenen Strandpavillions – an der holländischen Küste gibt es davon mehr als Dreihundert – sitzen wir in der wärmenden Sonne, schlabbern Kaffee und ein herrliches ‚Leffe brune‘! Dafür blechen wir teure Euros. War’s aber wert. Das ist eben auch urlaub’n. Wir schlendern auf der Strandpromenade zurück Richtung Räder, beachten diesmal die Kunstobjekte des Spaniers mit gebührender Aufmerksamkeit und machen noch einen Abstecher in die Einkaufs- und Flaniermeile Scheveningens. Aus mehreren Lokalitäten schallt uns echt gute Live-Musik entgegen. Dann radeln wir mit erheblichem Gegenwind die Dünenstrecke zurück. Klaus probiert, den ASTRA für’s Fernsehen zu bekommen, aber es gibt ‚keinen Satelitenempfang‘!! Lesen, bloggen und quatschen ist angesagt. Wie schööööön……

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