100 Kilometer am Meer

Mittwoch, 7. Juni 2017
Zahlen – Daten – Fakten

Nachts hat es geregnet. Ich stehe auf und beobachte argwöhnisch die dunklen Wolken über dem Madonie-Gebirge. Wir frühstücken trotzdem auf unserem Meerblickbalkon und freuen uns auf immer mehr Sonnenstrahlen.

Heutiges Ziel ist der ‚Golfi di Patti‘ Richtung Messina via SS 113. Wir starten am Capo Raisgerbi gegen halbelf und sind damit rekordverdächtig früh unterwegs. Noch hängen viele Wolken in den Bergen. Ich sehe aber auch kleine blaue Stellen.

Die Strecke ist traumhaft schön und führt unmittelbar am Meer entlang. Es ist kaum Verkehr. Das schnöde ‚Denkmal für einen toten Poeten‘ lassen wir großzügig links liegen und machen unseren ersten Stopp in der Keramikstadt ‚Santo Stefano di Camestra‘, einem Tipp von Francesco. Wir schlendern an mehreren Keramikmanufakturen vorbei. Hinterher bemerkt Klaus trocken: „Wenn Du mal jemanden los werden willst, schenke ihm eine der tollen Figuren, einfacher geht’s nicht.“

Schneller als geplant sitzen wir wieder im Fiete und genießen weiter die Ausblicke aufs Meer und die Gipfel des Nebrodigebirges. Es geht durch Olivenhaine und Zitronenplantagen. Plötzlich muss ich bremsen; Schafe kleben direkt neben der Staatsstraße im steinigen Gebüsch und lassen es sich schmecken.

Bei der Fahrt durch die Ortschaften passen wir uns schnell an die italienische Fahrweise an: 1. Zuerst komme ich, dann alle anderen; 2. hier will ich parken, der Rest geht mich nichts an; 3. hier halte ich ein Schwätzchen, so lange ich will.

Jetzt ist sie da, die Sonne, und das Meer leuchtet in türkisblauen Farben. Wahnsinn!!! Es ist so schade, dass es keine Haltemöglichkeiten gibt, um zu genießen und natürlich Fotos zu schießen. In Sant‘ Agata die Militello finden wir endlich einen großen Supermercado und decken uns mit allerlei Leckereien ein.

Bis ‚Capo D’Orlando  verlassen wir das Meer und fahren durch größere Orte mit viel Verkehr. In Capo, einem im Hochsommer völlig überlaufenen Touri-Städtchen  wollen wir zum Lungomare. Natürlich auch, weil Karl der Große diesem Ort seinen Namen gegeben hat. ‚Wir Frankfurter müssen zusammenhalten!!!‘ Mit Fiete passen wir jedoch nicht durch die nur 2,40 Meter hohen Eisenbahnunterführungen. Laufen ist angesagt. In einer netten Bar am Strand süffeln wir was, chillen und genießen Ruhe, Wind und die Weite des Meeres..

Richtung Brolo schmiegt sich die SS 113 wieder ans Meer. Bei Gioios Marea umrunden wir das Capo Calavà, fahren dann durch Patti zum Capo Tindari. Hier thront hoch oben auf dem Fels ein Heiligtum der Sizilianer, die ‚Santuario della Madonna Nera‘. Die Wallfahrtskirche zu Ehren der ’schwarzen Mutter Gottes‘ steht exakt da, wo in der Antike ein Tempel zu Ehren der Göttin Athena stand. Diese traumhafte Lage mit Blick auf die Liparischen Inseln wollen wir uns ansehen, die Straße nach oben aber ist gesperrt: Kohle machen auf einem riesigen Parkplatz ist angesagt. Darauf  und auf 1,5 Kilometer bergauf haben wir keinen Bock.

Wir steuern direkt den Campingplatz ‚Villagio Marinella‘ an, der direkt am herrlich gelegenen Golfo liegt. Auf der einen Seite der imposante Fels mit der Wallfahrtskirche, auf der anderen Seite die Landzunge bis zum Capo Milazzo. Nach dem Essen ist Baden angesagt. Wir machen es uns am Kieselstrand gemütlich und genießen die Kulisse und das Bad im 21 Grad warmen Meer.

Den Abend verbringen wir auf der WOMO-Terasse, bei Vollmond, Bierchen, lesen und bloggen. Es ist ruhig und warm. Die Bucht strahlt mit tausenden von Lichtern. Manche Dinge machen sprachlos.

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