Almabtrieb im Pustertal

Samstag, 29.09.2018

Das war vielleicht eine verrückte Nacht. Kaum geschlafen. Mich hat die ‚Hexe‘ gezwickt und ich habe ziemlich Rücken! Und das, wo ich mich so auf den Almabtrieb gefreut hatte. Also, ein paar Schmerztabletten eingepfiffen und ausgecheckt.

Das ist – genau wie das Einchecken – wieder eine Katastrophe. Der Typ hinterm Schalter des 4-Sterne-Hotels ist einer der langsamsten Sorte und vier Leute warten noch vor mir. Nach einer halben Stunde und einem tiefen Seufzer verlassen wir das Brixener Becken und fahren 17 Kilometer nach Meransen. Es geht über das berühmte Kloster Neustift nach Mühlbach, – italienisch Rio di Pusteria!!!! – dem Eingangstor zum Pustertal. Ab hier geht es steil hinauf ins 1400 Meter hoch gelegene Berg- und Skidorf Meransen am 2512 Meter hohen Gitschberg.

Wir erwischen einen der 280 Sonnentage im Jahr und werden auf einem saftigen, großen Almwiesen-Parkplatz professionell eingewiesen. Dass das möglich ist mit einem großen Wohnmobil, wusste ich von einem Telefonat mit der Touri-Info. Schon die Fahrt hinauf ist ein Augenschmaus. Das Pustertal liegt zwischen 3000ern der Zillertaler Alpen und den bleichen Felszacken der Dolomiten. Hier auf 1400 Meter Höhe und dem bombastischen Wetter genießen wir nur einen Hauch dieses Panoramas. Das aber ist grandios.

Der Almabtrieb ist eine alte Tradition in Südtirol und wird mit viel Musik und Brimborium gefeiert. Die Rinderherden – begleitet von den Hirten – kehren von den Almwiesen zurück in ihre Ställe.

Wir laufen der ‚Musi‘ entgegen, entlang an zahlreichen Marktständen mit Bergen von Tiroler Speck, Würsten und Bergkäse, an Filzpuschen vorbei und natürlich an zahlreichen ‚Fress‘-Ecken mit gastronomischen Spezialitäten. Wir landen auf einem großen Festplatz und suchen sofort ein Plätzchen in der Menschenmenge, die auf die kunstvoll geschmückten Rinder warten.

Kurz nach Highnoon ist es soweit. Die festlich geschmückte Kranzkuh trifft mit ihrem Gefolge ein, begleitet von einer Blasmusik-Kapelle, den Goasslschnöllern, Schuhplattlern, einer Trachtengruppe und geschmückten Treckern. Eine der Leitkühe ist bockig und zickig und schlägt so manchen ängstlichen Zuschauer ins Weite. Zur Freude der Umstehenden. Zum Foto-Shooting versammeln sich alle Tiere auf der großen Almwiese neben der Festhalle.

Hier probiere ich ‚Strauben‘, ein typisches, süßes Backwerk. Der flüssige Teig wird spiralförmig durch einen Trichter in eine Pfanne mit siedendem Öl eingelassen und ausgebacken. Sehr lecker!

Nachdem wir noch eine Zeitlang dem bunten Treiben in herrlicher Natur zugeschaut haben, starten wir zu unserem letzten Übernachtungsplatz in diesem Urlaub, nach Garmisch-Patenkirchen. Der Stellplatz liegt direkt neben der Wankenbahn. Es ist kühl hier und später sternenklar. Ich hole meinen fehlenden Schlaf der letzten Nacht nach und der Arbeitnehmer chillt bei Wein und einem lustigen TV-Programm.

Daten
Start: 57189 km
Ziel: 57354 km
Strecke: 165 km
Fahrzeit: 3 Stunden
Durchschnitt: 54 kmh
Verbrauch: 9,6 Liter
Maut: 3 € und Brenner 9,50 €

 

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