Das Rätsel ‚Castel del Monte‘, pulsierendes Leben und der verschwundene Fiete II

Sonntag, 14. Juli 2019

Heute habe ich mir viel vorgenommen, eine Rundreise durch Molfetta, Biscèglie, zum Castel del Monte, nach Bitonto und zum Camping ‚La Baia‘ in Giovinazzo.  Blöd nur, dass ich nicht lange geschlafen habe, die Geburtstagsparty endete in einem wilden, lauten Techno-Sound. Ich bleibe gelassen, frühstücke in Ruhe, mache die Entsorgung mit Fiete und style meine Haare. Hubs, was passiert denn da mit meiner Haarspraydose? Deckel ab mit großem Loch in der Mitte! Immerhin, es funktioniert noch. Starte gegen halbelf. Öl nehme ich keines mit, die Probe hatte für mich einen zu bitteren Nachgeschmack.

Es ist herrliche Sonne mit tollen schneeweißen Haufenwolken und angenehme 25 Grad. In Molfetta finde ich wieder einen ‚Im-Lotto-gewonnen-Parkplatz‘. Es ist Sonntag, Tag der Italiener! Alles ist auf den Beinen, die ganze Stadt wuselt. In den Restaurants tobt der Bär, auf den Straßen Palaver, Palaver, Palaver. Ein Scootermarkt zieht zahlreiche Jugendliche an. In einer Seitenstraße wird frischer Fisch verkauft genau unter dem Schild ‚Frutta e verdura‘ verkauft. Na toll!

Am Abend findet ein Konzert statt und einige hundert Jugendliche stehen schon an. Der Soundcheck schallt über die ganze Bucht und den wunderschönen Hafen. Molfetta hat übrigens eine der größten Fischereiflotten der südlichen Adria. Auf vielfachen Wunsch fotografiere ich eine Männergruppe und stelle fest, dass ca. 90 % der Männer bis 50 Jahre voller Stolz eine Umhängetasche tragen.

 

Es ist Highnoon und ich starte nach Biscèglie, einer größeren Stadt mit einem centro storico. Das Highlight des Ortes ist die Cattedrale SS Pietro e Paolo, das Castell, der beschauliche Hafen, der Corso Vittoria Emanuele II und zahlreiche Kirchen. Leider bin ich – wie meist – wieder in der Siesta-Zeit unterwegs, heißt, alle Kirchen haben geschlossen, dafür ist es menschenleer auf den Gassen. Ich gehe in eine Bar, esse wunderbares Eis, eine lockerer Süßspeise, typisch für die Region, und trinke einen cafè doppio. Das alles kostet mich schlappe 4,60 €! Für den Rückweg benutze ich Google-Maps. Passt.

Jetzt kommt das Highlight des Tages: ich fahre zum Castel del Monte, einem achteckigen Bauwerk, das Friedrich II. auf einem Hügel bei Andria 1240 errichten ließ.
Ich fahre über 30 Kilometer ausschließlich durch ein Meer von Olivenbäumen. Unglaublich! Ja fast schon langweilig! Naja, ist auch kein Wunder, denn 50% des italienischen Olivenöls stammt aus Apulien.

Schon bei der Anfahrt sehe ich das Castel auf dem höchsten Punkt thronen. Ich werde auf einem Parkplatz/Womo-Stellplatz eingewiesen und muss 7 € löhnen, obwohl ich nicht übernachte. Das finde ich unverschämt. Dazu kommen noch 2 € für den Shuttelbus.
Aber dann liegt die ganze Pracht bei Bilderbuchwetter vor mir. Friedrich II schien verliebt in die Zahl 8 gewesen zu sein, seine Krone hatte acht Zacken, der Grundriss des Castels hat acht Ecken und acht oktogonale Ecktürme. Außerdem steht die 8 für Unendlichkeit und Geichgewicht. Bis heute weiß man nicht, wozu das Bauwerk diente und ob Barbarossa sich überhaupt hier aufgehalten hat. Es liegt etwas Rätselhaftes in der Luft. Ich genieße die verschiedenen Anblicke und die Ruhe. Dann fahre ich mit dem Shuttle-Service zurück zu Fiete II.

Bevor ich den Camping La Baia  in Giovinazzo anvisiere, mache ich eine kurze Pause in Bitonto. Der Ort liegt auf dem Weg und punktet mit einem Prachtexemplar apulischer Romanik, die Cattedrale di San Valentino, 1200.

Ich finde wieder einen Lottogewinn-Parkplatz an einer übersichtlichen Ecke und fotografiere das Straßenschild. GoogleMaps bringt mich zum Schmuckstück des Ortes. Der Rückweg hat es dann in sich. GoogleMaps schickt mich kreuz und quer, aber genau zur Straße, wo Fiete II an der Ecke auf mich wartet. Die Straße allerdings hat einen Haken: sie ist 1 Kilometer lang. Und ich habe keine Hausnummer. Also irre ich auf und ab und wieder auf und ab, bis mich eine junge deutschsprechende Mutter fragt, was ich denn suche. ‚Mein Auto‘, antworte ich leicht aufgeregt und zeige ihr das Bild auf meinem Handy. ‚Da sind sie schon ganz richtig hier, aber ich hoffe für sie, dass das Auto nicht geklaut wurde‘. Mir schießt alles Mögliche im Kopf herum, bin sehr unruhig und für einen Moment ratlos. Laufe also wieder hin und her und dann noch 200 Meter weiter. Und da steht mein gutes Stück. Mir sind 1000 Steine vom Herzen gefallen. Musste erstmal 5 Minuten durchatmen. 27000 Schritte zählt das Fitnessarmband!!!!

Der Camping in Giovinazzo ist alles andere als leicht zu finden, keine GPS-Daten, keine Hausnummer am Lungomare, ganz großes Camping-Versteck-Kino!!! Plötzlich finde ich einen Camping ohne Namen, und …….. genau das ist der Platz, den ich suche. Werde herzlich begrüßt, kann mir ein Plätzchen aussuchen und gehe direkt ans Meer. Hier steppt der Bär, zwei Lounge-Bars versammeln zahlreiche junge Leute um sich und die hämmernden Basstöne vermischen sich mit dem aufgewühlten Meer. Das kann ja heiter werden! Während ich versuche zu chillen und zu lesen, kommt er nette junge Mann von der Rezi und schenkt mir ein Paar Ohrstöpsel!!!  Na denn, gut’s Nächtle, aber ab wann?

Daten
Start: km
Ziel: 11.351 km
Strecke: 101 km
Fahrzeit: 2 ½  Stunden
Geschwindigkeit: 40 kmh
Verbrauch: 10,3 Liter

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