Rheinfall mit Bahn, Boat & Bike

Montag, 22.06.2020

Radtour: Neuhausen am Rheinfall nach Konstanz 49,4 km; ein Großteil der Strecke führt durch die Schweiz vorbei am Untersee und entlang des Hochrheins

Die gestrige Wettervorhersage passt! Wir nehmen heute die längste unserer Radtouren in Angriff. Es geht mit dem Schiff nach Schaffhausen, mit den Rädern zum Rheinfall und wieder zurück über Schaffhausen nach Konstanz. Gut 50 Kilometer liegen vor uns.
Wie es aussieht sind wir nur eine kleine Gruppe. Der Männer-WG braucht viel Schlaf nach viel Bier und die Abfahrt des Bodenseeschiffes um 9:15 Uhr ist entschieden zu früh dafür. Sie werden später eine andere Tour wählen. Schade.

Das Wetter lässt nun doch sehr zu wünschen übrig. Am Schiffsanleger beginnt es sogar kurz zu regnen. Das Kursschiff ‚Untersee und Rhein‘, die „Arenenberg“, kommt pünktlich. Es herrscht Maskenpflicht an Bord, wird aber nicht so ganz beachtet. Unsere Räder werden professionell verstaut und los geht’s auf die dreieinhalbstündige Schiffstour. Und das Beste daran: heute ist der letzte Tag, an dem die Rädermitnahme  kostenlos ist!! Das macht 15 € Ersparnis pro Person aus.
Wir fahren rheinabwäts und organisieren uns erstmal Kaffee und leckere Hörnli. Es ist noch kühl, aber wir präferieren das Deck des flachen, langgestreckten Schiffes. In diesem Moment kommt mir die schwärmerische Erzählung meiner Cousine über die Tour in den Sinn. Und ich freue mich wie eine Schneekönigin auf das, was da alles noch kommt.

Jetzt reißt der bedeckte Himmel auf und gibt den Blick frei auf die unvorstellbare Weite und idyllische Schönheit der unberührten Flusslandschaft an Untersee und Hochrhein. Wir gleiten an einer unberührten Flusslandschaft des Hochrheins vorbei ,der sich hier durch die natürliche Landschaft windet. Wir fahren zahlreiche Haltepunkte an und mogeln uns mit abgesengten Schiffsteilen und eingezogenen Köpfen durch niedrige Brücken, zum Beispiel die Holzbrücke von Diessenhofen. Wir erreichen über Stein am Rhein die Landungsbrücke am ‚Freien Platz‘ von Schaffhausen, der nördlichsten Stadt der Schweiz. Hier wartet eine Überraschung auf uns: die Männer-WG!
Die drei Jungs sind unterdessen mit dem Zug nach Schaffhausen gedüst! In diesem Schweizer Ort hat sich übrigens der Dichter und Denker Schiller zu seinem berühmten ‚Lied von der Glocke‘ inspirieren lassen.

Wir starten jetzt den zweiten Teil unserer Tagestour. Die Räder kommen zum Einsatz. Es sind noch vier Kilometer zum Rheinfall in Neuhausen. Die Wassermassen des Hochrheins wälzen sich hier auf breiter Front über die Felsen hinab ins Wasserfallbecken am Schlössli Wörth. Der Rheinfall zählt zu den größten Natur-Sehenswürdigkeiten in der Bodensee-Region und ist der mächtigste Wasserfall Mitteleuropas mit einer Fallhöhe von 23 Metern. Auf einer Breite von 150 Metern gibt es hier einen Wasserdurchfluss von bis zu 700.000 Litern pro Sekunde. Ein imposantes Naturspektakel! Ich genieße dieses Schauspiel und fotografiere was das Zeug hält.

So und jetzt liegen mehr als 50 Radkilometer vor uns und wir sputen uns. Der Radweg führt stets am See entlang. Zwischen Schaffhausen und Stein am Rhein sind die Uferlandschaften äußerst reizvoll. In Büsingen übermannt uns der Hunger. Wir stärken uns im ‚Traditionshaus mit Herzlichkeit‘, dem S’Eder mit schmackhafter Hausmannskost. Wir kommen mit der Wirtin ins Gespräch und erfahren von ihr, das Büsingen die einzige deutsche Exclave ist. Die Situation sei ziemlich verworren, denn die Gemeinde zählt zu Deutschland, ist aber vollständig von Schweizer Hoheitsgebiet umgeben.

Nächster Stopp ist Stein am Rhein mit seinem tollen Rathausplatz. Für eine Besichtigung fehlt uns die Zeit. Hier fließt der Rhein wieder in den Bodensee. In Steckborn sehen wir malerische Fachwerkhäuser. Im nächsten Ort, in Ermatingen steht eines der ältesten Gasthäuser der Schweiz. Und er ist außerdem ziemlich berühmt, denn Napolion III hat hier übernachtet. Und
auch der Gegenpapst Johannes XXII floh 1415 während des Konstanzer Konzils in diesen Ort.  Kurz danach kommt Klaus‘ Drohne nochmal zum Einsatz. Dann kommt schon der Ausblick auf den Inseldamm der Reichenau und weiter geht es durch Schilfgürtel und Felder bis Konstanz.

Wir sind ziemlich geschafft. Ein langer Tag mit vielen Eindrücken geht zu Ende. Wir, die Camper, haben noch zusätzliche 3 Kilometer abzuspulen. Zu Hause angekommen bleibt alles stehen und liegen. Jetzt erstmal chillen!

Radkilometer 65

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