6340 m² Mosaik und Rosalia in den Katakomben

Dienstag, 13. Juni 2017
Zahlen – Daten – Fakten

Nach unserem gemütlichen Frühstück – übrigens mit den besten Croissants bisher – brechen wir um viertel vor elf Richtung Monreale auf. Unser Highlight – der normannische Dom. Natürlich müssen wir wieder zuckelnd durch Palermos Verkehr, aber Klaus fährt fast wie ein Palermitaner, gibt Gas, hupt und biegt ohne Blinker ab. Ich bin erstaunt und lasse unsere Schrappnelle einen klitzekleinen Moment außer Acht. Wir verpassen dadurch die richtige Abzweigung nach Monreale. Ganz großes Umwegkino! Wir kämpfen uns über eine kleine Bergstraße zurück in den geliebten Palermoverkehr und kommen endlich an unserem Ziel an. Der Ausblick auf Palermo ist fantastisch.Der Hexenkessel, der Golf von Palermo und das Tal der Conca d‘Oro liegen vor uns. Sagenhaft.

Die Parkmöglichkeiten unterhalb der Altstadt sind hervorragend für Fiete geeignet und mit 4 € schon fast billig. Selbstverständlich haben wir Sonne, selbstverständlich ist es wieder um die 28 Grad und selbstverständlich müssen wir uns steil bergauf zur Cattedrale, dem Normannendom, einem vielfarbigen Wunderwerk der Architektur kämpfen. Sie zählt zu den schönsten Kirchen Italiens. Überraschenderweise ist die Besichtigung dieses Prunkstücks kostenlos. Dafür löhne ich einen Euro, um einen modischen weißen Fließmantel zu erstehen. Er ist ausschließlich dazu da, die Oberschenkel und Schultern zu bedecken!!!

Wow! Der erste Blick in den Innenraum der Kirche ist überwältigend. 6340m² goldgründige Mosaiksteinchen schmücken die gesamte Cattedrale, die der Normannenkönig Wilhelm II. auf dem Königsberg über Palermo errichten ließ und hier begraben ist.
Millionen von Steinchen fügten die Künstler zu einem gigantischen Bilderbogen des alten und neuen Testaments zusammen. Besonders imposant ist die Darstellung Christi als Weltenherrscher in der Apsis des Doms. Soviel Prunk verdauen wir bei einem Rundgang auf der Piazza vor und hinter dem Dom, laufen durch einen kleinen Park, am Kloster vorbei und durch die Touri-Meile zurück zu Fiete.

Wir starten und  fahren sage und schreibe weitere 15 Kilometer Umweg zu den Catacombe die Cappuccini, da man von hier nirgendwo auf die autobahnähnliche Straße durch Palermo auffahren kann! Super, ganz großes Umwegkino! Und das stimmt mich missmutig.
Kurz vor 14 Uhr und nur 250 Meter vor dem Ziel finden wir dafür ein großes schattiges und kostenloses Fiete-Parkplätzchen, spachteln eine Kleinigkeit aus einer Panificio und schauen, ob die Katakomben nicht doch durchgehend geöffnet haben. Bei den Sizilianern weiß man das nie.

Leider Fehlanzeige. Warten bis 15 Uhr ist angesagt. Klaus ist interessiert an dem  nebenan liegenden Friedhof mit einigen Mafiagräbern. Aber der schließt just in dem Moment, als wir hineingehen wollen. Kommen Sie Morgen, dann haben wir durchgehend geöffnet, meinte der Friedhofsangestellte trocken. Sehr schade.
Also ist Bar angesagt, Käffchen, kaltes Moretti und Eis. Ich kaufe bei einem fliegenden Händler noch Obst und Gemüse und bleibe bei Fiete (…war 2010 bereits in den Katakomben).

In der Kapuzinergruft von Palermo
(Es gibt keine Bilder: Fotografieren ist verboten)

Es ist soweit, Klaus geht Mumien gucken.
Das Interesse an den Katakomben ist groß. Klaus wartet mit gut 50 weiteren Touris auf Einlass am ‚Ingresso Catacome‘. Der Weg zur größten Mumiensammlung Europas führt durch ein Stadttor, der Porta Nuova. Diese Stelle markiert das Ende der Altstadt Palermmos. Der ockerfarbene Bau aus der Zeit der Kapuziner wirkt auf den ersten Blick unscheinbar.
Nach 10 Minuten steigt er hinab in das Reich der Toten. Und da hängen, stehen, sitzen und liegen sie schon. Nicht schonend aufgebahrt oder in Särgen verstaut, sondern aufrecht Spalier stehend wie in einer Geisterarmee. Die meisten tragen noch ihre Kleidung: schwarze Anzüge, Rüschenkleider, Kutten und Uniformen, durchlöchert und zerfressen. Die Toten befinden sich in unterschiedlichen Stadien der Verwesung.

Aufgrund besonderer klimatischer Bedingungen – ständiger Luftzug und Wände aus Tuffstein, die Feuchtigkeit absorbieren – verfaulen die Toten weniger als dass sie vertrocknen. Die Kapuziner entdeckten diesen Effekt 1599. Aus diesem Jahr stammt auch die älteste Mumie. Nach einiger Zeit fanden auch reiche Palermitaner Gefallen daran, ihre Liebsten über das Ende hinaus besuchen zu können.
Bald war der Andrang so groß, dass die Kapuziner das Gängesystem erweiterten und die Toten in der sogenannten Trockenkammer etwa acht bis zehn Monate zunächst gut abhängen ließen, bis sie ihnen einen festen Standplatz zuwiesen, hübsch geordnet nach Männern und Frauen, Priestern und Lehrern. Der Tod macht hier nicht alle gleich, er schreibt die irdischen Verhältnisse fort.
Die größte Attraktion ist heute der Körper der kleinen Rosalia Lombardo, die 1920 von der Spanischen Grippe dahingerafft wurde. Der Vater der Zweijährigen, General Mario Lombardo, war untröstlich. Und da er ein Mann von einigem Einfluss war, beauftragte er den berühmten Einbalsamierer Alfredo Salafia damit, seine Tochter wenigstens äußerlich zu erhalten. Der Chemiker schuf mit Rosalia sein Meisterwerk, das als „schönste Mumie der Welt“ berühmt geworden ist. Fotografieren ist verboten, daran halten sich die wenigsten, aber Klaus zollt den Toten Respekt. Da er zu den durchschnittlichen Mitteleuropäern zählt, die es nicht lange ertragen, dem Tod ins Gesicht zu schauen, ist er nach einer guten Stunde wieder bei Fiete und mir.

Aufgrund der wieder mal fortgeschrittenen Zeit schreiben wir Vito lo Capo ab, da wir in großem Bogen um den Monte Palatimone fahren müssten. Dafür finden wir ein Goldstück von einem Campingplatz in Castellamare des Golfo, im Altertum der Hafen des nahen Stadtstaates Segesta. Unser Stellplatz liegt direkt über den Felsen am Meer und am Beginn eines sieben Kilometer langen feinsandigen Strandes. Im Altertum war das heutige Badestädtchen der Hafen von Segesta, einer der drei großen Städte des Urvolkes Siziliens, den Elymern, wo sich auch eine Ausgrabungsstätte befindet.

Ich gehe sofort ins Meer und schwimme, was das Zeug hält.
Klaus bereitet das Essen zu, wir grillen und genießen seeeehr lange den phänomenalen Blick auf das mittlerweile ruhige Meer, beobachten die Fischerboote beim Netze auslegen und hören den Grillen beim zirpen zu.

Natürlich ist es sternenklar.

 

 

2 Kommentare

  1. Na Ihr zwei Beide,
    jetzt habe ich endlich mal geguckt, wo Ihr euch rumtreibt. Der Start war ja durchwachsen mit den vielen Staus. Aber wer fährt denn am Pfingstsamstag los? Ein bißchen selbst verursacht, der Stress – oder?
    Ansonsten hast Du wie immer super schön über eure Lage, Stimmung und die Gegend berichtet. Hut ab, Du bist ein kleines journalistisches Talent. Seid ihr zurück oder wie geht’s weiter? Die Bilder sind auch alle gut gelungen – schee! Herzliche Grüße sendet Euch Renate Frankenberger 😃

    • Liebe Renate,
      danke für Dein Kompliment, das tut sehr gut. Pfingstsamstag???? Wäre gerne das Wochenende vorher gestartet, aber da hatten wir unser jährliches Treffen mit unseren Freunden. Und wenn man nach Sizilien will,muss man da offensichtlich durch.
      Alles gut sonst. Bis bald. Melde mich wegen eines Treffens in der nächsten Woche. Gruß auch an Ewald, Ingrid

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