Chianti-Tour mit Hornisse und Heuschrecke

Moin, moin, zusammen.
Wir verließen  Siena und stellten fest, dass wir gesten wahnsinniges Glück mit dem Wetter hatten. Denn heute ist es ziemlich bewölkt und leichter Regen tröpfelte auf das Dach unseres fahrenden Häuschens. Trotzdem konnten wir unser Frühstück draußen einnehmen, was uns immer besonders gut gefällt.
Nicht gestylt, einfach locker, ungezwungen und wann immer wir wollen.

Heute Morgen war mehr zu tun als sonst: viel zu spülen, aufzuräumen, und besonders die 158 Siena-Fotos sichten. Der Wahnsinn. Und das alles nur, weil die Nikonbatterie im Fotolädchen aufgeladen werden musste. Das hat zu zahlreichen doppelten Motiven geführt!
Appropos Ladegerät…. durch das unendliche auf- und wegräumen kam eine kleine Box ans Licht, in der zahlreiche Foto-Utensilien gestapelt waren. Ich muss jetzt nicht schreiben, was ich dort gefunden habe, oder?!!! Wut ist eben eine ganz schlechte Voraussetzung, um klar denken zu können. Aber man wird dadurch gezwungen, neue Wege zu suchen. Alles war wieder gut.

Heute wollten wir die Chianti-Landschaft erkunden. Das bedeutet malerische Dörfer, weiche Landschaftskonturen, zahlreiche Hügelkuppen, Horizont ohne Ende. Unsere einzige Sorge: hoffentlich hält sich wenigstens das bewölkte Wetter und es regnet nicht. Und ….. so war es dann auch. Wir starteten spät, fast halbeins, es war ziemlich schwül und 28 Grad.

im Chiantigebiet

Erster Stopp : Castellina in Chianti. Typische Toskanalandschaft, viel grün, Zypressenwälder und – straßen, Weinfelder ohne Ende, zahlreiche Olivenhaine und Fattorien (Weingüter). Wir befanden uns mitten im Herzen des Chiantigebietes. Chianti, das ist Wein, der aus vier Rebsorten verschnitten wird. Mehr als 2,5 Millionen Liter werden jährlich produziert. Und wie fast überall, die Etrusker haben hier auch schon Wein angebaut. Chianti Classico, hier ist das Kernland. Genau zwischen Florenz (übrigens nur 23 Kilometer entfernt) und Siena. Unterwegs begegnete uns immer wieder das Zeichen des schwarzen Hahns. Dies hat sich die Weingenossenschaft als Markenzeichen zu eigen gemacht.

Das verschlafene Dörfchen zieht trotzdem Touristen an. Wir schlenderten durch die Gässchen, entdeckten die Via delle Volte, Teil der Stadtbefestigung, und stöberten in einer etruskischen Grabkammer herum, deren Grabbeigaben in Siena im Museum besichtigt werden können. Von hier genossen wir herrliche Ausblicke auf das Weinland. In einem toskanischen Lädchen erstand Klaus seine geliebte Pesto Genovese.

Stopp Nummer zwei: Das Festungsdorf Panzano. Hier mussten wir – auf der Suche nach einem großen Parkplatz für den Urlaubär – mehrmals hin- und her fahren. 1000 Meter und wir waren hoch oben an der Chiesa Santa Maria. Von dort sieht man die imposante Burg, die in Privatbesitz ist und nicht besichtigt werden kann. In einer gemütlichen Bar über den toskanischen Hügeln mit prächtiger Aussicht genossen wir ein Glas herrlichen Panzanello Chianti Classico.  Wir sind beide keine Rotwein-Fans, aber das war Wein vom Feinsten!

Gespannt waren wir auf Antica Macellira Cecchini, einer ganz besonderen Metzgerei. Hier ersteht man Fleisch des Sinta-Senese-Schweins, einer Kreuzung aus Haus – und Wildschwein. Früher wurden diese Tiere als Lastenschweine genutzt. Bei klassischen Opernarien kann man hier Salume und Schinken sowie Chianti  verköstigen und erwerben.
Aber…… Mittwoch ist Ruhetag.

Letzte Station vor dem Übernachtungs-Camping war Greve in Chianti. Kein Dorf mit Gesicht, aber mit einer wunderschönen großen Piazza Matteotti und der Statue des Seefahrers Giovanni di Verrazzano. Auch eine Weinsorte wurde nach ihm benannt. Unser Ziel aber war eine traumhaft dekorierte Metzgerei mit lauter Köstlichkeiten. Schinken und Salami, Knoblauch und Pepperoncini, Wurstmacherutensilien und Weinflaschen ohne Ende zierten Decken und Wände. Leider hatten wir keinen Hunger, obwohl die toskanische Platte zum Anbeißen aussah.

Wir erstanden Salami und Schinken und ein Mitbringsel für Lena und starteten zufrieden in Richtung Tavernelle Val di Pesa zu unserem CP. Auf dem Weg dorthin fanden wir endlich einen Ölbauern. Bei Poggio al Chiuso erstanden wir einen 5-Liter-Kanister feinsten Olivenöls. Die Produktion des letzen Jahres geht langsam zur Neige, deshalb waren die 1 und 3-Liter Kanister bereits ausverkauft. Nächsten Monat beginnt schon die Ernte für das neue Jahr.

Der Camping liegt wunderschön in den Hügeln des Weinlandes, hat tolle terrassierte Plätze und einen sehr freundlichen Empfang. Wir grillten unser Halbwildschein-Kotelette (ganz hervorragend!!) und genossen gerade einen Rosé-Wein, als es passierte.
Ich setzte mich direkt auf eine riesengroße Hornisse, die sich auf meinem Stuhl versteckt hatte, und wurde natürlich fürchterlich gestochen. Ganz großes Hornissen-Kino!
Kurze Zeit später landete eine 8cm-große braune Heuschrecke auf meinem Bein! Der Abend war gelaufen. Mit Zitronenscheibe am Hintern und brennendem Schmerz schaute ich noch die Fotos des Tages an und verzog mich kurz danach leidend ins Bett. Das sind die Erfahrungen, wenn man die Natur genießt.  Alles wird gut. Sterne gab es heute keine, dafür aber schöne Träume. Florenz naht und wir haben zwei ganze Tage eingeplant.

 

 

 

1 Kommentare

  1. Christa und Manfred

    Es ist immer wieder nett zu lesen, was ihr in der Toscana so alles erlebt und gesehen habt. Zumal wir das allermeiste nachvollziehen können, weil wir selbst das so erlebt haben – bis hin zur Tunnelstraße in Castelina in Chianti.. Dann erfreut man sich wieder all der schönen Dinge und erlebt sie quasi noch einmal. Weiterhin viel Freude mit eurem Urlaubär – und unser Wunsch, dass der Schmerz des Stichs der Hornisse ganz schnell verschwindet.

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